Hirschthal

Es geht vorwärts: Die Gemeinde macht Fortschritte bei der Wirtschaftsförderung

Das unschöne Eingangstor Hirschthals mit Hochstudhaus und «Frohsinn» dürfte bald verschwinden.

Das unschöne Eingangstor Hirschthals mit Hochstudhaus und «Frohsinn» dürfte bald verschwinden.

Nach jahrelanger Planung liegt die Hirschthaler Nutzungsplanung endlich auf.

Macht sich eine Gemeinde an die Planung einer neuen Bau- und Nutzungsordnung, dann lautet die Hauptaufgabe gewöhnlich: «Wo schaffen wir Wohnraum für die zusätzlichen Einwohner, die über die nächsten 15 Jahre?» Hirschthal ist die Ausnahme. Hier fragt man sich: «Wo schaffen wir Gewerberaum für unsere Unternehmen, die sich vergrössern wollen?»

Die glückliche Lage, mit Pfiffner Messwandler und Jungheinrich zwei äusserst erfolgreiche Firmen im Dorf zu haben, bereitete dem Gemeinderat in den letzten Jahren (seit 2014 arbeitet er an der neuen BNO) auch Kopfzerbrechen. Beide Unternehmen möchten Erweiterungsbauten machen und brauchen mehr Land innerhalb des Dorfs, am besten gleich neben oder möglichst nahe dem heutigen Standort.

Insgesamt 100 bis 150 neue Jobs werden insgesamt geschaffen. «Das Jungheinrich-Mutterhaus in Hamburg hat seinem Schweizer Sitz vorgeschrieben, auch nach anderen Standorten Ausschau zu halten, für den Fall, dass es hier nicht klappt mit der Einzonung von Gewerbeflächen», sagt Gemeindeammann Peter Stadler. «Wenn immer möglich möchten wir Jungheinrich aber in Hirschthal behalten, da viele Leute der Region dort arbeiten.»

Ob Gewerbezone entstehen kann, entscheidet Grosser Rat

Und es hat geklappt – zumindest ist die neue Gewerbefläche auf dem Plan der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) eingezeichnet, der seit gestern öffentlich aufliegt. Denn die Grundstücke in der Neumatte an der Suhrentalstrasse, die der Gemeinderat in Gewerbefläche umzonen will, liegen im Siedlungstrenngürtel. Die Umzonung verlangt deshalb einen Richtplanbeschluss vom Grossen Rat.

Der Gemeinderat hat den Antrag zur Richtplananpassung Mitte Oktober an den Regierungsrat geschickt und damit das Mitwirkungsverfahren eröffnet, an dem sich jeder beteiligen kann. Dieses dauert bis zum 3.  März. Der Grosse Rat soll noch vor den Sommerferien entscheiden.

2,48 Hektaren umfasst das neue Gewerbeland in der «Neumatte» gleich beim «Pfiffner-Kreisel». Die Gemeinde hatte ursprünglich eine grössere Fläche umzonen wollen, «wir mussten aber mit dem Kanton einen Kompromiss machen und etwa 1,5 Hektaren weniger als geplant umzonen», so Stadler. Der Kanton wolle unbedingt vermeiden, dass man mit Einzonungen Reserven bilde.

Die «Neumatte» liegt ideal. Sowohl Jungheinrich wie auch Pfiffner Messwandler können gleich auf die Nachbarparzelle in nördlicher (Jungheinrich) beziehungsweise westlicher (Pfiffner) Richtung expandieren. Um diese Fläche zu kompensieren, sind im aufliegenden BNO-Entwurf mehrere Parzellen ausgezont worden. Die grössten ausgezonten Flächen liegen in den Gebieten Oberdorf, Chaibenacher und Foorenacher. Insgesamt 1,91 Hektaren kompensiert Hirschthal auf diese Art. 0,56 Hektaren werden dem kantonalen Siedlungsgebietstopf entnommen.

Auch der Hirschthaler Gartenbauer expandiert

Auf die «Neumatte» wird auch die dritte wichtige Hirschthaler Firma, A.Meier Gartenbau, einen neuen Standort bauen. Der heutige Platz auf der «Jungheinrich-Parzelle» an der Suhrentalstrasse wird ihr zu eng, auch sie braucht ein grösseres Gewerbe-Grundstück.

Gleichzeitig wäre das frei werdende Landstück willkommen für Jungheinrich. Bereits wird für diese Fläche ein Bürogebäude mit Lagerraum im Erdgeschoss geplant. Wenn Richtplanentscheid und BNO einmal durch sind (man hofft, die BNO an die Wintergmeind zu bringen), dann müssen die drei Firmen innert den nächsten Jahren bauen. Das schreibt der Kanton vor.

Die Erwartungen sind also gross, Pläne haben die Firmen bereits gemacht. Der Gemeinderat will es nicht darauf ankommen lassen, ob es mit dem Richtplaneintrag in der Neumatte klappt: Ammann Peter Stadler und Markus Goldenberger, verantwortlicher Gemeinderat für Raumplanung, haben jeden Grossrat persönlich angeschrieben, um Ihnen die Ausgangssituation in Hirschthal zu erklären.

Auch will der Gemeinderat nicht warten, bis der Richtplanentscheid da ist und legt den BNO-Entwurf schon jetzt öffentlich auf, damit mit dem Einwendungsverfahren begonnen werden kann. So können, wird alles genehmigt, die Expansionen beginnen. Bis jetzt, so Stadler, sei von Seiten der Bevölkerung keine Abneigung gegen das Projekt zu spüren.

Direkt an der Hauptstrasse müssen schöne Häuser stehen

Zusätzlichen Wohnraum muss Hirschthal auch schaffen. Immerhin hat das Dorf seit 27 Jahren keine neue BNO realisiert. Etwa 1600 Einwohner zählt das Dorf heute, bis 2033 schätzt der Kanton einen Anstieg auf 1770 Einwohner. Die Gemeinde rechnet aber mit einem grösseren Wachstum. Deshalb wird unter anderem eine minimale Ausnützungsziffer eingeführt. Die maximale Ausnützungsziffer wird erhöht.

Auch der Weg zum neuen Gesicht des Dorfzentrums ebnet die neue BNO. Das Testplanungsprojekt «Collier», das der Jury am besten gefiel, sieht entlang der Hauptstrasse dreistöckige Wohnzonen vor, von denen die vorderste Häuserreihe der Ästhetik wegen ein Schrägdach haben muss. Gewisse Schandflecke werden fürs neue Dorfbild verschwinden.

Die Tage des Hochstudhauses und des ehemaligen Restaurants Frohsinn sind gezählt, vom alten Bild stehen bleiben wird nur die Villa an der Talstrasse. Anstelle des Hochstudhauses wird neu gebaut, der Platz des «Frohsinns» bleibt frei. Zur Schule wird ein neuer Fussweg führen.

Ein kommunaler Gesamtplan Verkehr wird mit der BNO übrigens keiner erstellt. Gemäss Planungsbericht erwartet Hirschthal in den nächsten Jahren keine Verkehrsprobleme.

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