Kölliken

Erstes Aargauer Dorf initiiert den Klimanotstand

Schüler fordern, den Klimanotstand auszurufen. Ob es in Kölliken soweit kommt, wird im Oktober bekannt. (Symbolbild)

Schüler fordern, den Klimanotstand auszurufen. Ob es in Kölliken soweit kommt, wird im Oktober bekannt. (Symbolbild)

Die Kölliker Gmeind hat den Gemeinderat aufgefordert, zu eruieren, ob er den Klimanotstand ausrufen soll.

Ein Geschäft, das nicht auf der Traktandenliste stand, hat die Klimaprotestbewegung an die Kölliker Gemeindeversammlung vom 17. Mai gebracht. Martin Bossard, 58, ehemaliger Grossrat und Präsident der Partei Grüne-Bäretatze Kölliken, stellte den Antrag an den Gemeinderat, zu überprüfen, ob in Kölliken der Klimanotstand auszurufen ist. Konkret beantragte Bossard, dass der Gemeinderat an der Wintergmeind eine Übersicht präsentiert, was auf Stufe Klimawandel zu tun ist. Zudem soll er bis dahin eine Antwort auf die Frage parat haben, ob der Klimanotstand auszurufen ist.

Der Antrag wurde mit 33 zu 19 Stimmen angenommen, der Gemeinderat hat somit einiges an Hausaufgaben bis im Oktober. «Ich habe erwartet, dass die Kölliker den Antrag annehmen», sagt Bossard, der im Dachverband für Biobauern als Leiter Politik arbeitet. Er sass neun Jahre im Grossen Rat und vier Jahre im Gemeinderat.

Letzter Sommer als Warnung

«Man kann nicht erst in einer Notsituation anfangen, an Klimaschutzmassnahmen zu denken», sagt Bossard als Begründung seines Antrags. Es gebe zwar schon viele Dinge, die die Gemeinde gut mache, sagt Bossard. «Die Grünabfuhr mit Feldrandkompostierung bringt viele Tonnen CO als Humus in den Boden, hilft diesem, Wasser zu speichern, und ersetzt gleichzeitig Kunstdünger, welcher sonst mit viel Energie hergestellt werden müsste.»

Und wo sieht er Handlungsfelder für die Gemeinde Kölliken? «Ob man glaubt, dass der Mensch Ursache des Klimawandels ist, oder nicht: Die Trockenheit des letzten Sommers zeigt dringenden Handlungsbedarf. Die zwei Fragen, die sich für eine Gemeinde nun stellen, sind: Wie mindern wir unsere CO-Ausstösse und wie passen wir uns an Veränderungen wie steigende Temperaturen und Wassermangel an?»

Gemeinde hat Handlungsmöglichkeiten

Kölliken müsste als Betreiber seines eigenen Stromnetzes den künftigen Strombedarf eruieren. «Als eine der ersten Handlungen müsste Kölliken seine Energieversorgung überdenken», so Bossard. Denn in Zukunft würden immer mehr Solaranlagen Strom ins Netz speisen. Strom löse die fossilen Energien bei Mobilität, Heizung und Kühlung ab. «Mit steigenden Temperaturen geht es nicht mehr ohne Klimaanlagen in Altersheimen, Schulen und vielen anderen Gebäuden», sagt Bossard. «Eine andere Massnahme sollte die Förderung der Biodiversität im Dorf sein. Wenn wir mehr Grünflächen und Bäume haben, senkt dies die Temperatur, bindet CO und beugt Überschwemmungen vor, da das Wasser versickern kann.»

Die Gemeinde habe verschiedene Einflussmöglichkeiten: «Sie kann CO-freundliche Fahrzeuge anschaffen und neue Gebäude klimafreundlich bauen», so Bossard. Zudem könne die Gemeinde mit geeigneten Bauvorschriften und Beratung gute Klima-Bedingungen schaffen.

An der Gemeindeversammlung vom 22. Oktober wird der Gemeinderat verkünden, ob Kölliken den Klimanotstand ausrufen wird.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1