Oberentfelden
Erster Schritt für Sanierung der Engelscheune – wird das Gebäude künftig ein Kulturlokal?

Das einsturzgefährdete Gebäude soll laut Baugesuch für 760'000 Franken notgesichert werden. Nutzungspläne liegen noch keine vor.

Daniel Vizentini
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Nach den Bauarbeiten ab Frühling wird die Fassade hinter dem Gerüst gesichert sein.

Nach den Bauarbeiten ab Frühling wird die Fassade hinter dem Gerüst gesichert sein.

uw (15.11.2018

Die Geschichte zieht sich schon seit Jahren hin: 2014 wurde das Vordach der Oberentfelder Engelscheune gekappt, weil es einsturzgefährdet als akute Gefahr für Passanten und Verkehr galt. 2018 dann wollte die Gemeinde das gesamte Dach abreissen lassen. Solange nicht klar sei, was mit der alten Scheune geschieht, wäre diese Lösung für rund 200'000 Franken die vorerst kostengünstigste, hiess es damals.

Die Fassaden wären stehen geblieben, Weinstube und Waschraum des benachbarten Gasthofs Engel mit einem von der Strasse nicht sichtbaren Flachdach bedeckt. Dann aber schaltete sich der Kanton ein: Die Engelscheune ist zwar nicht direkt denkmalgeschützt, gilt aber als kantonal schützenswert für das Gesamtbild des Ortskerns von Oberentfelden, einschliesslich des markanten Satteldachs. 2019 gab der Regierungsrat deshalb den Auftrag: Dach und Aussenmauern sollen im Einvernehmen mit der Denkmalpflege saniert werden.

Die Gemeinde ging damals grob von einer halben Million Franken Sanierungskosten aus. An der Urnenabstimmung vor einem Monat schrieb sie von 570'000 Franken, die total veranschlagt wurden. 440'000 Franken davon für die Stabili- sierung der Aussenwand und des Dachstocks, eine neue Decke aus Beton und die komplette Erneuerung des Ziegeldachs. Zusätzliche 130'000 Franken kostet die Wärmedämmung des Dachs. Mit einem Ja-Anteil von satten 75 Prozent stimmte das Volk eindeutig dafür.

Baugesuch schätzt die Kosten höher ein

Eine Wärmedämmung sei das Mindeste, um eine künftige Nutzung der Engelscheune zu ermöglichen. Eine nachträgliche Dämmung würde doppelt so teuer ausfallen. Laut dem Baugesuch, das nun aufliegt, wird in der neuen Betondecke auch eigens ein Treppenloch und Platz für einen möglichen Lift ein­geplant. Im Baugesuch werden die Baukosten zudem neu auf 730'000 Franken für den Umbau plus 30'000 Franken für Umgebungsarbeiten geschätzt.

«In dieser Bauphase geht es in erster Linie um eine Sicherung des bestehenden grossen Gebäudes», stellt der zuständige Verfasser des Projekts klar, das Suhrer Architekturbüro Leutwyler und Sandmeier. Die Holzbalken seien verfault, mehrere Zugbänder unerklärlich verschwunden und die Aussenmauer bereits um mindestens 20 Zentimeter verbogen.

Dank Wärmedämmung künftig ein Kulturlokal?

Die Sanierung verläuft wie folgt: Das bestehende Ziegeldach wird entfernt, danach eine Betondecke eingezogen. Fundament für die Decke werden neue Pfeiler und Innenmauern. An den seitlichen Überzügen wird die historische Bruchsteinmauer verankert. Der Dachstuhl wird statisch neu gesichert, gereinigt und isoliert. Neue, braune Biberschwanzziegel decken das neue Satteldach ab. Auch der Boden wird neu erstellt, mit Fundamenten, die über dreieinhalb Meter in die Tiefe ragen.

Diese ersten Massnahmen dienen der Erhaltung der alten Scheune. Die Wärmesanierung des Dachs ermöglicht eine künftige Nutzung, zum Beispiel als Kulturlokal. Dass in der Engelscheune dereinst Konzerte oder Theatervorstellungen stattfinden könnten, wurde vor Jahren als erster Gedanke in die Runde geworfen. Konkrete Pläne da- zu gibt es noch keine.

Es dürfte aber im Interesse der Gemeinde liegen, in der Engelscheune Mieteinnahmen zu generieren, um das ausgegebene Geld wieder in die Gemeindekasse zu holen. Noch vor zwei Jahren war die leer stehende Engelscheune zeitweise als Veloabstellplatz benützt worden.