Grossratswahlen 2020

Erst acht Nominationen: In ihrem stärksten Bezirk fehlt der SVP ein Kandidat

Die SVP-Kandidaten, hinten (v.l.): Christian Merz (bisher), Bruno Rudolf (bisher), Barbara Borer, Manuel Kaspar (bisher); vorne: Daniel Wehrli (bisher), Michael Bättig (neu), Joel Zeberli (neu) und Bruno Ritter (neu).

Die SVP-Kandidaten, hinten (v.l.): Christian Merz (bisher), Bruno Rudolf (bisher), Barbara Borer, Manuel Kaspar (bisher); vorne: Daniel Wehrli (bisher), Michael Bättig (neu), Joel Zeberli (neu) und Bruno Ritter (neu).

Bisher konnten in Kulm erst acht Personen für die kommenden Grossratswahlen nominiert werden. Dabei ist die Partei in keinem anderen Bezirk derart stark. Ob die vier Sitze verteidigt werden können, ist fraglich. Einen Schub könnte der SVP die einzige Frau auf der Liste geben.

Bei den Grossratswahlen im Herbst 2016 schien für die SVP im Bezirks Kulm die Sonne: Sie gewann ihren vierten Sitz zurück. Und ihre einzige Frau, Karin Bertschi (damals Leimbach), war die absolute Überfliegerin. In keinem anderen Bezirk im ganzen Kanton war die SVP stärker: In Kulm erreichte sie einen Wähleranteil von 42,3 Prozent – plus 5,7% gegenüber 2012.

Seither ist viel passiert: Von den vier 2016 Gewählten sind nur noch zwei mit dabei. Das Nachrutschen ging so weit, dass es im Sommer 2019 sogar das SVP-Mitglied mit dem zweitschlechtesten Wahlresultat, Daniel Wehrli (Schöftland), ins Kantonsparlament schaffte.

«Was wir bei der Suche erlebten, ist enttäuschend»

Alle Bisherigen treten am 18.  Oktober wieder an. Ob sie es schaffen werden, die vier Sitze zu verteidigen? Schub könnte ihnen die momentan einzige Frau auf der SVP-Liste geben, die Holzikerin Barbara Borer-Mathys. Die Juristin ist seit knapp zwei Jahren Präsidentin der Bezirkspartei. Sie hatte einen grossen Auftritt im letzten Spätsommer, als die SVP des Bezirks Kulm in Reinach mit einem rauschenden Fest und dem Hauptredner Christoph Blocher ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

Barbara Borer, die Tochter von alt Nationalrat und Wahlleiter Hansueli Mathys, leitete in ihrer Funktion als Bezirksparteipräsidentin den Nominationsparteitag in Schöftland. Dieser fand coronabedingt mit etwas Verspätung statt. Doch das Mehr an Zeit genügte der SVP nicht, neun Kandidaten – so viele Sitze sind im Bezirk Kulm zu vergeben – zu finden. «Das, was wir bei der Suche nach Grossratskandidaten erlebt haben, ist enttäuschend», erkläre Barbara Borer. Es fehle der Wille, Verantwortung zu übernehmen und es fehle der nötige Biss. Barbara Borer beklagte auch die Schwierigkeiten, die Ortsparteien am Leben zu halten.

Weil noch am Tag der Versammlung ein Kandidat abgesagt hat, konnte Kulmer SVP nur acht Kandidaten nominieren. Ein neunter wird vom Vorstand aufgestellt, sobald es ihn gibt. Auf der Liste sind zuerst die Bisherigen (nach Wahlergebnis 2016), dann die einzige Frau und schliesslich die Neukan­didierenden: Bruno Rudolf (53, Techniker HF, Vizeamman, bisher), Reinach; Christian Merz (59, Transportunternehmer, bisher), Beinwil am See; Ma­nuel Kaspar (30, Unternehmer, bisher), Oberkulm; Daniel Wehr- li (53, Schreiner-Werkmeister, Gemeinderat, bisher), Schöftland; Barbara Borer-Mathys (37, Rechtsanwältin), Holziken; Michael Bättig (22, Sanitär-Installateur), Menziken; Bruno Ritter (65, Sekundarlehrer, Gemeinderat), Oberkulm; Joel Zeberli (21, Kaufmann) Reinach.

Die FDP möchte der SVP einen Sitz überlassen

Keinen Kandidatenmangel hat die SVP Kulm bei den Bezirkswahlen. Bei den Gerichtspräsidenten zeichnet sich eine stille Wahl ab. Lokomotive der SVP ist Christian Märki (Menziken).

Bei den Bezirksrichtern gibt es Kampfwahlen: Die SP versucht es nochmals mit Patrick Hüsser (AZ vom 15.6.). Und die SVP hat die Aussicht auf einen dritten Sitz, weil ihr die FDP ein Mandat abgeben will: Kurt Keller (FDP) tritt nicht mehr an, er soll Hans Nöthiger (SVP, Oberkulm) ersetzt werden: Die beiden anderen SVP-Laienrichter Heidi Rauch und Hans-Jörg Neeser kandidieren wieder.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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