Ersatzwahl
Neuzuzüger tritt gegen Alteingesessenen an – in Menziken kommt es zur Kampfwahl um einen Gemeinderatssitz

André Wey (59) und Herbert Karli (51) treten am 7. März in Menziken für den frei werdenden Gemeinderatssitz an.

Flurina Dünki
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Herbert Karli (l.) und André Wey sind die zwei Kandidaten für den Gemeinderatssitz in Menziken

Herbert Karli (l.) und André Wey sind die zwei Kandidaten für den Gemeinderatssitz in Menziken

Zvg / Aargauer Zeitung

Am 7. März wählt Menziken einen neuen Gemeinderat. Anton Bättig, der das Ressort Bildung unter sich hat, hatte vergangenen Oktober seinen Rücktritt eingereicht. Wegen der Abschaffung der Schulpflege per 1. Januar 2022 und der Übertragung der Schulpflege-Aufgaben auf den Gemeinderat wird mit diesem Ressort zusätzlicher zeitlicher Aufwand verbunden sein.

Bättig, der Vollzeit bei den SBB in Olten arbeitet, hätte dies nicht mit seiner Stelle vereinbaren können. Gleich zwei Männer wollen diesen Sitz nun ergattern. André Wey (59), der als Parteiloser antritt, da er der EDU nur noch theoretisch angehört, wie er der AZ sagt. Und Herbert Karli (51, FDP), der erst im Oktober 2020 von Sins nach Menziken gezogen ist.

Beide Kandidaten kennen die Schulpflege

Beide haben Erfahrung als Mitglied der Schulpflege. Eine gute Voraussetzung, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der Gewählte das Bildungs-Ressort übernehmen wird. Von einer Rochade ist nicht auszugehen.

Herbert Karli wollte sich im vergangenen November eigentlich nur mit seiner neuen Wohnregion bekannt machen und ging deshalb in der Landi Reinach zur Weindegustation. Der gelernte Maschinenmechaniker mit Weiterbildungen zum Einkäufer und Unternehmensführer war nach Menziken gezogen, weil er seit Juni 2019 Leiter Einkauf, Gebäudemanagement und Qualität bei der Jungheinrich AG in Hirschthal ist. Der Herr am Degustationsstand stellte sich als Andreas Mäder, Menziker Vizeammann, heraus.

Als dieser erfuhr, dass Herbert Karli in Sins in der Schul- und Kirchenpflege war, sagte er sofort: «Wir suchen jemanden, du kannst dich melden.» Eigentlich wollte der Neuzuzüger sich nicht gleich wieder in Ämtern engagieren, das hatte er auch seiner Partnerin versprochen. In Sins war er 12 Jahre in der Schulpflege davon neun als Vizepräsident und drei als Präsident.

Ehemals Präsident in Schul- und Kirchenpflege

«Meine Kinder, die heute erwachsen sind, gingen bei meinem Schulpflege-Eintritt in Sins zur Schule und ich hatte generell das Bedürfnis, mich für die Gemeinde zu engagieren», sagt Karli der AZ. Später kam die Kirchenpflege hinzu, wo er zehn Jahre lang (davon sechs Jahre als Präsident) die Finanzen leitete. Zudem war er fünf Jahre Präsident der FDP Sins und insgesamt 13 Jahre im Vorstand. Als Gemeinderat hatte er dort auch einmal kandidiert.

Von Anton Bättig liess sich Karli aufzeigen, welche Aufgaben und Aufwände ihn im Ressort erwarten würden. Er beriet sich mit seiner Partnerin und beide kamen zum Schluss, das sei machbar. Das Thema Schule liege ihm sehr am Herzen, sagt er, «und die Übertragung der Aufgaben nach der Abschaffung der Schulpflege ist nicht ohne, vieles ist noch Ungewiss».

Auch der zweite Kandidat ist Schulpfleger

Der zweite Kandidat, André Wey ist seit einem Jahr Schulpfleger in Menziken. Seit 20 Jahren wohnt er im Dorf, aufgewachsen ist er in Zug. Als fünffacher Vater hat er fünf verschiedene Schulkarrieren begleitet, «aber trotzdem werde ich als Schulpfleger immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert», sagt er. Jedes davon müsse ernsthaft diskutiert werden.

Etwa, wenn eine Klasse mit ihrem Lehrer, mit ihrer Lehrerin nicht zufrieden ist, oder wenn ein Schüler regelmässig schwänzt, ohne, dass die Eltern es merken. Auch André Wey ist von Anton Bättig gut über das Ressort unterrichtet worden. Wie bei Herbert Karli ist die gute Überführung der Schulpflege-Aufgaben Hauptbeweggrund für die Kandidatur. Wey ist gelernter Finanzberater und arbeitet selbstständig als Vorsorge- und Versicherungsberater.

Von Oerlikon Bührle zur Winterthur Versicherung

Als Erstberuf hatte er Betriebsingenieur gelernt und arbeitete mehrere Jahre bei der Oerlikon Bührle, für die er auch im Ausland tätig war. Nach dem Wechsel ins Versicherungsfach führte er 20 Jahre lang die Filiale der Winterthur Versicherungen in Fahrwangen. Nach der Übernahme durch die Axa machte er sich 2006 selbstständig.

In der Selbstständigkeit ist er in seiner beruflichen Heimat angekommen. Es sei ihm wichtig, eine Beratung zu machen, die für den Kunden stimme, ohne sich von den Vorgaben eines Unternehmens beeinflusst zu fühlen. Als Gemeinderat, sagt er, nütze sein Rucksatz nicht nur bei der steuerlichen Planung, sondern auch bei Themen wie Investitionen, Unterhalt, Anlagekosten oder Energiesparmassnahmen.

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