Reinach

Erneute Abstimmung: Der zweite Versuch von Tempo 30

Verkehrs-Gemeinderat Rudolf Lanz über der überarbeiteten Tempo-30-Karte.

Verkehrs-Gemeinderat Rudolf Lanz über der überarbeiteten Tempo-30-Karte.

In Reinach kommt die überarbeitete Vorlage zum Verkehrssicherheitskonzept am 29. November an die Urne.

Reinach will keine flächen­deckende Tempo-30-Zone. Das hatten die anwesenden Stimmenden an der Gemeindeversammlung im August entschieden. Sie nahmen den Rückweisungsantrag des FDPlers Philipp Härri an und beauftragten den Gemeinderat somit, ein neues Verkehrssicherheitskonzept auszuarbeiten. Eines, das Tempo 30 nur in gewissen Gebieten vorsieht.

Im Nachhinein finde er den Rückweisungsantrag gar nicht so schlecht, sagt der für Verkehr zuständige Gemeinderat Rudolf Lanz. «Etwas über die Hälfte der Gmeind hat für die Rückweisung gestimmt. Hochgerechnet heisst das, das halbe Dorf ist mit unserem Vorschlag von flächendeckendem Tempo 30 auf Gemeindestrassen nicht zufrieden gewesen. Bei der Umsetzung wären vermutlich viele Stimmbürger unzufrieden gewesen, was eventuell zu Missstimmung im Dorf geführt hätte.»

Gebiete am Dorfrand bleiben Zone 50

Gleich nach der Sommergmeind hat sich der Gemeinderat an die Überarbeitung gemacht. Jetzt, knapp vier Monate nach der Rückweisung, liegt der neue Entwurf vor. Am 29. November kommt das Geschäft an die Urne. Man habe den neuen Entwurf möglichst rasch vorlegen wollen, «damit wir von derselben Ist-Aufnahme ausgehen können», so Lanz.

Die verschlankte Verkehrssicherheitskarte belässt nun mehrere Gebiete in der 50er-Zone. Etwa den Sonnenberg, den Vorderberg/Hinterberg am gegenüberliegenden Hang oder das Gebiet Schofacher/Schyri/Rupphübel. Es sind Wohngebiete ausserhalb des Zentrums (für Industrie­gebiete war nie Tempo 30 vorgesehen).

«Wir haben uns neu auf Gebiete fokussiert, in denen sich Radwege oder Schleichwege der Autofahrer befinden, in denen die Lärmbelastung hoch ist oder in denen es bei Tempo 50 anderweitig zu Problemen kommt», so Lanz. Er erinnert zudem, dass Tempo 30 nur Gemeinde- nie aber Kantonsstrassen (wie Sandgasse, Aarauer-, Haupt-, Alzbach-, Lenz- oder Zihlstrasse) betreffe.

In den Abstimmungs­unterlagen kommen Vertreter der Gegner und Befürworter ano­nym zu Wort. Die Gegner kritisieren etwa das «Rekord­tempo» der Überarbeitung und einen möglichen Rückstau auf der Hauptstrasse. Und sie finden, dass die allgemeine Regel der angemessenen Fahrweise Tempo 30 obsolet mache.

Der Text dürfte aus dem Lager von Rückweisungsantragssteller Philipp Härri stammen. «Es gibt kein sachliches Argument gegen Tempo 30 in Wohnzonen», sagt Lanz. Es stimme, die Überarbeitung sei rasch gegangen. Dies, weil beim Projekt von Beginn an das Dorf in Gebiete eingeteilt wurde, von denen nun einige ausgenommen worden seien.

Am Abend des 29. wird klar sein, ob die Reinacher überhaupt Tempo 30 wollen oder nicht. «Was auch immer der Souverän entscheidet, werden wir an die Hand nehmen», so Lanz, «ohne Groll». Der Gemeinderat werde nicht etwa eingeschnappt reagieren, wenn die Bevölkerung Nein sage.

Zeitpunkt der Einführung noch nicht abschätzbar

Sollte das Volk Nein sagen, muss ein anderes Verkehrssicherheitskonzept her. Der Gemeinderat müsse laut Kommunalem Gesamtplan Verkehr eines erarbeiten, so Lanz, die Flinte ins Korn werfen werde man also nicht. Immerhin waren es vom Verkehr geplagte Bewohner, die ursprünglich an den Gemeinderat herangetreten waren mit der Bitte: «Macht etwas!»

Bei einem Ja würde die kantonale Zustimmung eingeholt, danach würden die 30er-Zonen gemäss Strassenverkehrsgesetz ausgeschrieben. Begleitende bauliche Massnahmen (Strassenverengungen etc.) werden als Baugesuch aufgelegt. Gegen beide Auflagen kann Einspruch erhoben werden. Deshalb sei es jetzt schwierig zu sagen, wann die neuen Zonen genau umgesetzt und eingeführt würden.

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