Waldwirtschaft

Erlös eingebrochen: Starker Franken zerhäckselt Holzpreis

Landwirt Ernst Kleiber und Pferd Franz helfen Revierförster Urs Gsell (r.) bei der Holzernte im Hirschthaler Wald. ces

Landwirt Ernst Kleiber und Pferd Franz helfen Revierförster Urs Gsell (r.) bei der Holzernte im Hirschthaler Wald. ces

Die Forstbetriebe in der Region haben Mühe, das Stammholz zu verkaufen. Nun widmen sie sich verstärkt dem Schlagen von minderwertigerem Energieholz - und der Waldpflege.

Majestätisch ragt die Buche im Hirschthaler Wald in die Höhe. Über 120 Jahre lang hat sie Wind und Wetter getrotzt. Doch jetzt ist ihr Stolz gebrochen. Die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses hat den stattlichen Baum über Nacht entwertet. Urs Gsell, Revierförster des Forstbetriebes Muhen-Hirschthal-Holziken, steht am Fuss der Buche. Er blickt nach oben und seufzt. «Momentan spielt es preislich keine Rolle, ob aus dem stattlichen Baum edle Möbel oder Holzhackschnitzel produziert werden.»

Tatsache ist: Der Erlös aus dem Stammholzverkauf ist aufgrund des starken Frankens um zehn bis zwanzig Prozent eingebrochen. Ein Kubikmeter Stammholz, das beispielsweise an Möbelhersteller, Sägewerke oder Holzhändler verkauft wird, ist nun gleich viel Wert wie ein Kubikmeter Energieholz. Holz von minderer Qualität, das zum Heizen gebraucht wird, etwa in Form von Schnitzel oder Stückholz. «Das schmerzt mich», sagt Gsell, der seit 40 Jahren im Wald arbeitet.

Holzen mit Pferdestärke: So gehts.

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Mit der Senkung der Stammholzpreise versucht die Branche, die negativen Auswirkungen der Frankenaufwertung auszugleichen: Einerseits steigt der Konkurrenzdruck durch billige Importware an. Andererseits bremst das währungsbedingt teurere Schweizer Holz den Export. Keinen Einfluss hat der starke Franken auf die Energieholzpreise: Diese sind seit Jahren indexiert, somit kaum Schwankungen ausgesetzt.

Die Konsequenzen der tiefen Stammholzpreise spürt auch der Forstbetrieb Region Aarau. «Nach der Aufhebung des Mindestkurses blieb das Telefon ein, zwei Wochen lang still», sagt Stadtförster Roger Wirz. Normalerweise nehme er pro Woche zwei Bestellungen von Stammholzkunden entgegen, unter anderem von Holzhändlern, die den Rohstoff direkt ins Ausland exportieren. Der Forstbetrieb, dem die Gemeinden Aarau, Biberstein und Unterentfelden angehören, hat im vergangenen Jahr rund 6500 Kubikmeter Holz geschlagen, die Hälfte davon Stammholz.

Fokus liegt auf Energieholz

Ob man in diesem Jahr genauso viel schlagen wird wie 2014, werde sich zeigen. «Wir sind zwar am Holzen», so Roger Wirz. Jedoch setze man momentan den Fokus auf das Energieholz. «Die ganz guten Stämme lassen wir zurzeit stehen», sagt der Stadtförster. Man warte ab, bis sich die Preise etwas erholen. Zudem widmet sich der Forstbetrieb auch vermehrt der Waldpflege und der Drittarbeit, wie Garten- und Parkholzerei, oder entsorgen Äste und Schnittgut. Obwohl Wirz in diesem Jahr mit einer Erlös-Einbusse von rund zehn bis zwanzig Prozent rechnet, malt er nicht schwarz: «In Zukunft wird es weiterhin Holz brauchen.»

Zurück in Hirschthal. Die Nachmittagssonne wirft ein Spiel aus Licht und Schatten in den Wald. Der Lärm der Motorsäge durchbricht die winterliche Ruhe. Im Zeitlupentempo beugt sich eine mächtige Buche nach vorn, kurz darauf kracht sie mit voller Wucht auf den Boden. «Jetzt haben die jungen Bäume Licht und Platz, um zu wachsen, sagt Urs Gsell, der einen Dauerwaldbetrieb leitet. Hier wird auf flächigen Holzschlag verzichtet. «Je mehr Natur man zulässt, desto weniger kann man falsch machen.»

Böden müssen geschont werden

Der Revierförster schreitet in den Waldbereich, in dem vermehrt junge Bäume stehen. Hier zieht Pferd Franz geschlagenes Holz hinter sich her. Am Waldweg angekommen, löst Landwirt Ernst Kleiber die Kette vom Stamm, dann verschwinden Franz und sein Besitzer wieder im Wald. Zwei bis fünf Prozent des Holzes erntet Urs Gsell mit dieser Methode, der Rest wird mit der Seilwinde an die Waldstrassen gerückt. Schwere Maschinen, sagt er, müssten auf der Strasse bleiben, sonst würden die Böden verdichtet. Hingegen blieben sie fruchtig, wenn das Pferd das Holz von unzugänglichen Orten an die Waldwege vorrücken würde.

Vor allem in dieser finanziell ungünstigen Periode lohnen sich diese beiden Verfahren. «Jetzt ist es umso wichtiger, die Substanz und die Vitalität des Waldes zu erhalten», so Gsell. Die Schweizer Holzqualität sei gut, die Wälder seien voller Holz. «Die Voraussetzungen für die Nutzung sind ideal.» Dass das Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft werde, liege unter anderem an den tiefen Holzpreisen.

Noch ist «Lothar» präsent

Diese Meinung teilt Marcel Hablützel, Förster des Forstbetriebsgemeinschaft Region Seon: «Das Problem ist nicht, das Holz zu verkaufen, sondern zu welchem Preis». Nebst der Preissenkung, die nach der Aufhebung des Mindestkurses erfolgt ist, nennt er ein Ereignis, das schwerwiegendere Konsequenzen hatte und mit dem er heute noch zu kämpfen hat: Sturm Lothar im Winter 1999. Rund ein Sechstel der Waldfläche in der Obhut von Seon, Dürrenäsch, Schafisheim und Teufenthal wurden zerstört. «Der Sturm war eine ökonomische Katastrophe», sagt er. Etwa 25 Jahre muss man in die Waldpflege investieren, bis die Bäume erstmals einen Ertrag in Form von Energieholz abliefern. Bis sie erntereif sind, dauert es zirka 80 bis 120 Jahre, je nach Baumart.

«Ein Sturm wie «Lothar» wirkt viel länger nach als ein starker Franken», so Hablützel. Trotzdem hofft er, dass sich der Währungskurs so rasch wie möglich einpendeln wird.

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