Kölliken

Er zähmte selbst den lautesten Polteri

Robert Glanzmann (links) übergibt nach 26 Jahren das Amt des Bauverwalters an Marcel Graf und zeigt ihm unter anderem die neuen Häuser am Spenglerweg.

Robert Glanzmann (links) übergibt nach 26 Jahren das Amt des Bauverwalters an Marcel Graf und zeigt ihm unter anderem die neuen Häuser am Spenglerweg.

Bauverwalter Robert Glanzmann wird pensioniert – auf einem Spaziergang blickt er zurück auf 26 Jahre und zeigt seinem Nachfolger Marcel Graf, was ihn in dieser Zeit am meisten beschäftigt hat

Ständig sei der ältere Mann unzufrieden gewesen, ein Polteri eben, wie Robert Glanzmann sagt. Der Bauverwalter erzählt: «Es ist schon lange her, da kam er ins Büro, hat ausgerufen. Ich sagte ihm, er sollte nochmals rausgehen, anklopfen und mir dann anständig erklären, was er zu sagen habe. Der Polteri tat erstaunlicherweise, wie ihm gesagt wurde, und wir konnten sein Anliegen in Ruhe besprechen. Von diesem Tag an hatten wir beide keine Probleme mehr zusammen», sagt Robert Glanzmann und lächelt. Solche Geschichten hat der Kölliker Bauverwalter zuhauf zu erzählen, nach 26 Jahren.

Die Sondermülldeponie füllte viele Aktenordner.

Die Sondermülldeponie füllte viele Aktenordner.

«Ich habe es immer als Vorteil empfunden, nicht in Kölliken zu wohnen», sagt Robert Glanzmann. Nicht, weil ihm das Dorf nicht gefällt oder ihm die Sondermülldeponie nicht geheuer war. Sondern, weil er auch ein Privatleben haben möchte. «Würde ich in Kölliken wohnen, wäre ich ständig eine öffentliche Person, werde auf der Strasse angesprochen und wäre dadurch immer am Arbeiten. Das will ich nicht. Deshalb ist es gut, dass ich nicht in Kölliken wohne», sagt er. Robert Glanzmann wohnt im Nachbardorf Safenwil.

Erster Halt: Sondermülldeponie

Trotzdem kennt er jede Ecke in Kölliken, weiss, wie die Strassen heissen, kennt viele Einwohner mit Namen. Auf einem Spaziergang durchs Dorf zeigt er seinem Nachfolger Marcel Graf, welche Projekte ihn besonders beschäftigt haben. Bei der Sondermülldeponie (SMDK) legen die beiden den ersten Halt ein. «Die SMDK ist ein gewaltiges Projekt, so etwas behandelt man nur einmal in der Laufbahn», sagt Robert Glanzmann. Meterweise Aktenordner stapeln sich im Gemeindehaus. Es ist eines der grössten Baugesuche des Kantons: rund 1800 Seiten und über 230 Pläne beinhaltet das Rückbauprojekt. «Ich bin froh, kann ich dieses Projekt fast fertig an meinen Nachfolger übergeben», sagt Glanzmann. Marcel Graf jedoch findet dies beinahe schade: «Ein Projekt in einer solchen Grössenordnung hat man nicht alle Tage auf dem Tisch. Das wäre spannend gewesen.»

Der Kreisel prägt das Kölliker Dorfzentrum.

Der Kreisel prägt das Kölliker Dorfzentrum.

Im Laufe seiner Karriere musste Glanzmann einige Leute beruhigen, ihnen zeigen, dass die SMDK nicht mehr gefährlich und alles unter Kontrolle ist. «Kölliken wurde oft nur auf die Sondermülldeponie reduziert, das ist schade. Das Dorf hat nämlich viel zu bieten», sagt Robert Glanzmann.

Zweiter Halt: Spenglerweg

Deshalb geht der Spaziergang nun weiter zum Spenglerweg. «An diesem Weg stand früher nur ein einziges Bauernhaus. Die Gemeinde war Eigentümerin und hatte es vermietet», sagt er. Heute stehen am Spenglerweg rund ein duzend Einfamilienhäuser. Ein ruhiges, schönes und verkehrsfreies Quartier ist entstanden.

Wo Neues entsteht, müssen aber auch Vorgaben und Gesetze eingehalten werden. Und genau das ist es, was Robert Glanzmann gefallen hat: die Baupolizei. Baugesuche prüfen, beraten, manchmal auch verbieten. «Als Baupolizist war ich aber nie unterwegs, dafür hatte ich keine Zeit. Vieles wurde uns von Nachbarn gemeldet.»

Dritter Halt: Dorfzentrum

Der Spaziergang geht weiter in Richtung Zentrum, zum Kreisel. «Das Zentrum hat sich in all den Jahren sehr verändert», sagt Glanzmann. Der Kreiselneubau habe das Dorf geprägt, dem Zentrum ein neues Gesicht gegeben. «Dank des Kreisels bin ich 1,23 Minuten schneller zu Hause», sagt Glanzmann und lacht, ein spitzbübisches Lachen. Nein, gestoppt habe er die Zeit nie.

Das Schulhaus am Farbweg wurde neu gebaut.

Das Schulhaus am Farbweg wurde neu gebaut.

Einen längeren Nachhauseweg als Robert Glanzmann wird der neue Bauverwalter Marcel Graf haben. Der 38-Jährige wohnt zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter, die übrigens das Kölliker Schwimmbad bei argsten Temperaturen bereits getestet hat, im zürcherischen Birmensdorf. Seit Anfang Jahr arbeitet ihn Robert Glanzmann ein, zeigt ihm alles im Dorf, jedes noch so kleine Detail. Marcel Graf war vorher Bauverwalter der bernischen Gemeinde Thunstetten. «Ich habe explizit eine ländliche, mittelgrosse Gemeinde gesucht – und bin glücklich in Kölliken gelandet», sagt er.

«Ich wünsche Marcel Graf, dass er mit Gelassenheit diese neue Aufgabe ausführen kann», sagt Robert Glanzmann. Er selbst werde ab dem 1. Juli «d’Füess ufe Tisch hebe» und die Freiheit geniessen. «Ich freue mich darauf, dass ich die Verantwortung abgeben kann», sagt der bald pensionierte Bauverwalter.

Vierter Halt: Neues Schulhaus

Die Verantwortung übernimmt Marcel Graf. Eingelebt hat er sich gut in die Strukturen der Bauverwaltung Kölliken. Aktuell ist gerade das Thema Schulraumplanung. Deshalb führt der Weg die beiden Bauverwalter zum neuen Schulhaus am Farbweg. Die Blumenwiese, die an diesem einzigen schönen Tag der Woche in voller Pracht erblüht, zieht die Blicke auf sich. Schön sei sie, besser als Rasen, da sind sie sich einig.

Und was Marcel Graf vielleicht auch weiter beschäftigen wird, sind die Örtlichkeiten der Gemeindeverwaltung: Schon vor 26 Jahren, als Robert Glanzmann sein Amt antrat, suchte man einen neuen Ort für die Verwaltung. «Es gab bereits ein Wettbewerbsprojekt, doch der politische Wille reichte nicht aus, dass es weitergeführt wurde», erinnert sich Robert Glanzmann. Noch heute ist die Verwaltung im selben Gebäude. Vielleicht ein Thema, das früher oder später wieder auf des Bauverwalters Tisch landen wird – diesmal aber bei Marcel Graf.

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