Reinach
Er war der Schule 42 Jahre treu – nun geht er in Pension

Der Sekundarlehrer Kurt Keller geht nach über vier Jahrzehnten an der Schule Reinach in Pension. Wichtig war für ihn, immer auch Aufgaben zu übernehmen, die mit Erwachsenen zu tun hatten.

Peter Siegrist
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Kurt Keller war unter anderem auch als Turn-, später als Schulinspektor tätig.

Kurt Keller war unter anderem auch als Turn-, später als Schulinspektor tätig.

Peter Siegrist

Es war 1972, als der Seminarist Kurt Keller aus Suhr sich definitiv für die Pädagogik entschied und als 20-jähriger Junglehrer in Reinach eine Stelle an der Primarschule antrat. Das andere, vage Ziel, Jura zu studieren, liess er damals fallen. Kurt Keller hat der Gemeinde Reinach 42 Jahre lang die Treue gehalten. Zuerst wirkte er während dreier Jahre als Primarlehrer, dann wechselte er an die Sekundarschule, absolvierte die Sekundarlehrerausbildung und unterrichtete 30 Jahre lang an der Sek.

Der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz sagt: «Kurt Keller war immer ein absolut verlässlicher Partner.» Er war korrekt, engagierte sich für die Schule und die Öffentlichkeit. «So kämpfte er zum Beispiel über Jahre für einen echten Pausenplatz fürs Centralschulhaus.»

In Reinach sesshaft geworden

Nebst einem kurzen zweijährigen Abstecher an die Sekundarschule Beinwil am See hat Kurt Keller immer an der Schule Reinach gewirkt. Weshalb kein Stellenwechsel? Ist diese Beständigkeit einer gewissen Bequemlichkeit gleichzusetzen? «Nein», sagt Kurt Keller. Er sei in Reinach sesshaft geworden. In Reinach hat er seine Ehefrau kennen gelernt, geheiratet, mit ihr ein Eigenheim gebaut und drei Töchter grossgezogen. «Ich wollte in der Gemeinde wohnen, wo ich arbeitete», sagt Keller. Das sei heute bei jüngeren Lehrepersonen viel weniger üblich, aber für ihn stimmte es so.

Und dann erklärt Keller, was für ihn entscheidend gewesen sei, vier Jahrzehnte an der gleichen Schule zu bleiben. Er sei nie ausschliessliche Lehrer an seiner Klasse gewesen. «Ich habe darauf geachtet, immer auch Aufgaben zu übernehmen, wo ich mit Erwachsenen zu tun hatte.»

Kurt Keller unterrichtete während 16 Jahren als Hilfslehrer Turnen an der Bezirksschule und war parallel dazu in vier Gemeinden als Turninspektor tätig. Besonders interessant sei seine Tätigkeit gewesen als Mitglied der Aufsichtskommission der Neuen Kantonsschule Aarau.

Später war er Schulinspektor und gleichzeitig Praxislehrer in der Ausbildung von künftigen Lehrerinnen und Lehrern. Kurt Keller war ein Lehrer, der zwar gefordert und gefördert hat, der aber immer auch die Gabe hatte, in schwierigen Situationen sowohl mit Eltern, Schülern als auch Behörden einen gangbaren Weg zu finden.

Die Aufgaben ausserhalb des Schulzimmers schützten ihn vor einer Betriebsblindheit. «Im Schulzimmer ist man immer der Lehrer, der sagt, wo’s langgeht», meint Keller, als Inspektor jedoch habe er häufig auch die Funktion des Coaches oder des Mediators übernehmen müssen.

«Plötzlich stand ich nicht mehr vor einer Klasse, sondern war Vermittler zwischen «Konfliktparteien». So wertet Keller auch seine Kaderfunktion in der Armee als durchwegs positiv, er leistete seinen Dienst als Übermittlungsoffizier bei der Fliegerabwehr. «Ich kam mit Menschen aus ganz anderen Berufswelten in Kontakt und hatte eine Führungsfunktion wahrzunehmen.»

Stufenleitung übernommen

Als 2005 die Reinacher Oberstufe zur geleiteten Schule umgestaltet wurde, hat Keller die Funktion des Schulhaus- oder Stufenleiters Sek-Realschule übernommen. Es sei eine neue Aufgabe gewesen, nicht vergleichbar mit dem Rektorat, welches er einmal für vier Jahre innehatte. Gemeinsam mit dem Stufenleiter der Bezirksschule und dem neuen Schulleiter hat er mitgeholfen, die neue Organisation der Schule im operativen Bereich in die Tat umzusetzen.

Eine Aufgabe, die ihm offensichtlich gut lag. So sagt denn Gianin Müller, der Stufenleiter der Bezirksschule: «Kurt Keller ist für mich ein Freund geworden, ein Partner, der zu 100 Prozent verlässlich ist.» Sie hätten beide sehr speditiv zusammenarbeiten können. Auch spezielle Schul- oder Sportanlässe für die gesamte Oberstufe hätten sie beide gemeinsam planen und durchführen können. «Und nie kamen die Geselligkeit und der Humor zu kurz», sagt Müller. Das habe er an Kurt Keller so geschätzt.

Ende Schuljahr geht Kurt Keller jetzt mit 63 Jahren in Pension. Es sind gesundheitliche Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Und eines sei für ihn jetzt schon klar, er wolle den nächsten Lebensabschnitt mit neuen Inhalten füllen, er habe nicht vor, künftig Stellvertretungen zu übernehmen. «Die Schule hat mich erfüllt, aber jetzt soll anderes Platz haben.» Da gäbe es im Garten einiges zu tun, weiter restauriere er gern alte Möbel. «Hier sorgt meine Frau gern und immer wieder für Nachschub.» Weiter möchte er mehr Zeit für seine beiden Grosskinder aufwenden. Und das Reisen, ob in der Schweiz oder ins Ausland, das ist etwas, was Kurt Keller auch gerne macht.

Etwas Wichtiges blieb bis jetzt unerwähnt. Kurt Keller, der als 20-Jähriger auch mit einer Juristenlaufbahn geliebäugelt hat, ist seit acht Jahren am Bezirksgericht Kulm als Laienrichter im Amt. Nochmals eine Arbeit, die ausserhalb der Schulwelt stattfindet. Das Richteramt wird Keller auch über seine Pension hinaus noch weiter ausüben.