Schmiedrued-Walde

Er rettet und mäht, sie kocht: Die Badi hat ein neues Badmeister-Paar

Das neue Badmeister-Paar: Peter und Venice Geissberger.

Das neue Badmeister-Paar: Peter und Venice Geissberger.

Auf der Schiefertafel beim Badi-Restaurant sind zwei wichtige Kennzahlen notiert: «Luft: 24 Grad, Wasser: 17 Grad». Gleich daneben sitzt Peter Geissberger auf seinem Plastikstuhl, in Shorts, T-Shirt und Sandalen.

Peter Geissbergers Blick ist auf das Schwimmbecken gerichtet. Zwei Knaben balgen sich darin. «Es könnte immer etwas passieren», sagt der 45-Jährige.

Peter Geissberger ist seit Anfang Mai neuer Badmeister in Schmiedrued-Walde. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Venice. Die 34-Jährige betreibt das Badi-Restaurant. Heute steht nebst den üblichen Pommes mit Ketchup auch ein asiatisches Gericht auf dem Menüplan. «Fisch mit Reis an Kokosnussmilch», ihre Spezialität.

Venice Geissbühler kommt ursprünglich aus den Philippinen. Dort haben sich die beiden vor zehn Jahren kennengelernt. Peter Geissbühler war als Tauchlehrer vor Ort, als der Funke sprang. Seither verhält sich das Paar wie die Zugvögel: «Im Sommer sind wir hier, im Winter in den Philippinen.»

Lange Präsenzzeit

Die Arbeitszeiten eines Bademeisters sind lang: Täglich 13 Stunden, sieben Tage die Woche. Morgens lässt der gebürtige Büroner jeweils als Erstes den Roboter zur Poolreinigung ins Wasser. Anschliessend stehen Rasenmähen, Toilettenputzen und Wasserkontrolle auf dem Programm. Und wenn die ersten Gäste kommen, beginnt die Badeaufsicht.

Die langen Tage seien keineswegs ermüdend, findet Geissberger. Er könne seine Zeit frei einteilen und sei sein eigener Boss. «Und wenn viele Gäste kommen, vergeht die Zeit wie im Flug.»

Heute hingegen ist nicht viel los. Im Schatten bei der Brätelstelle turtelt ein junges Liebespaar, zwei Kinder verlangen am Kiosk nach «Raketen». Pingpong-Tische und Planschbecken bleiben heute ungenutzt.

Ein gemütlicher Tag also für den Badmeister? Nicht ganz. Peter Geissberger ist plötzlich abgelenkt und macht Richtung Schwimmbad ein Handzeichen. Einer der beiden Knaben ist auf die Eisenstange geklettert, die das Schwimmer- vom Nichtschwimmerbecken trennt. «Die wissen doch, dass die Stange nicht dafür gemacht ist», sagt Geissberger zu sich selbst.

Polizist zu spielen gehöre halt einfach zum Job, sagt der 45-Jährige, egal ob bei herumliegendem Abfall oder bei mitgebrachter Musik. Und sowieso, Kontrolle müsse halt sein, nicht zuletzt wegen der Sicherheit.

Noch niemand ertrunken

Die grosse Verantwortung macht dem diplomierten Rettungsschwimmer nichts aus. Ertrunken sei ihm glücklicherweise noch nie jemand, auch nicht während seiner beiden vorangehenden Anstellungen. 2009 war er Badmeister im Luzerner Lido, zuvor arbeitete er als Aushilfe in Beinwil am See.

Und wie ist Geissberger zu dieser Arbeit gekommen? «Ich war schon immer eine Wasserratte», antwortet er. Als Schulbub habe er jeden Sommer in der Badi in Schöftland verbracht.

Auch heute noch geniesst der Mann mit der Kurzhaarfrisur das kühle Nass. «Vielleicht gehe ich nach Feierabend noch kurz ins Wasser», sagt er und schaut zu Venice. Diese winkt ab. «Geh du alleine, mir ist es noch zu kalt.»

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