Menziken

Er kam aus Burg und prägte Menziken

Gemeindeschreiber Heinz Gloor wird pensioniert.

Gemeindeschreiber Heinz Gloor geht nach 25 Jahren in Pension. Er erinnert sich an den Wechsel vom kleinen Dorf in die grosse Gemeinde und macht sich Gedanken, wie sich Menziken weiterentwickeln könnte.

«Ich hatte noch gar keine Zeit, um die vergangenen 25 Jahre Revue passieren zu lassen», sagt Gemeindeschreiber Heinz Gloor (64). Es ist sein letzter Arbeitstag, er kommt gerade aus einer Sitzung.

«Ich rede immer noch davon, dass wir bestimmte Dinge in ein oder zwei Jahren angehen müssen.» Eins der letzten grossen Projekte, das Gloor mitbegleitet hat, ist die Neugestaltung des Zentrums. Rund um das Gemeindehaus entstehen fast zeitgleich mehrere neue Überbauungen und natürlich der neue Dorfplatz zwischen Gemeinde- und Schulhaus. «Wir können den privaten Bauherren natürlich nicht vorschreiben, was sie bauen sollen, aber wir können sie gemeinsam an einen Tisch bringen und so einen gemeinsamen Ansatz erarbeiten», so Gloor. Die Interessen seien unterschiedlich und die Konsensfindung sehr anspruchsvoll. «Wenn das Projekt als Ganzes gelingt, werden das Zentrum und mit ihm Menziken markant aufgewertet.» Die aktuellen Pläne werden die Gemeinde auf Jahrzehnte prägen.

«Was ich mir für die Gemeinde noch wünschen würde, ist eine Aufwertung der Gebäude zwischen Gemeindehaus und Glashaus», sagt Gloor. Damit die Gemeinde der Hauptstrasse entlang eine Falle macht. Doch die Gemeinde habe schon vor dreissig Jahren versucht, bei den Grundeigentümern die Initiative zu wecken. Bis heute erfolglos.

Wenigstens sonst wird gebaut, so viel wie sonst kaum wo. Land und Wohnen sind günstig in Menziken, die Gemeinde zählt eine der höchsten Leerstandsquoten und hat einen der tiefsten Mietspiegel im Kanton. Entsprechend ziehen überwiegend einkommensschwache Personen ins Dorf. Für Autofahrer liegt sie genau mittig zwischen Aarau und Luzern. Wohlwollende Stimmen bezeichnen diese Lage als zentral, andere sehen in der Lage einen grossen Nachteil.

Könnten die vielen entstehenden Mehrfamilienhäuser zahlungskräftigere Zuzüger anlocken? Die Gemeinde träumt seit langem davon, das Steuersubstrat zu erhöhen.

«Ich weiss nicht, wie sich die Neubauten auf die Zukunft Menzikens auswirken werden. Das wird sich erst in zehn, zwanzig Jahren zeigen», sagt Gloor. Menziken wünscht sich schon lange gute Wohnobjekte, die bessere Steuerzahler anlocken, doch weil vor allem neu gebaut und nur wenig saniert wird, fürchten viele, dass der Teufelskreis bestehen bleibt: Die Neubauten locken wenig Zuzüger und stattdessen besser verdienende, bestehende Einwohner an. In diesem Szenario würden die so freiwerdenden Wohnräume erneut von eher einkommensschwachen Zuzüger gemietet. Bis Menziken aufblüht, so Gloor, «kann es noch eine ganze Generation brauchen.»

«Das Sticheln verschwindet»

Doch es gebe viele positive Ansätze: «Die Umnutzung vom Glashaus ist gelungen, das Huus74 ist eine sehr gute Sache und auch das Business Center hat eine Attraktivitätssteigerung gebracht.» Die Stimmung im Dorf sei positiv. So habe es etwa mit der Zustimmung zur Kreisschule auch ein starkes Signal über die Gemeindegrenzen hinaus gesendet und zur Stärkung der regionalen Identität beigetragen. «Das frühere Sticheln zwischen Menziken und Reinach», das verschwinde immer mehr. Projekte zur regionalen Zusammenarbeit sind entstanden und auch die Verschiebung von Institutionen wie dem Jugendhaus von Menziken nach Reinach können keinen Streit mehr provozieren: Gemacht wird, was für alle Sinn macht. Mit Einschränkungen zwar; etwa bei der Spitex geht Menziken mit Burg andere Wege als das übrige Wynental, doch: «Menziken ist auf einem guten Weg».

Vom kleinen Burg zu Menziken

Überhaupt, Burg: Der kleine Nachbar Menzikens war und ist bis heute Gloors Wohnort. Vor seinem Wechsel nach Menziken arbeitete er dort als Gemeindeschreiber. Er kann sich gut erinnern: «Eigentlich hatte ich damals gar keine Wechselgedanken.» Als die Stelle dann zum zweiten Mal ausgeschrieben war, hat jemand zu ihm gemeint: «Das wäre doch etwas, von Gloor zu Gloor.» – Der frühere Gemeindeschreiber Menzikens trug denselben Familiennamen. Gloor bewarb sich und wurde angestellt. «Die Überraschung in Burg war gross.» Die Gemeinden waren vor einem Vierteljahrhundert nicht die besten Freunde. Dennoch sei sein Schritt gut akzeptiert worden. «Für mich persönlich sind im Freundes- und Bekanntenkreis keine Nachteile entstanden.»

Auch diese Gemeinden sind sich näher gekommen, die Spitex ist Ausdruck davon, aber auch die Gemeindeverwaltung von Burg, die heute im Gemeindehaus von Menziken untergebracht ist.

«Für mich damals am auffälligsten war sicher der Wechsel von einer kleinen Gemeinde zu einer grossen. In Burg arbeiteten wir eng zusammen, in Personalunion. Menziken war grösser, hatte mehrere Abteilungen mit Fachkräften. Das bietet mehr Möglichkeiten, macht aber auch die Zusammenarbeit anspruchsvoller.» Der Burger arbeitete sogleich daran, diese Abteilungen näher zusammenzubringen. «Ich hatte auch das Glück, dass ich vier Gemeindeammänner hatte, mit denen ich sehr gut ausgekommen bin.»

Bis heute kümmerte sich Gloor darum, die Mitarbeitenden zu fördern, auch, «weil das Finden von guten Mitarbeitern anspruchsvoll ist.» Ihre Arbeit stark verändert hat die Digitalisierung. Die Kommunikation ist um ein vielfaches schneller geworden.

Antwort nach Wochen

«Früher hat man einen Brief verschickt, sich überlegt, ob man das A- oder B-Post machen soll und in ein paar Wochen kam dann mal eine Antwort.» Entsprechend gut sei der Inhalt dieser Briefe abgewägt worden. Heute sei ein Email schnell geschrieben, nach dem Motto: Mal sehen, was dabei rauskommt. «Es ist ähnlich wie bei Patient und Arzt: Die Leute googeln etwas und sind dann überrascht, wenn wir ihnen erklären, dass es etwas komplizierter ist.» Doch die vielseitigen Informations-Möglichkeiten der Bürger haben auch positive Seiten. Das Machtverhältnis ist nicht mehr so einseitig wie früher, die Kontrolle besser. Obwohl es einfacher als jemals zuvor ist, sich über Gemeinde-Themen zu informieren: «Wir haben gleichzeitig eine Stimmabstinenz», sagt Gloor. 114 von über 3000 Stimmbürgern haben an der letzten Gemeindeversammlung teilgenommen.

«Man muss sich überlegen, wie man die Leute zum Kommen motivieren kann. Über die Jahre haben wir deshalb wie so viele den anschliessenden Apéro eingeführt und die Ortsbürger versammeln sich im Sommer in einer Waldhütte.» Das habe einen gewissen Effekt gehabt, doch gehe es nun darum, bei der Informationspolitik weiter zu arbeiten: «Mehr online, gut sichtbar und vielleicht auch über Kanäle wie Youtube. Um die jüngeren Bevölkerungsschichten anzusprechen.»

Jetzt wird ums Haus aufgeräumt

Doch für Heinz Gloor ist die Zeit im Amt nun zu Ende: Am Montag hatte er seinen letzten Arbeitstag, Ende Juni geht er offiziell in Pension.

«Mir ist bewusst, dass meine Arbeit nun von heute auf morgen weg sein wird. Aber ich werde sicher nicht vor dem Fernseher verschwinden», sagt Gloor. Er freut sich darauf, nun unabhängiger zu sein und etwa viel Zeit auf dem Fahrrad verbringen zu können. «Und um das Haus herum aufräumen will ich – aber ein Kollege hat mir schon gesagt, dass das nach drei Wochen auch durch sein wird», erzählt Gloor und muss lachen. «Ich bin zufrieden, hadere nicht – wenn ich zurückschaue, gibt es auch nichts, von dem ich das Gefühl habe, es gerne noch gemacht zu haben, etwas, das ich verpasst hätte. Das sind doch gute Voraussetzungen für den nächsten Lebensabschnitt. Wer weiss? Vielleicht gefällt mir das Rentnersein so gut, dass ich überhaupt nicht mehr arbeiten werde.»

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Autor

Michael Küng

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