Reinach

Er hat fast 1000 Kniegelenke eingesetzt

Markus Steiner schaut sich in seinem Sprechzimmer eine Röntgenaufnahme an.

Markus Steiner schaut sich in seinem Sprechzimmer eine Röntgenaufnahme an.

Über 20 Jahre war Markus Steiner Orthopäde im Wynental – manchmal musste er aber auch Psychologe sein. In dieser Zeit hat er 963 künstliche Kniegelenke eingesetzt und 1421 Hüften operiert.

Markus Steiner steigt die wenigen Stufen hoch, öffnet die Tür und geht in die Arztpraxis. In die Praxis, die 21 Jahre sein Arbeitsort war. In das Haus, in dem er zusammen mit seinen Brüdern aufgewachsen ist. Doch seit dem 1. September ist die Praxis nicht mehr seine Praxis, nicht mehr sein Arbeitsort. Er ist pensioniert, konnte die Praxis an seinen Nachfolger Bernd Heinrich übergeben (s. Kasten).

Er tritt in sein ehemaliges Sprechzimmer, nimmt auf dem Stuhl Platz und merkt sofort: «Dieser Stuhl ist anders eingestellt.» Neu steht zudem ein Skelett im Sprechzimmer. Die Knie- und Hüftmodelle sind jedoch noch da, wo sie immer waren. Markus Steiner nimmt ein Kniegelenk in die Hand und zeigt, wie ein künstliches funktionieren soll. «Es ist nicht einfach, einem Patienten zu sagen, dass er bald ein solches Gelenk eingesetzt bekommen soll», sagt Steiner. Feinfühlig musste er sein. «Ich schneide in jemanden hinein und verändere etwas, das muss gut kommuniziert sein», sagt er. «Ich musste mir also überlegen, wie ich diese Angelegenheit gut rüberbringe, damit der Patient überzeugt ist, dass es der richtige Weg ist.» Dafür brauche es viel Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen. Eine Eigenschaft, die Markus Steiner in die Wiege gelegt wurde. «Im Notfall zwei im Spital Menziken, als ich geboren wurde, hat meine Karriere angefangen», sagt Steiner heute. Natürlich habe er auch andere Berufe angeschaut, aber die Medizin habe ihn einfach gepackt. Schon sein Grossvater wie auch sein Vater waren Ärzte, auch zwei seiner Brüder waren Mediziner. Sein Grossvater hatte das Haus am Gerbeweg als Wohnhaus mit Arztpraxis gebaut.

Chirurg und Psychologe

Markus Steiner studierte in Basel Medizin. Heute sagt er, seine Eltern wären vielleicht froh gewesen, wenn er einen anderen Beruf gewählt hätte. So mussten sie sich nochmals darum sorgen, einen Sohn durchs Medizinstudium zu bringen. Doch die Sorge war vergebens, Markus Steiner meisterte das Studium gut. «Ich habe aber bald gemerkt, dass ich etwas mit den Händen machen muss», sagt er. Die Innere Medizin war nichts für ihn, er entschied sich für die Chirurgie, später für die orthopädische Chirurgie. Und er musste im Umgang mit den Patienten auch ein wenig Psychologe sein. «Als ich meinen ersten Patienten hatte, dachte ich: Bitte gebt mir wieder Bücher, damit kann ich umgehen», sagt er rückblickend auf seine Zeit als frischgebackener Assistenzarzt der chirurgischen Abteilung im Spital Neumünster in Zollikerberg. Es sei nicht einfach gewesen, die Theorie in der Praxis anzuwenden. Doch Markus Steiner sammelte Erfahrungen im Kantonsspital Aarau, im Limmattalspital in Schlieren, an der Uniklinik Balgrist in Zürich, am Kantonsspital Luzern und Olten. Er wurde Doktor der Medizin und machte den Fachtitel für orthopädische Chirurgie.

Zurück in seiner Heimat

1994 wechselte Steiner in die Praxis in Reinach, wo bereits sein Bruder als Chirurg arbeitete. Steiner war der erste Orthopäde im Tal und plötzlich auf sich alleine gestellt. «Ich musste das, was ich machte, von A bis Z verantworten können», sagt er. Denn er hat nicht nur Diagnosen gestellt, sondern seine Patienten in Menziken auch operiert und dann nachbehandelt. Dass er seine Patienten in jeder Phase begleiten konnte, das gefiel ihm.

Doch alles lief nicht immer rund. Komplikationen gebe es immer, so Steiner. «Auch ich musste Lehrgeld bezahlen», sagt er, «ich musste lernen, mit den Komplikationen zu leben.» Es habe aber mehr als zehn Jahre gedauert, bis er im Operationssaal in Menziken in eine Sackgasse kam. Bei einem Bauern musste er einen Routineeingriff machen, als er plötzlich stark zu bluten begann. Der Routineeingriff wurde zum Notfall. Glücklicherweise konnte das Kantonsspital Aarau eine Gefässchirurgin entsenden. «Der Bauer konnte wieder bauern danach, das war die Hauptsache.»

963 künstliche Kniegelenke hat er eingesetzt, 1421 Hüften operiert. «Es war jeweils ein Highlight, wenn ein Patient in einer Jahreskontrolle glücklich lachte», sagt er. Ein guter Umgang mit den Patienten war ihm wichtig. Auch bei den Patienten war er beliebt. So sagt eine ehemalige Patientin über ihn: «Er ist in meinen Augen ein wirklich toller Arzt. Seine Patienten im Spital Menziken besucht er jeden Tag, manchmal erst um zehn Uhr abends.»

Anfang September konnte Markus Steiner seine Praxis in die Hände von Bernd Heinrich übergeben. Fehlen werden ihm auch die jungen Mediziner im Spital Menziken: «Es war wunderbar, mit ihnen zusammenzuarbeiten.» Der passionierte Segler hat nun wieder mehr Zeit für sein Hobby und fürs Heimwerkern in seinem Ferienhaus am Genfersee. «Ich bin ein Handwerker. Im Beruf und auch sonst.»

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