Auf Werner Hunziker trifft das zu, was in einem Lexikon über einen Judoka zu lesen ist: «Ein Judo-Meister hört im Idealfall niemals auf, Judo zu praktizieren, auch wenn er nicht in der Trainingshalle ist.» Angefangen mit Judo hat Hunziker erst nach der Schulzeit in Reinach, als er in Schaffhausen arbeitete und dort dem Judoklub beitrat. Im Wynental gab es damals gar keine Judosportgelegenheit. Dies änderte erst, als Werner Hunziker aus der Ostschweiz zurückkehrte.

Hunziker, ursprünglich Offsetdrucker, hat sich zum Heilpädagogen ausbilden lassen und arbeitete in der Folge 38 Jahre lang bei der Stiftung Schürmatt, vorwiegend mit Kindern. Parallel dazu startete er 1974 in Reinach mit einer ersten Judogruppe im Rahmen des freiwilligen Schulsportes. «Das war der Anfang einer langen Zeit als Trainer von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.» Das neue Sportfach boomte. Viele junge Menschen interessierten sich für den Kampfsport in weissen Gewändern. Was jetzt fehlte im Oberwynental, das waren ein Klub und ein erweitertes Trainingsangebot.

Bereits 1976 hat Werner Hunziker, dem der Judosport und die Förderung der Jugend ein Anliegen war, den Judoklub Reinach gegründete. Jetzt packte diese Sportart auch die Erwachsenen, bereits die ersten Kurse des Klubs für Damen und Herren waren gut belegt. Hunziker selber engagierte sich stark im Schulsport und in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Vierzig Jahre lang hat er aus Überzeugung und aus sportlichem Engagement die Jugendarbeit geleitet.

Judo ist Sport, Judo ist aber auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Dieser zweifache Hintergrund hat Hunziker fasziniert. Er sagt: «Immer standen die Technik und die Haltung des Sportlers im Zentrum.» Dieses Zweierlei hat er den Kindern und Jugendlichen im Training vermittelt und vorgelebt. Rücksichtnahme, das gegenseitige Helfen und Verstehen gehören zu dieser Sportart. Gerade in Wettkämpfen, die auch zum Programm gehören, sei die Haltung gegenüber dem Kampfpartner wichtig. Ein Judoka wolle im Wettkampf siegen, wolle seine eingeübte Technik anwenden, greife an. «Aber das alles spielt sich im von ganz klaren Regeln abgesteckten Rahmen ab», sagt Hunziker. Und nach dem Kampf verneigen sich die beiden Gegner, ein Ritual, das vergleichbar ist mit dem der Schwinger, wo der Sieger dem Verlierer das Sägemehl von den Schultern wischt.

Gefesselt hat den Pädagogen Hunziker über all die Jahre auch die Methodik des Trainings. «Wie organisiere ich den Betrieb, wie erreiche ich die gesteckten Ziele?» Die jungen Menschen zu einem sinnvollen Sport anleiten, auch zum Durchhalten, «zum Dranbleiben», zum anständigen, eben sportlichen Umgang miteinander, dies war ihm wichtig.

Selber hat Werner Hunziker über die Jahre weiter trainiert, ist fit und beweglich geblieben. Jetzt hat er die Jugendleitung seinem Nachfolger Roland Tanner übergeben, hilft aber im Training noch mit. Judo ist hoch im Kurs, die Schulsportgruppen umfassen fast 50 Kinder und Jugendliche. Ja, ein Meister hört nie auf, Judo zu praktizieren.