Menziken

Er hätte fast Google ins Wynental geholt – und jetzt will er ins kantonale Parlament gewählt werden

Erich Bruderer.

Erich Bruderer.

Der Menziker Gemeindeammann Erich Bruderer möchte für die FDP in den Grossen Rat. Er sagt, er brauche regelmässig neue Herausforderungen. Die Wahl nach Aarau – da wäre eine solche.

Der Herr, der sich im Treppenhaus des Menziker Gemeindehauses verirrt hat, ist sich nicht bewusst, dass er im obersten Stockwerk plötzlich vor dem Gemeindeammann steht. Wie auch? Erich Bruderers tätowierter Arm, der sich dem Verirrten ausstreckt, um den Brief gleich selber entgegenzunehmen, würde man eher dem eines Angestellten denn dem Gemeindepräsidenten zuordnen. Viel weniger einem Politiker der FDP.

Wie reagieren die Parteimitglieder, die sich gerne in Schale präsentieren, auf Bruderer, seine tätowierten Arme und sein zweimal durchstochenes linkes Ohr? «Sie lassen mich sein, wie ich bin. Ich denke, die Partei sieht, dass ich gute Arbeit mache», sagt dieser. Gute Arbeit, das heisst als Ammann von Menziken, einem Dorf von 6500 Einwohnern und einer hohen Quote an Sozialhilfebezüger, die Gemeindefinanzen im Griff zu haben. Das habe er, versichert Bruderer. Das Budget sei im Lot, für 2021 werde an der Wintergmeind ein gleichbleibender Steuerfuss von 118 Prozent beantragt.

Das stärkste Indiz, dass die Partei den 49-jährigen IT-Berufsbildner, verheiratet und zwei Kinder aus erster Ehe, vollumfänglich akzeptiert: Er ist Kandidat für die Grossratswahlen vom 18. Oktober. Fünfter Listenplatz. Den Sitz der nicht mehr antretenden Renate Gautschy will sich der Listen-Erste Adrian Meier sichern. Den 2017 an die SVP verlorenen zweiten Sitz will man zurückerobern. Bruderer glaubt fest daran, dass das gelingt: «Karin Bertschi hat 2017 für die SVP viele Stimmen geholt, ohne sie auf der Liste dürfte der Sitz wieder an uns gehen.»

Die Firma nach 22 Jahren verkauft

22 Jahre lang war der Grossratskandidat IT-Unternehmer, bis er die von ihm gegründete Firma ebcom ag Ende 2019 verkaufte und seinen Nebenjob als Berufsbildner an der BBBaden zum Hauptberuf machte. «Etwas Neues» habe er anpacken müssen.

Neue Herausforderungen, die braucht Bruderer regelmässig. Deshalb kandidiert er heuer auch für den Grossen Rat. Deshalb hat er 2017 als Ammann kandidiert. Damals ist ihm ein Überraschungssieg gelungen. Frisch in sein Heimatdorf Menziken zurückgezogen (zuvor lebte er in Leimbach, wo er vier Jahre lang Gemeinderat war, dann in Reinach), stach er die zwei Gegenkandidaten Alfred Merz (SP) und Hans Heinrich Leuzinger (SVP) aus.

Peilt er einen solchen Überraschungscoup auch für den 18. Oktober an? «Das wird schwierig, da andere Kandidaten auf der Liste auch sehr gerne in den Grossen Rat einziehen würden», sagt er und schmunzelt. Einen übergrossen Effort macht Bruderer für den Wahlkampf nicht. «Meine Arbeit als Ammann ist bereits Wahlkampagne. Durch die täglichen Entscheide, die ich treffen muss, zeige ich, wozu ich fähig bin.» Fähig ist der Menziker Ammann etwa zum Kampf für Ziele wie «Arbeitsplätze sichern» oder «Gesundheitsversorgung erhalten», die auch Wahlkampfschlagworte der FDP Kulm sind. «Um das Spital Menziken zu erhalten, werde ich kämpfen. Für eine Randregion wie wir es sind, ist ein Spital enorm wichtig, denn bei viel Verkehr dauert es bis zu einer Stunde nach Aarau.»

Fast wäre das Wynental zu Silicon Valley geworden

Was die Arbeitsplätze anbetrifft, so hat es der ehemalige IT-Unternehmer beinahe geschafft, Google ins Wynental zu holen. Der Internet-Gigant war damals auf der Suche nach einem neuen Rechencenter, und Bruderer versuchte, den Experten vom Silicon Valley die leeren Hallen der Alu Menziken schmackhaft zu machen. Leider hätten diese am Ende einen anderen Standort bevorzugt. Inzwischen gibt es bereits einen neuen potenziellen Mieter. Und dieser sei vielversprechend.

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