Schöftland

Er erhielt eine saftige Busse obwohl er das Billett entwertet hatte

Richard Lustenberger ist der Meinung, dass er seine Fahrt mit der handschriftlichen Entwertung bezahlte.

Richard Lustenberger ist der Meinung, dass er seine Fahrt mit der handschriftlichen Entwertung bezahlte.

WSB-Fahrer Richard Lustenberger ärgert sich über das Verhalten des Bahnunternehmens. Stein des Anstosses ist eine Busse über 120 Franken, die Lustenberger nicht bezahlen will.

Es passierte am 20. Februar: Lustenberger gerät in eine Kontrolle der WSB. Seine Mehrfahrtenkarte hat er handschriftlich entwertet, weil der Entwerter an der WSB-Station Schöftland Nordweg nicht funktionierte. Das Gleiche tat er bereits vor einem Jahr, als der Entwerter ebenfalls kein Datum auf seine Fahrkarte stempelte. Damals wurde der Schöftler allerdings nicht kontrolliert. Am 20. Februar schon.

«Unschuldigen Geld abknöpfen»

Der WSB-Kontrolleur nahm also Lustenbergers Daten auf, mit dem Verweis, man werde prüfen, ob der Entwerter funktioniere oder nicht. Doch Lustenberger bekam von der WSB kein Schreiben mit dem Ergebnis der Kontrolle des besagten Entwerters. Stattdessen flatterte ihm eine Busse über 120 Franken für «Reisen ohne gültigen Fahrausweis» ins Haus. Für Lustenberger unverständlich. «Ich finde es bedenklich, dass ein Unternehmen bei Kontrollen nicht nur Schwarzfahrer sucht, sondern Leuten, die ihre Fahrt bezahlt haben, zusätzlich Geld abknöpft», sagt der Projektleiter der IBAarau.

Als Lustenberger sich dagegen wehrt, teilt ihm AAR bus+ bahn in einem Brief mit, dass «grosszügiges Verhalten in diesem Bereich allzu oft ausgenützt werde und daher nicht angebracht sei». Ausserdem sei die Kulanzanfrage zu spät erfolgt, obwohl umgehend auf das Schreiben reagiert wurde, wie Lustenberger beteuert. Er möge bitte die Rechnung bezahlen, heisst es weiter im Brief. Lustenberger wird aus dem Verhalten der Bahn nicht schlau. Für ihn sei klar, dass er mit dem handgeschriebenen Eintrag seine Karte entwertet habe und so den Beweis erbrachte, dass er die Bahn nicht betrügen wollte. «Hat die WSB dieses Verhalten wirklich nötig?», fragt er sich.

Handschriftliche Entwertung «nicht gestattet»

Erwin Rosenast, Mediensprecher von AAR bus+bahn, erklärt, dass handschriftliche Entwertungen durch die Reisenden nicht gestattet sind. Wer in einen Zug oder Bus einsteige mit einer handschriftlich entwerteten Fahrkarte, gelte als Reisender ohne gültigen Fahrausweis und bezahle deshalb die ordentliche Busse. «Funktioniert ein Entwerter nicht, muss dies sofort dem Lokführer gemeldet werden», erklärt Rosenast das korrekte Vorgehen. Denn der Lokführer könne veranlassen, dass der Automat geprüft und gegebenenfalls wieder funktionstüchtig gemacht werde, sagt Rosenast.

Folglich erhält jeder eine Busse, der das nicht weiss, oder sich nicht getraut den Lokführer zu stören.

Für Richard Lustenberger ist klar: Er hat seine Fahrt mit der handschriftlichen Eintragung bezahlt. Darum ist er nicht bereit, die Rechnung zu begleichen. «Beharrt die WSB auf das Geld, werde ich Rechtsvorschlag erheben», sagt Lustenberger.

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