Remo Hauri ist beschäftigt an diesem Morgen. Der 27-jährige Elektroinstallateur rennt durch seinen aktuellen Arbeitsort, das Knappenhaus neben Schloss Rued. Als Verantwortlicher für die gesamte Realisierung der Elektroinstallationen des aufwendigen Bauprojekts – Schlossbesitzer Hans Hediger lässt das historische Gebäude zum Hotel umbauen – ist er ein gefragter Mann. «Wo kommen diese Leitungen hin?», fragt einer der Kameraden. «Wie findest du die Ausbesserung an der Stuck-Verzierung?», fragt ein anderer.

Dass sein Chef Christian Goldenberger heute auf Besuch ist, macht den jungen Mann keineswegs nervös. 10 Jahre arbeitet Hauri nun im Schlossrueder Familienbetrieb, hat bereits seine Lehre in der Goldenberger Elektro AG gemacht. Eine Ewigkeit, gemessen an der hohen Fluktuation in Elektrobetrieben.

Die Guten nicht gehen lassen

Gerade hat Remo Hauri seine Ausbildung zum Elektrotechniker HF abgeschlossen. «Danach überlegt sich ein Mitarbeiter oft, die Firma zu verlassen», sagt Goldenberger. «Weil sie dann eine Qualifikation erreicht haben, für die es keinen entsprechenden Posten im Geschäft gibt.»

Dass Hauri nun trotzdem sein Zehnjähriges in der Firma feiert, ist nicht zuletzt den Bestrebungen seines Chefs zu verdanken. «Ich möchte meine Angestellten behalten, auch wenn sie durch die Weiterbildung in eine höhere Lohnkategorie aufsteigen», sagt der 60-Jährige. «Das rechnet sich für mich, auch weil wir unsere Kunden behalten, wenn die Qualität stimmt. Wenn ich stattdessen jemand Neues einstelle, der günstiger ist und bei einem Auftrag ein Fehler passiert, stehen wir vor einer grösseren Herausforderung.»

Ja, in der Elektrobranche gäbe es Fachkräftemangel, sagt Goldenberger. Aber man setze zu wenig daran, gutes Personal im Betrieb zu halten. «Ausschlaggebend sind Werte wie Anstand, Würde, Vertrauen und gegenseitiger Respekt», sagt er. «Ich bin Unternehmer, da muss ich auch etwas unternehmen».

Zum Diplom ein Knappenhaus

Tatsächlich war eine mögliche Kündigung nach der Weiterbildung ein Thema für Remo Hauri. Vor einem Jahr habe er sich über einen Weggang Gedanken gemacht, erzählt er, während er Goldenberger die Dachzimmer im Knappenhaus zeigt. «Ich wollte mich weiterentwickeln, an meinen Spezialgebieten feilen», sagt er. Darauf sorgte der Chef dafür, dass Hauri zur Weiterentwicklung keinen neuen Job suchen musste: Er gab ihm zuerst die gewünschten langen Ferien, danach mehr Verantwortung, mehr Lohn und Projekte seiner Fachrichtung.

Gebäudeautomation hiess das Thema von Hauris Diplomarbeit. Eine solche braucht das Knappenhaus dringend als modernes Hotel, für das Hauri nun die Elektroinstallationen macht. «Wenn meine Mitarbeiter ohne mich klarkommen, weiss ich, dass ich ihnen ein guter Chef bin», sagt Goldenberger zum Thema Verantwortungsabgabe.

Seine Weisheiten hat Goldenberger nicht in die Wiege gelegt bekommen. «Ich hab eine lange Entwicklung durchgemacht, um zu lernen, dass es auch mal ohne mich geht, dass ich mit den Mitarbeitern das Gespräch suchen und ein kollegiales Umfeld schaffen muss.»

Schwachpunkt Personalführung

Als er mit seiner Frau Sylvia 1986 den Betrieb von seinem Vater übernahm, hatte er schon mehrere Jahre in anderen Betrieben als Angestellter gearbeitet und die Meisterprüfung in der Tasche. «Früher wie heute wird bei der Ausbildung leider wenig Wert auf Personalführung gelegt», sagt er. Wie man ein Geschäft führen müsse, damit es für die Angestellten, die Betriebsatmosphäre und die Kasse stimmt, das habe er über viele Jahre lernen müssen. «Als Chef muss man sich stets daran erinnern, wie es als Angestellter war», sagt er.

Goldenberger muss an diesem Morgen noch in die Region Lenzburg auf eine andere Baustelle. Der 36-jährige Besim Maloku, der dieses Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiert, ist dort in einer Villa Projektleiter für die gesamten Elektroinstallationen inklusive Gebäudeautomation. Und diesbezüglich hat der neue Villenbesitzer durchaus exzentrische Wünsche: Auf Knopfdruck soll sowohl die Beleuchtung wie die Musik auf Partymodus schalten, über den Badewannen hängen riesige Flachbildfernseher und damit der vermögende Junggeselle mit dem Lamborghini vorwärts wieder aus der Garage fahren kann, musste eine Drehscheibe im Boden montiert werden.

Für Elektroinstallateur Maloku – er hat den Meistertitel – ein Bubentraum. 15 Jahre arbeitet der aus dem Seetal Stammende nun im Ruedertal. «Dort rüber pendle ich höchstens ein Jahr lang», habe er zu Beginn gedacht. «Der Chef gibt uns die Projekte, die wir am liebsten ausführen», sagt Maloku. «Nicht ganz», wirft dieser ein. «Du hast diesen Auftrag für uns an Land gezogen.»