Im Keller des Reinacher Zentralschulhauses hatte Mathias Künzli seine erste Schlagzeugstunde. Mit 19 Jahren zog er in die USA und spielt seither als Drummer und Perkussionist auf grossen Bühnen in der ganzen Welt. Am Samstag ist er zurückgekommen und hat im Theater am Bahnhof TaB im Rahmen der TaBart-Bandnight in seiner alten Heimat ein Konzert gegeben.

Das Publikum staunte zuerst nicht schlecht: Hinter dem noch geschlossenen Vorhang ertönten nicht Trommelwirbel oder Paukenschläge, sondern Alphornklänge. Das Alphornquartett Hallwilersee eröffnete das Konzert – kein Wunder, spielte doch Mathias Künzlis Vater Dani mit. Der Schlagzeuger nutzte die urschweizerischen Klänge gleich für seine Performance. Er nahm die Töne mit seinem Loopgerät auf verwendete sie anschliessend in seiner Improvisation.

Vom Gewitter zu Vogelstimmen

Mathias Künzlis Auftritt begeisterte das Publikum; die meisten hatten eine solche Darbietung noch nie live erlebt. Der Musiker verwendete für seine Show nicht nur die üblichen Instrumente eines Schlagzeuges, sondern die verschiedensten Klangmaterialien. Mit Handtrommeln und Tamburin, aber auch Rasseln, Pfeifen und sogar Pylonen erschuf er immer neue Klangwelten, die er mit dem Loopgerät reproduzierte und mit neuen Rhythmen ergänzte. Mal hörte man einen Gewittersturm, mal einen Wald mit Vogelstimmen. Dem Publikum blieb es überlassen, die verschiedenen Bilder einzuordnen oder einfach nur zu geniessen. Das ganze Konzert war improvisiert. «Müsste ich es jetzt gerade nochmals spielen, würde es ganz anders tönen», erklärte Künzli nach dem Auftritt.

Mit Reinach und dem TaB verbindet Mathias Künzli immer noch viel, obwohl er sein halbes Leben in den USA verbracht hat und seit vielen Jahren in New York wohnt. Regelmässig ist er im Wynental bei seiner Familie zu Besuch und bezeichnet Reinach als seine Heimat. Im TaB hatte er als Jugendlicher mit seiner Band den ersten Auftritt, sein Taschengeld besserte er als Operateur im Kino auf. «Im Dachgeschoss hatte es eine riesige Plattensammlung. Vor den Vorstellungen und in der Pause liess ich Musik laufen, die ich selbst auswählen durfte», erzählte Künzli. Hier sei er in Kontakt mit dem Jazz gekommen.

Seit dem Abschluss seiner Ausbildung am Berklee College of Music in Boston im Jahr 1998 tourt Künzli mit verschiedenen Musikern durch die ganze Welt. Soloauftritte wie im TaB gibt er eher selten. Seine Engagements sind sehr vielseitig. Er fühlt sich in verschiedenen Musikrichtungen wohl, begleitet Pop-Songwriter und Jazzmusiker ebenso wie einen Klarinettisten aus dem Balkan oder ein Streichorchester. «Ich bin sehr anpassungsfähig, ein musikalisches Chamäleon sozusagen», erklärte Künzli. Ob er in einem Klub spiele oder auf einer grossen Festivalbühne spiele für ihn keine Rolle. «Wichtig ist, dass du mit den anderen Musikern eine gute Verbindung hast, dass gegenseitiger Respekt vorhanden ist und es ehrlich rüberkommt.»

Sugar aus dem Wynental

Eine weitere ehemalige Reinacherin trat an der Bandnight im ausverkauften TaB auf: Marion Weik. Mit ihrer Band «Sugar and the Josephines» begeisterte sie nicht zum ersten Mal das TaB-Publikum. Einzigartig war jedoch der gemeinsame Auftritt mit Mathias Künzli, ihrem Sandkastenfreund aus Kindertagen.