Schöftland

Emotionen statt Sachlichkeit: Das Thema «Hegmatte» spaltet das Dorf

Trotz Bitte um Sachlichkeit überwogen bei den Gegnern und Befürwortern der Überbauung «Hegmatte» die Emotionen.

Trotz Bitte um Sachlichkeit überwogen bei den Gegnern und Befürwortern der Überbauung «Hegmatte» die Emotionen.

Die Gegner des Depotstandortes «Hegmatte» in Schöftland sind nicht bereit, ihre Initiative zurückzuziehen.

Wenn die Aula des Schöftler Bezirksschulhauses überquillt, dann steht das Thema «Hegmatte» auf dem Programm: Gegen 300 Personen wollten an der Informationsveranstaltung vom Gemeinderat erfahren, was er mit den beiden noch weissen Flecken der Nutzungsplanung – der «Hegmatte» und dem Mühleareal – im Sinn habe.

Wird die «Hegmatte» mit Bahnhallen, Geleisen und Wohnsiedlungen überbaut oder bleibt sie ein Mais- und Kartoffelfeld? Soll das Mühleareal von einer Ex-Industriezone in ein attraktives Zentrumsquartier umgewandelt werden oder hat der Gemeinderat eingelenkt und lässt die Bahnanlagen bauen, damit die «Hegmatte» unangetastet bleibt?

Das Resultat führte zu Überraschungen, vor allem unter den Mitgliedern des Vereins «Pro Landwirtschaftszone Hegmatte». Die zehn Hektaren Ackerland am südwestlichen Dorfrand sind auf den Plänen der Teiländerung der Nutzungsplanung zu Mühleareal und «Hegmatte» mit einer Landschaftsschutzzone überlagert – genau wie es der Verein mit diversen Rechtsmitteln gefordert hatte. Aber: Trotzdem sind das neue Depot und die Werkstatt der WSB (heute Aargau Verkehr) dort vorgesehen.

«Die Forderung der Teilrückweisung ist erfüllt»

Mit der Überlagerung der Schutzzone habe der Gemeinderat die Forderung der Teilrückweisung der BNO erfüllt, sagte Gemeindeammann Rolf Bucher. Die Initiative, die dasselbe fordere, sei damit hinfällig, man müsste sie also zurückziehen.

Dies sehen die Initianten nicht so: «Zurückziehen werden wir die Initiative bestimmt nicht», sagt Vereinssprecher Eduard Jakob auf Anfrage. «Die Forderung, die ‹Hegmatte› vor einer Überbauung zu schützen, wurde nicht erfüllt.»

An der Info-Veranstaltung meldete sich «Pro Hegmatte»-Präsident Andres Wälty zu Wort: «Für uns ist diese Variante eine Mogelpackung. Die Bahngleise zerschneiden die ‹Hegmatte›, Landwirtschaft kann man darauf nicht mehr betreiben», sagte er. Wenn in 15 Jahren die nächste Änderung der Nutzungsplanung ansteht, dann werde «die so verunstaltete Fläche» ohnehin zum Wohngebiet umgezont.

Aufruf nach Sachlichkeit nicht eingehalten

Der Gemeinderat hatte alle Vorbereitungen getroffen, um die Sache in den Vordergrund zu stellen. Ammann Rolf Buchser führte nicht selber durch die Programmpunkte, stattdessen wurde Guido Cavelty der Firma Brugger und Partner als unabhängiger Moderator engagiert.

Um die Fragen aus dem Saal kompetent zu beantworten, waren zudem alle am Bahnprojekt beteiligten Parteien mit Spezialisten vertreten: Raumplanerin Barbara Gloor, Projektmitarbeiterin für die Gemeinde, Kantonsplaner Daniel Kolb und Mathias Grünenfelder, Leiter Grossprojekte bei Aargau Verkehr. Die Experten wurden denn auch rege beansprucht.

Planerin Barbara Gloor führte etwa auf eine Frage zu den beiden Prozessen, die nun parallel in Gang gesetzt würden, aus: Auf Kantonsebene müssen der Wohnschwerpunkt sowie Anschlussgleise und Bahnhallen in den Richtplan eingetragen werden. Zuständig dafür ist der Grosse Rat.

Auf Gemeindeebene durchläuft das Teiländerungsprojekt das Mitwirkungsverfahren (22.11.2019 bis 21.2.2020), dann die öffentliche Auflage (im Frühling 2020) und kommt dann vor die Gemeindeversammlung (Winter 2020).

Bei aller Betonung auf Sachlichkeit – Moderator Cavelty bat in erster Linie um Verständnisfragen – überwogen am Montag die Emotionen. Überbauungsgegner und -befürworter diskutierten am Mikrofon heftig miteinander. Mehrere Befürworter ermahnten, einander und insbesondere dem Gemeinderat in diesem Prozess mit Respekt zu begegnen.

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