Holziken

Einst Lehrling, heute Gemeindeschreiber: «Es war wie ein Heimkommen»

Michael Urben blättert in alten Protokollauszügen. Emanuel Freudiger

Michael Urben blättert in alten Protokollauszügen. Emanuel Freudiger

Der neue Gemeindeschreiber Michael Urben kennt die Gemeinde aus seiner Lehrzeit. Jetzt wartet auf ihn die Herausforderung, aus dem Schatten des «Dorfkönigs» Mathys hervorzutreten.

Nie hätte sich Michael Urben träumen lassen, dass er an seinem ehemaligen Ausbildungsplatz einmal Chef sein und selbst Lehrlinge ausbilden würde: 2001 begann er seine Verwaltungslehre auf der Kanzlei Holziken. Seit Anfang Jahr führt er diese als Gemeindeschreiber. «Der Kreis hat sich geschlossen», sagt der 28-Jährige lächelnd. Beinahe scheu.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hans-Ulrich Mathys ist Urben zurückhaltend. Weder redet er laut noch reisst er Sprüche. Auch macht er kein Aufheben um seine Person. So erzählt er nicht einmal, dass er seine Ausbildung zum Gemeindeschreiber als Jahrgangsbester der Fachhochschule Nordwestschweiz abgeschlossen hatte.

Aus dem Schatten des «Dorfkönigs» Mathys hervorzutreten, ist des neuen Gemeindeschreibers momentane Herausforderung. Noch scheint Mathys präsent zu sein auf der Gemeindeverwaltung, er hat auch ein Büro, in dem er weiterhin verschiedene Ämter ausführt. «Es gibt Bewohner, die verlangen den alten Gemeindeschreiber», sagt Urben. «Aber Mathys begann schon früh Geschäfte an mich zu übertragen und die Leute zu mir zu schicken», sagt Urben. Auch spürt er bei der Bevölkerung Akzeptanz: «Die Leute kennen mich aus meiner Lehrzeit und Tätigkeit als Kanzleichef. Sie vertrauen mir.»

Mit 12 Jahren nach Holziken gezügelt

Als er 12 Jahre alt war, zügelte Michael Urben mit seiner Familie von Safenwil nach Holziken. Nach seiner Lehrzeit auf der Gemeindeverwaltung schwärmte er erst einmal aus: Er ging ins Militär und arbeitete bei einer Liegenschaftsverwaltung. Er kam in der ganzen Schweiz herum und pflegte nebenbei losen Kontakt zur Holziker Kanzlei. Im Hinterkopf dachte er stets daran, wieder auf einer Gemeindeverwaltung zu arbeiten, weil dort die Arbeit breit gefächert ist.

Keine Minute dachte er jedoch daran, nach Holziken zurück zu kehren. Bis 2008, als die Postagentur in die Kanzlei integriert und deshalb eine neue Verwaltungsstelle geschaffen wurde. Man fragte ihn, ob er sich dafür interessieren würde. Dies tat er, und so kam es, dass er am 1. Oktober 2008 doch nach Holziken zurückkehrte und sich auf beinahe denselben Platz, den er als Lehrling gehabt hatte, setzte. «Es war wie ein Heimkommen», sagt Urben.

Er war ehrgeizig und startete seine Verwaltungskarriere schnell. Er durchlief Lehrgänge für die Führung der Einwohnerkontrolle, des Betreibungsamtes, des Sozialwesens und der Finanzverwaltung. 2012 schloss Michael Urben die Ausbildung zum Gemeindeschreiber ab.

In dieser Zeit wurde es turbulent auf der Verwaltung: Der damals für die Nachfolge von Hans-Ulrich Mathys bestimmte Gemeindeschreiber trat seine Stelle nicht an. Ein neuer Gemeindeschreiber musste her, Urben kam mehr als gelegen. Für ihn war klar, dass er einmal eine Verwaltung führen wollte. Das konnte gerade so gut Holziken sein. Fühlte er sich als Lückenbüsser? «Nein. Ich konnte nur profitieren. Zudem wurde ich schon vor dem designierten Gemeindeschreiber angefragt, ob ich dieses Amt übernehmen wolle. Damals fühlte ich mich noch nicht parat.»

Für die Bewohner da sein

Der neue Gemeindeschreiber sieht sich als Manager der 1300-Seelen-Gemeinde. Ohne sich hinter Gesetzen oder dicken Akten zu verstecken. Er suche den Dialog mit der Bevölkerung, bemühe sich, Lösungen für alle zu finden. «Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und wollen für die Bewohner da sein», lautet sein Credo. Gebe es einmal Reibungspunkte zwischen einem Bewohner und ihm, versuche er ruhig zu bleiben und lasse sich nicht einschüchtern. «Wenns sein muss, kann ich aber schon laut werden. Aber nicht so laut wie mein Vorgänger HansUlrich Mathys», scherzt er.

Der neue Gemeindeschreiber macht einen guten Job, findet sein alter Lehrmeister Mathys. Er sei zuvorkommend, fast zu sehr, daneben aber kompetent. «Er ist für die Kunden da, lebt die Kultur einer kleinen Dienstleistungsgemeinde.» Eine Befürchtung hegt er: «Hoffentlich wird Urben von keiner anderen Gemeinde abgeworben.»

Michael Urben, der in seiner Freizeit Fussball und Squash spielt, setzt sich für die Eigenständigkeit Holzikens ein. Bis jetzt sei dies gelungen, in den letzten Jahren konnte die Gemeinde Dienstleistungsbetriebe wie das Sozialamt oder die Mütter- und Väterberatung zurückholen. Kürzlich machte sich die Spitex der Gemeinde selbstständig. «Wir kämpfen dafür, unsere Eigenständigkeit und Dienstleistungsbetriebe zu erhalten. Nur so funktioniert eine kleine Gemeinde», ist er überzeugt.

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