Das Wasserkraftwerk mit der Nummer 404 in der Suhre liegt gleich hinter dem Schöftler Feuerwehrlokal, in der Nähe der Oberen Mühle. Hier bahnt sich das Wasser einen Weg vorbei am Gehölz, welches sich am Werk verfangen hat. Doch seit dem Hochwasser im Jahre 2008 wird es nicht mehr betrieben.

Schon länger gibt es Pläne, um dort ein neues Kleinwasserkraftwerk zu erbauen, welches das frühere ersetzt. Dafür hat die Einwohnergemeinde Schöftland im Mai 2014 bei der Abteilung Landschaft und Gewässer des Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) ein Gesuch für eine neue Konzession zum Betrieb dieses neuen Kleinwasserkraftwerkes eingereicht. Jetzt ist klar: Der Kanton erteilt der Gemeinde Schöftland die Konzession und genehmigt damit das Projekt. Die Verfügung liegt der Aargauer Zeitung vor.

Der positive Entscheid freut die Gemeinde Schöftland. «Das Kleinwasserkraftwerk ist unser Beitrag an die Energiewende», sagt Vizeammann Thomas Buchschacher, welcher für die Wasser- und Energieversorgung zuständig ist.

Die Schöftler Bevölkerung profitiere jetzt schon von 100 Prozent Strom aus Wasserkraft, jedoch wurde dieser bis jetzt eingekauft. Künftig könne das neue Kraftwerk 107 Haushalte mit Strom versorgen.

Doch für die Gemeinde Schöftland war es kein einfacher Weg. Zwar hatten die Bürger im November 2013 an der Gemeindeversammlung bereits einem Verpflichtungskredit für die Übernahme und den Ausbau des Kleinwasserkraftwerkes von rund 1,4 Millionen Franken genehmigt.

Nach der öffentlichen Auflage des Projekts gingen jedoch drei Einsprachen ein. Eine Einsprache wurde zurückgezogen. Damit blieben jene des Umweltverbandes Aqua Viva (zusammen mit WWF Schweiz und WWF Aargau) und des Aargauer Heimatschutzes übrig. Die Rückmeldungen aus der Vernehmlassung der kantonalen Fachstellen waren laut Verfügung alle zustimmend.

Alle Einsprachen abgewiesen

Der Aargauer Heimatschutz beantragte unter anderem, die Schutzwürdigkeit der bestehenden Anlage zu klären, und mehr Detailpläne. Doch weder die bestehende Wehranlage noch die Kanäle sind im Inventar der Baudenkmäler von kantonaler Bedeutung eingetragen, heisst es in der Verfügung. Die Einsprache wurde abgewiesen.

Aqua Viva und WWF Aargau/Schweiz beantragten, auf den Neubau des Kleinwasserkraftwerks zu verzichten und die Konzession nicht zu erteilen. Dies wurde damit begründet, dass das Projekt in einem Abschnitt der Suhre geplant ist, wo der Kanton eine Revitalisierung plant.

Zudem würden Kleinwasserkraftwerke keine sinnvolle Nutzung der Wasserkraft darstellen. Das BVU führt jedoch aus, dass die Möglichkeiten zur Revitalisierung ober- und unterhalb des Kraftwerkes durch das Projekt nicht eingeschränkt werden. Zudem gehöre die Suhre zu den Gewässern, welche auch für neue Wasserkraftnutzungen infrage kommen. Die Einsprache wurde abgewiesen.

Beschwerdefrist läuft noch

Aufgrund dieser Entscheide sind das Projekt nun genehmigt und die neue Konzession erteilt worden. Diese dauert 40 Jahre und hat am 1. Juli 2015 begonnen. «Wenn nichts mehr passiert – so hoffen wir – ist für uns nach dem Ablauf der Beschwerdefrist der Weg frei, um mit dem Bau beginnen zu können», sagt der Schöftler Vizeammann Thomas Buchschacher.

Doch noch läuft die 30-tägige Beschwerdefrist. «Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Beschwerde führen, ist eher klein», sagt Henri Leuzinger, der Geschäftsführer des Aargauer Heimatschutzes.

Denn das Projekt in Schöftland sei schon sehr weit fortgeschritten und man konzentriere sich auf andere Kleinwasserkraftwerke an der Suhre, insbesondere in Buchs. WWF und Aqua Viva habe noch nicht über das weitere Vorgehen betreffend des Schöftler Kleinwasserkraftwerks entschieden, wie sie auf Anfrage mitteilen.