Strom für 107 Haushalte soll das Kleinwasserkraftwerk liefern, welches die Gemeinde Schöftland bei der Oberen Mühle plant. Das hatte die Gemeindeversammlung im Herbst 2013 beschlossen und damit Ja gesagt zu einem Baukredit von 1,4 Millionen Franken. Das Kraftwerk in der Suhre soll gemäss Plänen spätestens Anfang 2016 Energie liefern und das frühere Kraftwerk ersetzen, das seit dem Hochwasser im Jahre 2008 nicht mehr betrieben wird.

Dieser Termin ist schon lange Makulatur. Mehrere Umweltverbände und eine Privatperson reichten Einsprache gegen das Projekt ein. Die Privatperson gab den Widerstand schnell auf, es verblieben die Einsprachen vom Aargauer Heimatschutz sowie jene der Umweltverbände Aqua Viva und WWF Schweiz/Aargau. Der Heimatschutz pochte auf die Schutzwürdigkeit der alten Kraftwerkanlage und verlangte detailliertere Pläne. Aqua Viva und WWF kritisierten, dass das Kraftwerk in einem Abschnitt der Suhre geplant ist, wo der Kanton eine Revitalisierung plant. Die Projekte seien nicht aufeinander abgestimmt.

Der Kanton sieht das anders. Im September hat das Baudepartement alle Einsprachen abgelehnt und die Kraftwerk-Konzession über 40 Jahre erteilt. Laut Baudepartement schränkt das Projekt die Revitalisierung der Suhre ober- und unterhalb des Kraftwerks nicht ein. Zur Einwendung des Heimatschutzes hielt der Kanton fest, dass weder die bestehende Wehranlage noch die Kanäle im Inventar der Baudenkmäler von kantonaler Bedeutung eingetragen seien.

Kleine Kraftwerke sind umstritten

Aqua Viva und WWF akzeptieren diesen Entscheid jedoch nicht und haben nun dagegen Beschwerde beim Regierungsrat eingereicht. «Es ist untragbar, dass der kantonale Richtplan Wasserkraftwerke in einem Gebiet erlaubt, welches revitalisiert werden sollte», schreibt Aqua-Viva-Geschäftsführer Stefan Kunz in einer Mitteilung.

Gegen das Kraftwerk spricht laut den Verbänden nicht nur der Ort: «Der Nutzen der Kleinstwasserkraftwerke ist generell umstritten», halten die Umweltverbände weiter fest. Der Eingriff in die Natur sei zu gross und die Stromproduktion zu klein.

Die Umweltverbände fordern deshalb vom Regierungsrat, die Verfügung des Baudepartements aufzuheben und die Konzession zu verweigern. Zudem müssten die alten Kraftwerkanlagen zurückgebaut und die Suhre naturnah gestaltet werden. Als Ersatz bieten die Verbände Hilfe bei der Suche nach Dächern für Solaranlagen an.
Noch unklar ist, ob der Aargauer Heimatschutz seine abgelehnte Einsprache ebenfalls an den Regierungsrat weiterzieht. «Der Entscheid ist noch nicht gefallen», sagt Heimatschutz-Geschäftsführer Henri Leuzinger auf Anfrage.