Reinach
Einer nach Fidschi, einer nach Kuba: Zwei Mitglieder vom Verkehrsverein wandern aus

Gleich zwei Vorstandsmitglieder verlassen für den Ruhestand ihre Heimat in der Schweiz und ziehen in wärmere Gefilde.

Michael Küng
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Markus Herzog (l.) an der Ernennung von Adrian Sulzer (r.) zum Ehrenmitglied durch Präsident Markus Bolliger. Die beiden verlassen für den Ruhestand ihre Heimat in der Schweiz.
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Markus Herzog (57) auf der Insel.
Rotuma gehört zu Fidschi.
Adrian Sulzer ziehts mit Frau Barbara nach Kuba.

Markus Herzog (l.) an der Ernennung von Adrian Sulzer (r.) zum Ehrenmitglied durch Präsident Markus Bolliger. Die beiden verlassen für den Ruhestand ihre Heimat in der Schweiz.

Diana Suter/Fotomontage

Der Verkehrsverein Reinach musste seinen Vorstand umbauen. Denn mit Markus Herzog (Teamleiter in der Kundenzone von Valiant Reinach) und dem ehemaligen aargauSüd-Polizisten Adrian Sulzer hatten gleich zwei Mitglieder ihren Rücktritt eingereicht. Beide der Liebe wegen, beide nach der vorzeitigen Pensionierung: Sie wandern aus in die Heimat ihrer Ehefrauen. Adrian Sulzer nach Kuba (siehe Box unten), Markus Herzog auf eine der vielen Inseln von Fidschi.

Markus Herzog (57) arbeitet noch bis Ende Juni auf der Bank, dann hat er noch ein paar Wochen Zeit für den Abschied: Mitte Juli fliegt er mit seiner Frau Pasepa Fuata (60) über 16 000 Kilometer weit ans andere Ende der Welt, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Das Paar tauscht das Wynental gegen Rotuma Island in der Südsee. Dort lebt die Familie von Herzogs Frau. Für Pasepa Fuata ist es die Rückkehr in ihre Heimat, die sie sich schon lange gewünscht hat.

Sie arbeitete bereits sechs Jahre in den USA, als sie dort den umherreisenden Herzog kennen lernte. Er blieb bei ihr und ein Jahr später zogen sie gemeinsam in die Schweiz, 32 Jahre ist das jetzt her. «Für sie war es damals schon eine grosse Umstellung», sagt Herzog. Jetzt ist er an der Reihe. Sie sind mit dem Kistenpacken beschäftigt, Ende Mai verlässt ein Container mit ihrem Hab und Gut die Schweiz in Richtung Fidschi-Inseln.

Selbstversorger statt Banker

Am Ziel wartet die Familie von Pasepa Fuata. Sie lebt auf einer kleinen Insel, umgeben von acht noch viel kleineren Inseln und ansonsten nichts als dem berühmten Schimmern des klaren türkisfarbenen Wassers der Fidschi-Inseln. «Langweilig wird es uns in den ersten paar Jahren bestimmt nicht», sagt Markus Herzog. Auf Land, das seiner Ehefrau gehört, bauen sie ein kleines Haus mit zwei Gästezimmern. «Erst mal für Freunde und Familie, später wollen wir mit den Zimmern auch den Anfang für ein Bed and Breakfast machen», verrät Herzog.

Auf der einsamen Insel dürfen nur Einheimische Land besitzen, grossen Tourismus mit Hotels und Herbergen gibt es nicht. «Die Unterbringung derjenigen Touristen, die bis zu uns kommen, geschieht deshalb in privaten Unterkünften», erzählt Herzog. Da wollen auch sie ansetzen, aber immer mit der notwendigen Ruhe: «Mal sehen, wie es läuft.»

Einmal pro Woche komme ein Flugzeug und einmal im Monat ein Schiff. «Die Bewohner sind etwa zu 60 bis 70 Prozent Selbstversorger», so Herzog. Die Familie seiner Frau besitzt eine Plantage, auf der das Ehepaar einen Teil selber bewirtschaften wird. «Wir werden Zuckerrohr, Kartoffeln, Rüebli, Orangen, Zitronen, Mangas, Papayas haben. Ausserdem hat es auf der Insel Grundwasser und fünf Quellen. Und aus dem Meer gibt es natürlich viel Fisch. Die Insel ist also ziemlich unabhängig.»

600 Kilometer in die Stadt

Neben dem Aufbau des Bed and Breakfast und der Bewirtschaftung der Plantage haben beide bereits den Plan, sich an der örtlichen Schule einzubringen. Sie wollen ihr mitgebrachtes Wissen nutzen, um die Schule der 2002 Einwohner zählenden Insel zu unterstützen. Die Einwohnerzahl geht zurück auf die Volkszählung aus dem Jahr 2007. Die ganze Insel bedeckt eine Fläche, die fünf Mal Reinach entspricht (47 Quadratkilometer).

Sollten die beiden einmal etwas Abwechslung suchen, könnten sie in eine der Städte auf den gut 600 Kilometer entfernten Hauptinseln fliegen, erzählt Herzog. Oder die zwei Söhne in der Schweiz besuchen. «Sie sind 28 und 24 Jahre alt, also erwachsen und selbstständig», sagt Herzog.

Die Auswanderung ist von langer Hand geplant. «Dass meine Frau zurückwill, war schon immer klar. 2015 begannen unsere Gespräche dann, konkret zu werden.» Herzog weiss, worauf er sich einlässt, er war schon oft zu Besuch auf Rotuma. Seine Verbundenheit drückt sich auch in seinem Namen aus. Markus Herzog hat den Namen seiner Partnerin angenommen: Er heisst Markus Herzog-Osotonu.

Adrian Sulzer ziehts mit Frau Barbara nach Kuba.

Adrian Sulzer ziehts mit Frau Barbara nach Kuba.

Zur Verfügung gestellt

Der Polizist will Kubaner werden

Der ehemalige aargauSüd-Regionalpolizist Adrian Sulzer (60) fliegt mit seiner Frau Barbara nach Kuba. Es ist das Ergebnis einer 15-jährigen Partnerschaft. Begonnen hat sie am Jugendfest von Beinwil am See, Sulzer war als Polizist im Einsatz, als er von der Terrasse des Hotels Löwen aus Barbara (heute 60) sah. Er war sofort hin und weg. «Ein halbes Jahr lang habe ich um sie gekämpft», erzählt er. Noch einmal sechs Monate später war er mit ihr erstmals auf Kuba. Es war sein erstes Mal in Südamerika. «Ich habe mich sofort in das Land verliebt», sagt Sulzer am Telefon.

Er war gestern mit Barbara bereits in Frankfurt, wo ihr Flugzeug abfliegen wird. Sie gingen ihr Gepäck durch, jeder Gegenstand will gut gewählt sein. «Einige Kisten sind schon unterwegs, jetzt geht es um die letzten Dinge», sagt Sulzer. Vieles sei in Kuba nicht so einfach zu bekommen, etwa Kleider und Küchengeräte. Doch er freut sich: «In dem Klima verschwinden die Schmerzen von meinen künstlichen Gelenken, in der Schweiz muss ich Cortison spritzen», erzählt er. «Und die Menschen sind viel herzlicher, der Zusammenhalt stark. Ganz anders als in Europa. Wenn man integriert ist, ist das Leben in Kuba super.» Die Leute würden einander helfen, auch er werde schon hier und dort für Hilfe bei kleinen Arbeiten gefragt.

Als Erstes wollen sie eine Bewilligung für ein kleines Bed and Breakfast bekommen und Sulzer, der ehemalige Polizist aus dem Wynental, will sich einbürgern lassen. Heute fliegen sie ab. (mik)