Menziken
Einer der mithilft, etwas zu verändern: Der neue Leiter des Sozialdienstes

Vom Maurer in die Jugendarbeit und dann in den Sozialdienst. Thomas Etter, 44, ist der neue Leiter des Regionalen Sozialdienstes im Oberwynental: Trotz Bürojob: «Es ist ganz wichtig, dass ich selber immer wieder einzelne Klienten betreuen kann.»

Peter Siegrist
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«In dieser Arbeit muss man Zehnkämpfer sein», sagt Thomas Etter, neuer Leiter des Sozialdienstes Oberwynental.

«In dieser Arbeit muss man Zehnkämpfer sein», sagt Thomas Etter, neuer Leiter des Sozialdienstes Oberwynental.

Peter Siegrist

Der neue Leiter des Regionalen Sozialdienstes Oberwynental, Thomas Etter, weiss, was aufbauen heisst. Mit dem festen Ziel Bauführer zu werden, hat er damals nach der Bezirksschule in Schöftland Maurer gelernt. Hat gelernt, Stein auf Stein zu legen, realistische Ziele anzugehen.

Doch dann kam die Wende. Der engagierte Pfadfinder verliess die Baustellen und wandte sich den Menschen zu. «Bereits in der Jugendarbeit habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit Menschen liegt».

Etter holte sich das nötige Rüstzeug an der Fachhochschule in Solothurn und studierte Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Der Besuch einer Handelsschule rundete die Ausbildung ab. «In dieser Arbeit muss man Zehnkämpfer sein», sagt Etter.

Über verschiedene Stationen wie ein Engagement in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen und später im Jugendheim auf der Festung Aarburg, holte sich Etter praktische Erfahrungen im Umgang mit Menschen in schwierigen Verhältnissen.

In Bremgarten arbeitete er später auf dem Sozialdienst, um dann als Stellenleiter der Sozialen Dienste Zofingenregio zu wirken.

Von Nähe, Distanz und Empathie

Die Leitung eines Sozialdienstes sei äusserst abwechslungsreich, sagt Etter und zählt auf: «Die Arbeit mit einzelnen Klienten, dann Administration und Organisation, Personalführung, Teamarbeit und die Vertretung des Dienstes nach aussen.»

So erstaunt es nicht, dass Etter ganz im Zug des «lebenslangen Lernens» kürzlich ein Nachdiplomstudium in Führung und Management abgeschlossen hat.

Er sieht sich als Stellenleiter nicht vor allem am Bürotisch. «Es ist ganz wichtig, dass ich selber immer wieder einzelne Klienten betreuen kann». Der professionelle Umgang mit Nähe und Distanz müsse geübt sein. Empathie gehöre dazu, sagt Etter, «das ist notwendig.»

Aber ebenso wichtig sei bei schweren Schicksalen, die einem an der Seele ritzten, die Abgrenzung. «Denn letztlich müssen wir Sozialarbeiter jederzeit handlungsfähig bleiben.

Notanlaufstelle Sozialdienst

Der Sozialdienst mit seinen verschiedenen Bereichen sei oft die Anlaufstelle in grosser Not. Dann gehe es meistens in erster Linie um die Existenzsicherung. «Aber gleichzeitig erarbeiten wir mit den Klienten gemeinsam Aufbauziele», sagt er. «Wir sind dazu da, Lösungen zu finden.»

Gerade bei Menschen, die arbeitsfähig seien, werde alles darangesetzt, dass diese ihren Lebensunterhalt wieder selber bestreiten könnten. «Hier in Menziken ist die Nähe und der Kontakt zur Pforte Arbeitsmarkt ein grosser Vorteil.»

Zur materiellen Hilfe sagt Etter: «Die ist wichtig und nötig, aber unsere Klienten wissen, wer Hilfe erhält, hat neben Rechten immer auch Pflichten.» Da sei der Sozialdienst aufmerksam und kontrolliere, ob die gemachten Auflagen auch eingehalten würden. Klappt es einmal nicht, dann sieht der Gesetzgeber auch Sanktionen vor. Das bedeutet, dass in solchen Fällen auch bestimmte Leistungen gekürzt werden.

Kostenbewusstsein und gesetzliche Vorgaben einhalten seien wichtig, meint Etter, die Sozialarbeiter und die Klienten müssen sich jederzeit bewusst sein, dass jegliche materielle und immaterielle Hilfe mit Steuergeldern finanziert werde.

Eine vielseitige Arbeit motiviert

Thomas Etter schätzt an seiner Aufgabe die Vielseitigkeit, die Abwechslung. Was ihn besonders motiviert ist, dass er die Möglichkeit hat, bei Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, mitzuhelfen, etwas zu verändern, einen Weg zu suchen, der aus den Schwierigkeiten hinausführt.

Etter wohnt in Schöftland und ist verheiratet. Die Familie hat drei Söhne im Alter von 15, 18 und 20 Jahren. Zum Ausgleich treibt er gerne Sport, widmet sich der Fotografie oder geht auf Reisen.

Es sei eben wichtig, im Privaten sich gedanklich von der Arbeit und schwierigen Fällen zu lösen. Nur so sei man fähig, und das gelte für das ganze Team, immer wieder gute Ideen zu haben und praktikable Lösungen zu finden.