Attelwil
Eine Sammelaktion mit einem Happy End

Die 29-jährige Alexandra Stahel aus Attelwil ermöglicht einem brandverletztem Mädchen aus Ecuador eine Behandlung. Bisher hat sie 67000 Franken von Privatleuten, Geschäften und auch aus Nachlässen gesammelt.

Aline Wüst
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Alexandra Stahel blättert in ihrem «Merylin-Ordner».

Alexandra Stahel blättert in ihrem «Merylin-Ordner».

Aline Wüst

Am Sonntagabend landen Merylin und ihr Vater in der Schweiz. Das ecuadorianische Mädchen wird von dort direkt ins Kinderspital nach Zürich reisen.

Der Grund dafür liegt fast zwei Jahre zurück: Lernbegierig stand das damals 9-jährige Mädchen bei einem Experiment in der Schule gleich neben dem Lehrer. Es kam zu einer Explosion und Merylin erlitt schlimme Verletzungen am Hals, im Gesicht und an den Armen. Drei Monate war sie im Spital, musste dort schmerzhafte Behandlungen und eine erste Hauttransplantationen über sich ergehen lassen. Die Wunden sind mittlerweile verheilt, zurückgeblieben sind hässliche Narben. Mehr können die Ärzte in Ecuador nicht machen.

Alexandra Stahel (29) aus Attelwil, war 2009 für ein Praktikum in Ecuador und lernte dort Merylins Vater kennen. 10 Tage nach ihrer Rückkehr in die Schweiz passierte das Unglück. Als sie davon hörte, wusste sie, dass sie dem Mädchen helfen will.

Zuerst fragte sie im Kinderspital Zürich an, wie viel eine Operation zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Behandlung der grossflächigen Narben kosten würde. Auf 50000 Franken wurde der Betrag beziffert. Alexandra Stahel begann daraufhin zu sammeln: Am Weihnachtsmarkt in Brugg und bei Bekannten. Zusätzlich schrieb sie alle Hilfsorganisationen an, die ihr in den Sinn kamen. Erfolglos. «Es war ein Riesenfrust und sehr zermürbend.»

Und dann plötzlich ging eine Türe auf: Der Verein «Wings of Help» ermöglichte ihr die Benutzun seines Spendenkontos. So kam Franken um Franken zusammen. Heute sind es 67000. Die Spenden kamen von Privatleuten, Geschäften und auch aus Nachlässen. Alexandra Stahel lernte dabei auch, wie umkämpft der Spendenmarkt ist. Manche Leute sagten ihr: Soviel Geld für ein Kind. Damit könnte man einem ganzen Dorf in Afrika helfen. «Ich musste ihnen recht geben. Aber es ist ja nicht so, dass ich nach Ecuador reiste und mir bewusst ein hilfebedürftiges Kind suchte.»

Spontane Schreiben von unbekannten Leuten gaben ihr Kraft zum Weitermachen: «Dann konnte ich mir wieder sagen, verkehrt ist das Sammeln sicher nicht.»

Merylins Schokoladen-Vorfreude

Merylin hatte nach der schmerzhafte Behandlung grosse Angst vor Ärzten. Nun habe sie diese ein bisschen überwunden, erzählt Alexandra Stahel. Schmerzen tut aber nach wie vor, was nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. «Mädchen tragen doch so gerne Ohrringe, das kann sie nicht, weil ihre Ohren deformiert sind», erzählte Merylins Vater Alexandra Stahel.

«Vielleicht steht Merylin mit der Pubertät die schwierigste Zeit noch bevor», sagt sie nachdenklich. Nun hofft sie aber vorerst, dass alles klappt und Merylin hier geholfen werden kann. Sie sagt auch, dass Merylin sich sogar ein bisschen auf die Schweiz freue. Vor allem darauf, hier so viel Schokolade essen zu können, wie in ihren Bauch passt.

Nach Abschluss der Behandlung wünscht sich auch Alexandra Stahel wieder mehr Ruhe und Normalität in ihrem Alltag. «Ich möchte für die nächste Zeit einfach ein stinknormales Leben», sagt sie und schmunzelt.

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