Stuhlreihe um Stuhlreihe musste aufgestellt werden, der Strom von Zuhörerinnen und Zuhörern wollte nicht abbrechen. Gegen 200 Leute sassen schliesslich am Freitagabend im reformierten Kirchgemeindehaus von Menziken und hörten zu, wie sich das einheimische Gewerbe in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. So viel Interesse an seinem Vortrag hätte sich der Erzähler Karl Weber, genannt Spengler Kari, nie erträumen lassen.

Das Erzähltal stand unter dem Motto «Mutige Persönlichkeiten bewegen unsere Region – gestern – heute – morgen» und der Spengler Kari berichtete von Menschen, die das Menziker Dorfleben und Gewerbe geprägt haben. Karl Weber, Jahrgang 1937, hat vor neun Jahren sein Spenglerei- und Sanitärgeschäft im sogenannten Amerikanerhof aufgegeben und danach angefangen, die ehemals im Dorf ansässigen und heute verschwundenen Handwerksbetriebe aufzulisten.

Erzähltal 2017: Karl Weber, der Spengler Kari

Erzähltal 2017: Karl Weber, der Spengler Kari

Das Publikum staunte nicht schlecht über die Zahl: 170 Betriebe, die der Spengler Kari zumindest in seiner Kindheit noch gekannt hat, gibt es nicht mehr. Mit Stichtag vor neun Jahren notabene, die Zahl hat sich unterdessen noch erhöht. Unter anderem zählte er zehn Bäckereien, sieben Schuhmacher, 24 Landwirte und eine Puppenklinik auf.

Im Publikum, das merkte man rasch, sassen vor allem Einheimische, welchen die Handwerksbetriebe noch ein Begriff waren. So ging immer wieder ein Raunen durch das Publikum, wenn der Spengler Kari Anekdoten erzählte. Wie jene der Übernamen, welche früher viele Einwohner hatten. «Die vielen Webers und Merzens musste man ja damals auseinanderhalten», sagte der auch als «Mechu-Samelis-Adolfe Kari III» bekannte Karl Weber.

«Als ich noch ein Schulbub war, schickte mich mein Vater auf die Baustelle, um dem Sämi ein Ersatzteil zu bringen. Sämi hiess aber eigentlich Eugen. Als ich unterwegs den Elektriker antraf, grüsste ich ihn mit ‹grüezi, Herr Joggimaler› und kassierte prompt eine Ohrfeige. Der Joggimaler hiess nämlich mit richtigem Namen Merz.»

Die Geschichte des Waschens

An insgesamt 15 Orten erzählten Menschen Bewegendes aus der Region Aargau Süd. Gastregion war das Ruedertal, wo die Zuhörer im Webereimuseum Geschichten des Tals hörten. In Gontenschwil erzählte Samuel Hunziker, wie und mit welcher Technik die Huwa AG seit über 100 Jahren Wäsche bewegt.

Die Besucher begutachteten in der Produktionshalle die halbfertigen Bestandteile einer Waschmaschine und staunten über die Unmengen an Kleinteilen, Kupplungen und Schläuchen, welche die Servicetechniker für ihre Einsätze vor Ort benötigen.

«Es war ein toller Anlass mit interessanten Beiträgen und einer grossen Zahl an Zuhörern», sagte Martin Widmer, Präsident des Veranstalters aargauSüd impuls, zufrieden. Doch nach dem Event ist vor dem nächsten: Bereits in einem Monat treffen sich die Verantwortlichen, um das 10-Jahre-Jubiläum des Erzähltals, das 2018 stattfinden wird, vorzubereiten.