Der zweite Stock eines Mehrfamilienhauses ist nicht unbedingt der Ort, wo man Heim und Werkstube einer Landfrau erwartet. Doch Sandra Siegrist, seit Februar Präsidentin der Landfrauen Schmiedrued, kreiert hier eine breite Schaffenspalette. Auf dem Balkon warten Dekokugeln und Weihnachtssujets aus Beton auf den nächsten Arbeitsschritt. Noch liegen sie eingeweicht im Wasserbad oder trocknen auf dem Tisch vor sich hin.

Dem Geländer entlang stehen Blumen- und Pflanzentöpfe und weitere Deko-Kreationen. «Am liebsten hätten mein Mann und ich natürlich ein Haus mit Umschwung», sagt Siegrist. Jedoch würden die meisten Häuser im Dorf unter der Hand verkauft und Bauland habe es in Schmiedrued nicht viel.

Zaubern in der Backstube

Ihre grössten Werke schafft die 37-Jährige jedoch in ihrer Küche. Seit sie vor einer Weile anfing, für Anlässe von Bekannten Desserts auszurichten, kann sie sich vor Aufträgen kaum retten. So ist sie, die vor dem Muttersein die Reinacher Filiale der Konditorei Fischer geführt hat, auf dem besten Wege mit Torten, Schokoladen-Mousse und Baileys-Cremen ein florierendes Geschäft aufzubauen. «Mit allem, das sich so ergeben hat, läuft bei mir gerade sehr viel», sagt Siegrist. Auch zu ihrem Amt als Landfrauen-Präsidentin kam die Mutter von Fiona (4) und Samuel (1) etwas unverhofft. Noch neu im Verein, wollte sie sich im Vorstand engagieren. Ehe sie sich’s versah, war sie neue Präsidentin.

«Für mich war klar: Wenn ich einem Verein beitrete, dann den Landfrauen», sagt Siegrist. Ihr gefalle das Bodenständige und Unkomplizierte, das sie bei den Landfrauen wiedergefunden habe. Siegrist wurde selbst einst in eine Bauernfamilie hineingeboren. Ihre Eltern bauerten in Staffelbach und zogen um die Jahrtausendwende nach Schmiedrued, weil sie hier einen Hof übernehmen konnten.

Neue Generation an der Spitze

Mit Sandra Siegrist präsidiert eine neue Generation die Schmiedrueder Landfrauen. «Ich besitze zum Beispiel keine Tracht, worauf man mich schon öfters angesprochen hat», sagt sie. Die Tracht gehöre nicht zu ihr, obwohl sie ihr an anderen Frauen sehr gefalle. Gerne hätte sie mehr Frauen jüngeren Jahrgangs im 60 Mitglieder zählenden Verein. Der Altersdurchschnitt ist hoch und somit droht ihm irgendwann das Aussterben. So ist die Nachwuchssuche derzeit eines der dringendsten Projekte in Siegrists Agenda. «Von alleine kommen die Leute nicht in den Verein, man muss auf sie zugehen», sagt sie. Dies mache sie, wo immer sie andere Frauen antreffe, sei es in der Badi, im Laden oder im Muki-Turnen.

Am 15. November wird sich zeigen, ob die Rekrutierungsmission der Präsidentin Erfolg hat. Dann sind alle Interessentinnen zum gemütlichen Beisammensein geladen. Wie sollte man sein, um zu den Landfrauen zu gehören? «Fröhlich und unkompliziert, jemand, der das Ländliche mag», antwortet Siegrist und lacht. Backkünste oder ein grüner Daumen, das seien heutzutage keine Voraussetzungen mehr.

Für interessierte Neumitglieder veranstalten die Landfrauen Schmiedrued am 15. November um 19.30 Uhr ein Abendessen im Vereinslokal beim Schulhaus.