Der Grund: Es sind Einsprachen gegen die Windanlage eingegangen und bei der Gemeinde bestehen rechtliche Unsicherheiten. Einerseits ist man nicht sicher, ob die Windturbine zonenkonform ist. Andererseits weht der Wind in Muhen nicht genug stark, um eine Turbine zu betreiben.

Für Geisseler sind diese Einwände unverständlich. Seine Windturbine sei neuste Technologie und habe wenig zu tun mit den grossen Anlagen, die wegen Landschaftsschutz oder Lärmemissionen abgelehnt würden.

Der Kanton blockt

Geisselers Turbine ist nur 13 Meter hoch. Der Lärmpegel beträgt rund 30 Dezibel. Das ist etwa so laut wie Flüstern. Darum sei die Turbine auch in bewohntem Gebiet geeignet. Geisseler, der auch Photovoltaikanlagen verkauft, würde die kleine Windstromanlage, die rund 5 Kilowatt liefert, gerne als Testanlage aufstellen. Der Plan wäre gewesen, dass mögliche Kunden die Anlage in Muhen anschauen und dann über den Kauf entscheiden könnten. Daraus wird nun vorerst nichts.

Die Schuld dafür sucht Geisseler vor allem beim Kanton. Dort verstecke sich doch einer hinter dem anderen und niemand wisse genau, wie man mit der neuen Technologie umgehen müsse. Geisseler findet darum wenig schmeichelhafte Worte für die Aargauer Energiepolitik: «Der Kanton tut so offen gegenüber Windenergie. Aber wenn es konkret wird, dann blockt er.»

Dieser Aussage widerspricht Werner Leuthard von der kantonalen Abteilung für Energie. Er betont, dass der Aargau sehr wohl Interesse an der Windenergie habe. Allerdings nur dann, wenn die Anlagen auch am richtigen Ort stehen. Aus seiner Sicht mache es vor allem Sinn, grosse Windanlagen zu bauen und mehrere Anlagen an einem Standort zu konzentrieren, als vereinzelte kleine Windturbinen aufzustellen. Ein weiterer Knackpunkt ist das Mindestwindpotenzial, das ein Standort laut kantonalem Richtplan aufweisen muss. Für eine kleine Turbine, wie im Müheler Fall, wären das 3 Meter pro Sekunde. Laut Windkarte weht der Wind im Muhen aber durchschnittlich nur mit 2,5 Metern pro Sekunde.

Geisseler versteht diese Argumentation nicht. «Wenn es laut kantonaler Windkarte zu wenig Wind gibt, ist das doch mein Problem.» Aus Sicht des Kantons stimmt das wiederum nicht. «Eine Windturbine ist mindestens für einen Teil der Leute ein Ärgernis», sagt Leuthard. Darum sei es immer ein Abwägen zwischen Schaden und Nutzen. «Wenn eine Windanlage gebaut wird, dann soll sie auch einen minimalen Nutzen bringen», sagt Leuthard.

Der kantonale Richtplan sieht vor, dass kleine Windanlagen bis dreissig Meter in Industrie- und Gewerbezonen erlaubt sind. Im Richtplan steht aber auch, dass die jeweilige kommunale Nutzungsplanung solche Windanlagen erlauben muss. In Muhen startet man noch dieses Jahr mit der Revision der Nutzungsplanung. Das Problem mit der Turbine könnte also in die Revision einfliessen. Für den Müheler Bauverwalter Andreas Schmucki wäre das die beste Lösung. «Dann könnten wir aufgrund einer sauberen Grundlage entscheiden.»

Die Revision der Nutzungsplanung abzuwarten, geht Geisseler zu lange. Für ihn ist die Sache vom Tisch - zumindest in Muhen. «Ich werde die Testanlage in einem anderen Kanton bauen», sagt er. Hauptsache er könne die Turbine möglichst bald aufstellen. Geisseler erzählt, dass er bereits über zehn Anfragen für die Anlage hat. Er ist sich sicher: «Sobald meine Kunden die Turbine in der Realität gesehen haben, kann ich nachbestellen.» Geht es nach Geisseler, würden also bald noch mehr kleinen Turbinen auf die weite Reise von China in die Schweiz geschickt.