Walde/Teufenthal

Eine Hackbrett-Hommage auf den hässlichen schwarzen Kater

Barbara Schirmer (hier bei einem Auftritt in Bern) sagt, sie erzähle mit ihrer Musik Geschichten.

Barbara Schirmer (hier bei einem Auftritt in Bern) sagt, sie erzähle mit ihrer Musik Geschichten.

Die Musikerin Barbara Schirmer aus Walde eröffnet am Sonntag die «Kukuk»-Saison mit einer Matinee.

Das Rot der Appenzeller Herrentracht gehört zum Hackbrett und auch die Experimental-Hackbrettvirtuosin Barbara Schirmer trägt es bei jedem Auftritt. Rote Haare, rote Lippen – genauso frei wie ihr Spiel interpretiert die Künstlerin aus Walde auch die Hackbrett-Kluft. Ihre Musik, die sie mit herausfordernden vier Sticks erzeugt, klingt mal urchig appenzellerisch, mal klassisch, mal nach Jazz, mal meditativ. Je nachdem, ob sie mit dem Bariton Christian Zehnder neue alpine Musik spielt oder mit dem Cellisten Carlo Niederhauser als Duo «Falter» auftritt.

Ihre Matinee am Sonntag «im Park» in Teufenthal bestreitet sie alleine, denn auch ein Soloprogramm hat Barbara Schirmer im Repertoire. Es ist eines von ganz wenigen Solokonzerten in diesem Jahr, die sie im Rahmen der «Kukuk»-Kulturveranstaltungen in Teufenthal gibt. «Ich spiele gerne alleine, aber noch lieber mit anderen Leuten zusammen», sagt sie. «Musik ist das, was man zusammen macht, ist Energie, die während des Spiels zwischen den Musikern fliesst.»

Aus den Fussstapfen des Vaters hinausgetreten

Zusammen Musik machen, das kennt Barbara Schirmer aus ihrer Kindheit. Der Vater war ein bekannter Hackbrettspieler, das die Kinder das Instrument auch lernten, war selbstverständlich. Tochter Barbara spielte erst volkstümliche Musik wie der Vater, eine «klare Schublade», wie sie sagt, wollte aber mit der Zeit wissen, was ihr Instrument ausserhalb der Schublade sonst noch draufhat.

«Ich wollte etwas Neues spielen, Stücke, die das Publikum nicht erwartet», sagt die Musikerin. Ihr Entscheid als junge Frau, ganz von der Musik zu leben, habe vor allem dazu beigetragen, sich durch Experimentieren zu entfalten. «Ich erzähle mit meiner Musik Geschichten in abstrakter Sprache, wobei für den Zuhörer genug Freiraum bleibt, die Geschichte zu interpretieren», umschreibt sie selber ihr Spiel.

In den letzten Tagen war die Meisterin – den Laien überrascht’s – für das sonntägliche Konzert viel am Üben. Ausgeübt hat frau also auch auf oberster Stufe nie. Gemäss Programm wird sie dem Publikum eine Hommage an eine alte Katze um die Hausecke darbieten. Sehen wird man das Büsi in Teufenthal nicht, denn das Tier ist bereits verstorben. «Es war ein schwarzer Kater. Ein hässlicher, deshalb hatten wir ihn nicht verschenken können», sagt die Künstlerin. Aber er habe Mäuse geliebt, was ein echter Segen war für die Bewohner der Schürmühle in Walde. Stundenlang habe er auf der Wiese den Mäusen auflauern können – die Inspiration für Barbara Schirmers musikalische Hommage: «Da ist diese kleine Katze im weiten Feld, die stundenlang warten kann.» Ob der Kater die Maus fangen wird, findet das Publikum bei der Matinee heraus.

«Nicolas Senn ist ein wichtiger Botschafter»

Barbara Schirmer gibt das Hackbrett-Handwerk weiter, bringt ihre Schüler mit ihrem Musikstil in Berührung, zwingt aber niemandem eine Richtung auf. Nicolas Senn, einst Mitglied des von ihr gegründeten Hackbrett Jugendorchesters Schweiz, ging Richtung Volksmusik, in der er heute seinen prominenten Platz hat. «Nicolas ist ein wichtiger Botschafter, vor allem für Kinder, die dank ihm das Instrument lernen wollen», sagt sie.

Wird die Schirmersche weltweit einzigartige 4-Stick-Technik auf dem Hackbrett dereinst durch Nachwuchsmusiker weiterentwickelt? Lehren würde die Meisterin diese ausserordentliche Spielweise gerne. Jedoch nicht in Form eines Workshops, der nur drei Tage dauert. «Etwas länger braucht man schon, um dieses Handwerk zu lernen.»

«Kukuk»-Matinee mit Barbara Schirmer findet morgen um 10 Uhr im «Park» in Teufenthal statt.

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