Interview

«Eine Gelegenheit»: Pfarrerin Ursina Bezzola würde eine neue Moschee befürworten

Ursina Bezzola ist seit 21 Jahren Pfarrerin in der reformierten Kirche Reinach-Leimbach und deckt das Neudorf ab.

Ursina Bezzola ist seit 21 Jahren Pfarrerin in der reformierten Kirche Reinach-Leimbach und deckt das Neudorf ab.

Für Pfarrerin Ursina Bezzola würde der Moschee-Neubau zur Sichtbarkeit der albanischen Gemeinschaft beitragen.

Frau Bezzola, das geplante Moscheen-Neubau-Projekt in Reinach schlägt hohe Wellen. Wie stehen Sie als reformierte Pfarrerin, die seit 21 Jahren in Reinach tätig ist, zu diesem Projekt?

Ursina Bezzola: Wir sind ja hier schon «multi-kulti». Vielleicht hilft ein Neubau, dass wir alle wieder ein paar Schritte mehr aufeinander zugehen. Ich jedenfalls hätte Freude daran, zur Eröffnung eingeladen zu werden. Und wer weiss, vielleicht ergibt sich daraus ja der eine oder andere Anlass für ein Gespräch?

Haben die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Reinach untereinander Kontakt?

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass wir mit den hiesigen christlichen Kirchen mehr Kontakt haben. Aber vor einigen Jahren haben wir uns gegenseitig besucht: Wir von der reformierten Kirchgemeinde haben die albanische und die türkische Moschee in Reinach kennen gelernt, als Gegenbesuch kamen muslimische Menschen zu uns in einen Konfirmationsgottesdienst und es gab Gesprächsabende. Dieser Neubau wäre doch eine tolle Gelegenheit für eine erneute Kontaktaufnahme.

Wäre ein Miteinander der verschiedenen Kirchen und Moscheen in Reinach denkbar?

Gemeinsame gottesdienstliche Feiern wird es wohl in nächster Zeit kaum geben, aber vielleicht ab und zu einen geselligen Anlass, wo man sich gegenseitig näher kennen lernt.

Wie nehmen Sie die Diskussionen im Dorf wahr?

Mir fällt auf, dass sich viele positiv zum Projekt äussern. Es ist offenbar auch in Reinach mittlerweile selbstverständlich geworden, dass Menschen jeder Religion sich treffen und das auch gegen aussen zeigen dürfen.

Was entgegnen Sie besorgten Gemeindemitgliedern?

Wir leben in einem Land, in dem wir unseren Glauben zum Glück frei wählen können. Das ist ein hohes Gut. Und es gilt nicht nur für uns Christen, sondern für alle. Unsere Welt verändert sich, wir sind vermehrt mit anderen Kulturen in Kontakt, auch durch Reisen und das Internet. Grosszügigkeit und Mitmenschlichkeit Andersdenkenden gegenüber werden immer wichtiger und hoffentlich auch bei uns immer selbstverständlicher.

Was unternimmt die reformierte Kirche Reinach-Leimbach in der Integrations-Thematik?

In unseren Räumen pflegt das Netzwerk Integration seit vielen Jahren Treffen von ausländischen und Schweizer Frauen und ihren Kindern. Unser Chinderkafi «Pünktli» ist ebenfalls ein niederschwelliges Angebot für Menschen jedes Glaubens.

Vizeammann Bruno Rudolf (SVP) stört sich als bekennender Christ daran, dass Gebetshäuser von nicht christlichen Religionen gebaut werden. Glauben Sie auch, dass der Bau von verschiedenen Gotteshäusern zu Parallelgesellschaften führt?

Die albanisch-islamische Gemeinschaft hat ja bereits ein Gebetshaus beziehungsweise einen Ort für ihre Zusammenkünfte an der Hauptstrasse. Warum sollte sich jetzt etwas ändern, wo ein Neubau entsteht? Er wäre ja sogar sichtbarer.

Wie hat sich Reinach in den letzten 21 Jahren in Ihren Augen verändert?

Ja, eben so viel, dass zum Beispiel wir Reformierten hier in Reinach weniger geworden sind und kaum neue zuziehen. Man kann das beklagen, aber so ist es halt hier. Wenn alle das Ihre beitragen, behalten wir in unserem Dorf eine gute Lebensqualität.

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Autor

Melanie Eichenberger

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