Hirschthal

Eine ganze Bibliothek voller alter und wertvoller Märchenbücher

Märchenerzählerin Evelin Amsler.

Märchenerzählerin Evelin Amsler.

Evelin Amsler hat rund 1000 Märchenbücher – jetzt macht sie sie für die Öffentlichkeit zugänglich.

«Märchen liest man nicht vor – Märchen erzählt man frei», sagt Evelin Amsler aus Hirschthal, die mit ihrem Mann seit 27 Jahren in Aarau das Bastel-Huus führt. Und zwar müsse man sie von innen nach aussen erzählen, was eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte voraussetze. Am nächsten Samstag lädt sie zu einer Märchenwanderung und zur Eröffnung ihrer Märchen-Lesebibliothek.

«Dank meinem Vater hat es mir den Ärmel hereingenommen», sagt Evelin Amsler. Er, ein Tiroler, habe viele lokale Sagen gekannt und erzählt. Später hat er sie auch aufgeschrieben. Bei der Märchenstiftung Mutabor, im Emmental beheimatet, hat Evelin Amsler das Märchenerzählen in einem zweijährigen Lehrgang erlernt. «Am letzten Sonntag konnte ich im Zirkuswagen des Zirkus Stey Märchen erzählen», sagt sie. Man kann Märchenerzähler engagieren. Auf der Website der Märchenstiftung sind dutzende von Erzählenden aufgeführt. Ebenfalls alle Lesebibliotheken samt Wanderungen.

Am liebsten alte Volksmärchen

«Viele Leute finden sich irgendwo in den Märchen», sagt Evelin Amsler, Mutter der 11-jährigen Céline, sei es in Personen, sei es in Situationen. Insofern seien Märchen universell. «Es gibt sie in allen Kulturen, und sie sind, im Gegensatz zu Lokalsagen, nicht an Orte gebunden und enthalten keine Namen von historischen Personen.» Das gelte für die Volksmärchen, ursprünglich mündlich weiter gegeben, später gesammelt, beispielsweise von den Brüdern Grimm. Diese interessieren Evelin Amsler, nicht die Kunstmärchen, deren Autoren einen Namen haben. Persönliche Favoriten? Die orientalischen Märchen gefallen ihr, aber auch indianische. «Ich kann mich nicht festlegen; es kommt auf die Stimmung an», sagt sie. Ihre Auswahl ist gross.

Evelin Amsler ist eine leidenschaftliche Sammlerin. Waren es einst Abziehbilder oder Schlümpfe, so sind es seit geraumer Zeit die Märchenbücher. «Es gab kaum einen Kurstag, an dem ich nicht ein neues Buch nach Hause getragen habe», sagt sie. Diesen errungenen Schatz möchte sie nun teilen. Deshalb hat sie in ihrem Haus in Hirschthal eine Märchen-Lesebibliothek eingerichtet.

Die Märchenstiftung Mutabor führt eine Datenbank der Bücher aller Lesebibliotheken. Jene stellen die Bücher auch für wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden zur Verfügung. Jemand habe sich zum Beispiel schon mit dem Thema Märchen und Yoga beschäftigt. «Wir leihen sie nicht aus, da es zum Teil alte und wertvolle Bücher drunter hat, aber Computer, Drucker und Kopierer sind vorhanden, sodass man hier arbeiten kann», sagt Evelin Amsler.

Neben dem Erzählen setzt sich Evelin Amsler nun vertieft mit der Symbolik von Märchen auseinander: Was bedeuten die Stiefmutter oder etwa der König? «Die Botschaft der Märchen ist nicht für alle Personen dieselbe», sagt sie. Sie hat schon im Altersheim Märchen erzählt und dabei berührende Begegnungen erlebt. Die Stiftung fördert das Erzählen von Märchen bei pflegebedürftigen Menschen.

Märchenwanderung im Wald

«Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, sieht vielleicht sogar das Kleine Volk», sagt Evelin Amsler augenzwinkernd. Durch den Wald führt auch die Märchenwanderung, die am Samstag eröffnet wird. Dabei geht es nicht um geschnitzte Märchenfiguren, sondern ums reine Naturerlebnis: Moose, Farne, Pilze, liegende Baumstämme, die wie Krokodile aussehen und die Fantasie anregen. Evelin Amsler sucht noch lokale Sagen. Zwei hat sie bereits. Auf diskreten Schildern sollen sie am Weg zu lesen sein.

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