Es ist nicht jedermanns Sache, die Zeit im Nacken im Wald herumzurennen und dabei auch noch Kartenlesen zu müssen. Genau das ist aber die Leidenschaft der rund 800 Laufwütigen, die am Wochenende in Rickenbach (LU) am Aargauer 3-Tage-OL teilgenommen hatten.

Die az klammerte sich während des OL an die Fersen einer sportbegeisterten Zetzwiler Familie Hirt: Beatrix und Urs Hirt mit ihren zwei Söhnen Severin (18) und Benjamin (12). Weil Mutter und Vater im Helferteam integriert sind, springen lediglich ihre zwei Söhne mit.

Mehrzweckhalle Rickenbach, Freitag, 17.30 Uhr. Die meteorologischen Bedingungen sehen für einen Orientierungslauf nicht gerade optimal aus. «Ach was, ich würde auch durch Schnee laufen, wenn’s sein muss!», sagt Beatrix Hirt lachend. Sie steht im Untergeschoss des Wettkampfzentrums und passt auf die Kinder auf, deren Eltern oder Geschwister gerade im Wald herumrennen. Während des Aargauer 3-Tage-OL steht sie im Dienst, organisiert wird der Anlass dieses Jahr von der OLG Rymenzburg und dem OLV Luzern.

In der Zetzwiler Familie ist das OL-Fieber vor etwa acht Jahren ausgebrochen ¬– eingeschleppt hat es der damals zehnjährige Sohn Severin, als er in ein OL-Lager schnuppern ging. Nur Sohn Stefan und Tochter Salome haben sich nicht angesteckt, «die bevorzugen Fussball respektive Korbball», so Mutter Hirt.

Severin sitzt eine Etage höher an einem Tisch vor der Festwirtschaft. Was war es denn genau, was ihn damals am OL so faszinierte? «Es ist ein Sport, in dem man Körper und Geist gleichermassen herausfordern kann», sagt er. Ob er auch noch renne, will die Besucherin wissen. ¬«Ja, klar, aber erst um 19.15 Uhr.» Der jüngere Bruder Benjamin, ist nicht auffindbar: «Der ist schon gestartet», erklärt Severin.

Im Erdgeschoss wartet Vater Urs an der Anmeldung auf weitere Läufer. Wenn er nicht gerade mit einer Karte in der Hand Posten sucht, arbeitet der 46-jährige Finanzleiter bei einem Autocenter. «Mir gefällt am OL, dass es ein Generationensport ist», erzählt er. Man sei wie eine Familie. Das Kartenlesen habe ihm zwar am Anfang etwas Mühe bereitet, «aber auch das ist Trainingssache».

Inzwischen hat es so richtig zu regnen begonnen. Petrus fährt schwerere Geschütze auf. Aber das trübt weder die Laune der Teilnehmer noch die der etwa hundert Helfer. «Es hilft praktisch der gesamte Verein mit», erklärt Thomas Gyger, Pressesprecher und Mitglied der OLG Rymenzburg.

Die meisten Teilnehmer seien aus den Kantonen Aargau und Luzern. Es gibt aber auch einige, deren Reise hierhin etwas länger gedauert hat: «Wir haben Läufer hier, die aus Südafrika oder Israel angereist sind», erzählt Gyger stolz. Und wo schlafen diese OL-Touristen? Gyger weist auf die Zeltstadt hinter dem Parkplatz.

Wir sind hier nahe beim Wettkampfzentrum, aber wirklich um die Wurst geht es an einem anderen Ort: Im Bogeten-Wald oberhalb des Dorfes stösst man immer wieder auf Läufer. Einige wärmen sich für den bevorstehenden Lauf auf, andere haben alle ihre Posten schon gefunden und stehen hechelnd und mit rotem Kopf neben dem Ziel. «Heute Abend laufen alle Sprint», erklärt der Pressesprecher. Das bedeutet, dass ein Läufer nur etwa 70 Prozent einer normalen Strecke seiner Kategorie zurücklegt. «Folglich sind auch die Abstände zwischen den Posten kürzer», führt Gyger aus.

Neben dem Ziel steht auch Adrian Klauser, der Bahnleger der heutigen Etappe. Es könne Vieles schiefgehen, wie Gyger erklärt: «Es kann sein, dass die Kontrollnummern nicht stimmen, eine veraltete Karte für die Bahnlegung benutzt wird oder der Schwierigkeitsgrad des Laufs falsch ist.» Deshalb sei man bei dieser Aufgabe immer zu zweit, damit einer die gelegte Bahn des anderen kontrollieren kann.

Die OL-Resultate finden Sie hier.