Viele Baugesuche aus Staffelbach sind schon auf dem Tisch des Kantons gelandet. Immer geht es um erneuerbare Energie. Immer schickt sie ein Bildhauer. Dieser Bildhauer heisst Niklaus Walther. Ihn hat die erneuerbare Energie gepackt.

Walther mietet Dächer in der Region und baut darauf Photovoltaikanlagen. Auf seinen eigenen Dächern produziert er ein Mehrfaches davon, was er selbst an Strom verbraucht. Vor einem Jahr hat er ausserdem ein Studium mit der Fachrichtung Energie und Umwelttechnik begonnen. Damit nicht genug. Seit Jahren ist Walther an der Verwirklichung seines grossen Traums im Bereich erneuerbarer Energie: Auf dem Chalt, einem Hügel, zu dessen Füssen Walthers Haus liegt, will er Windräder aufstellen. Schon eines davon könnte mehr Strom liefern, als alle Haushalte von Staffelbach verbrauchen.

«Wind weht stark genug»

Die Weichen dafür werden jetzt gestellt. Im neuen Richtplan legt der Kanton zurzeit Windzonen fest. Also Zonen, in denen solche Windräder künftig aufgestellt werden könnten. In den Richtplanvorschlägen sind fünf mögliche Standorte berücksichtigt. Staffelbach ist nicht dabei. Jörg Hartmann vom Amt für Raumentwicklung sagt, dass nach seiner Kenntnis zu wenig Windpotenzial vorhanden sei in Staffelbach. «Wir nehmen aber selbstverständlich alle Anträge auf und prüfen sie.»

Der Wind würde in Staffelbach stark genug wehen, das haben Walthers Messungen während eineinhalb Jahren gezeigt. Wird die Region Staffelbach trotzdem nicht als Windzone in den Richtplan aufgenommen, würde sich der Bau von Walthers Windrädern um mindestens zehn Jahre verzögern. Für die Umsetzung bräuchte es dann eine Richtplanänderung. Ob er damit durchkommen würde, ist unklar. Aber auch wenn es gelingt, bedeutete es eine Verzögerung von über zehn Jahren. «Das sind zehn Jahre, in denen der Wind unbenutzt über den Chalt fegt.»

«Es muss wirtschaftlich sein»

Ein grosses Windkraftwerk kostet rund sechs Millionen Franken. Walthers Finanzierungsmodell: Pro Windrad zwei Millionen Aktienkapital, 3,5 Millionen aus einem Bankkredit, eine halbe Million haben die Energielieferanten industrielle Betriebe Aarau (IBAarau) und AEW zugesichert.

Auch die Anwohner sollen finanziell mit einem prozentualen Anteil vom Erlös des Windstroms profitieren. «Sie sollen Freude haben, wenn das Rad dreht, weil es Geld gibt», so Walthers Idee. Das Windrad solle überhaupt wirtschaftlich sein, sagt er. Und falls es irgendwann neue Möglichkeiten der Energiegewinnung gibt, baue man die Windräder einfach wieder zurück.

Walther hat allen Haushaltungen in Staffelbach, Attelwil, Reitnau und Wiliberg ein Flugblatt zugestellt. Bisher hat er kaum negative Reaktionen bekommen.

Unterstützung erhält er aus dem eigenen Dorf. Gemeindeammann Max Hauri befürwortet den Bau der Windräder. Er gibt aber auch zu bedenken, dass von den Immissionen vor allem die Wiliberger und der Kalthof betroffen sind. Der Wiliberger Gemeindeammann Stephan Müller hält fest, dass der Gemeinderat nicht gegen eine Windzone in Staffelbach sei. Er spreche sich aber gegen die drei geplanten Standorte aus. Zwei davon würden die Wiliberger tangieren. «Die Windräder gehören nicht an einen Ort, wo Menschen wohnen», sagt er. Sein Vorschlag: Sie sollen im Wald gebaut werden.

«Opfer für Umwelt sind zu gross»

Was die Region und die betroffenen Anwohner zu den Windrädern meinen, fliesst in die Beurteilung über eine mögliche Aufnahme von Staffelbach als Windzone ein. Für Gegner der Windenergie, wie Pro Natura Aargau, ist das Opfer für Landschaft, Vögel und Fledermäuse im Verhältnis zum geringen Energienutzen zu gross. Der Zerstörung des Landschaftsbildes hält Walther entgegen, dass es im Suhrental bereits mit zwei Hochspannungsleitungen gestört sei. Die Vernehmlassung für den Richtplan läuft noch bis zum 7.Dezember.