Schöftland
Eine Baustelle, ein Bein im Stiefel und ein Menu mit Rind

Der kulinarisch-kulturelle Dreigänger rund um den traditionsreichen Gasthof «Ochsen» ist keine Ochsentour, vielmehr ein Sinne und Geist erfreuender Rundgang durch Schöftland. Dazu gibt es allerlei Geschichten – historische, lustige und tragische.

Von Peter Weingartner
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Markus Kirchhofer erzählt im Käsekeller.

Markus Kirchhofer erzählt im Käsekeller.

Peter Weingartner

Nach sieben Jahren erwacht der «Ochsen» zu neuem Leben. Daniel Frey und Sandra Roth, die neuen Besitzer des traditionsreichen Gasthofs in Schöftland, laden zur Besichtigung der Baustelle mitsamt einem kulinarischen Spaziergang mit drei Gängen.

Der Dreigänger beginnt in der Scheune, die zum «Ochsen» gehört. Frey und Roth gewähren einen Blick in die Geschichte des Hauses, bereits 1515 als Taverne erwähnt, dessen letzte 100 Jahre die Familie Schneider geprägt hat. Das Gebäude zwischen Gasthaus und Scheune ist abgerissen worden. Wo einst geschlachtet wurde, entstehen, so der Suhrentaler Gmüesler Daniel Frey, eine Produktionsküche für Gemüse, dazu Büros und eine kleine Wohnung. Ein Holzbau. Frey möchte seine Idee realisieren: anpflanzen, verarbeiten, kochen, im eigenen Restaurant anbieten und verkaufen. «Vom Feld bis auf den Teller», sagt er.

«Das ganze Volumen muss wieder aufgebaut werden», erklärt Frey die Auflagen der Denkmalpflege, denn die Liegenschaft prägt das Dorfbild. Wann der «Ochsen» wieder öffnet, hänge davon ab, wann geeignetes Personal gefunden wird: im Herbst 2014 oder im Frühling 2015.

Geschichte zu tragischem Unfall

Der erste Gang führt zur alten Chäsi, die der Gemeinde gehört. Im Käsekeller riecht es noch leicht säuerlich. Autor Markus Kirchhofer, selber in einer Käserei aufgewachsen, setzt zu seiner Lesung mit Zentrifuge an. Er liest eine auf einem tragischen Unfall beruhende Ruedertaler Geschichte: Eine Zentrifuge war aus ungeklärten Gründen geborsten und hatte einem Käser ein Bein abgerissen. Während er in eindringlichen Bildern Unfall und Folgen schildert, setzt Kirchhofer unter metallischen Geräuschen eine Zentrifuge zusammen. Die Geschichte hat bei aller Tragik eine positive Seite: Das Opfer ist nun erfolgreicher Behindertensportler. Es drängt sich förmlich auf, dass der Käsekeller auch seiner kulinarischen Bedeutung gerecht wird: Als ersten Gang gibt es Wein und Käse.

Ein Süppchen im Niesel

Die ehemalige Mühle ist Ziel der zweiten Etappe. 16 Schülerinnen des Freifachs «Tanz», geleitet von Nadine Mäder, präsentieren, was sie in zehn Wochen einstudiert haben. Das Publikum hat seine Freude und geniesst die Vorspeise: ein warmes Mehlsüppchen mit verschiedenen Broten. Genau das Richtige, denn es ist kühl und es nieselt leicht. Wer mehr über die Mühle vor dem Holzpellet-Debakel wissen will, ist beim ehemaligen Besitzer und Betreiber der Mühle, Jürg Frey, an der richtigen Adresse.

Der Ausgangspunkt ist der Schlusspunkt des Rundgangs: der «Ochsen». Frisch gestrichen präsentiert sich die neue alte Gaststube; im Gang hängen Bilder aus der Ära Schneider. In der Gaststube wird nun edel getafelt: drei Gänge im Sitzen. Mit Salat und Gemüse und Fleisch, wenn auch nicht vom Ochs, so doch vom Rind.

Vorbesitzer erinnern sich

Lucky Schneider hat Freude, dass die neuen Besitzer die Geschichte des Hauses respektieren. Man erinnert sich an Schreibmaschinen- und Tanzkurse. Zeiten, als der «Ochsen» Treffpunkt war. Henri Guisan hängt noch vor den Toiletten. Nostalgie kommt auch im Keller des «Ochsen» auf. Da kann man Schmunzelgeschichten hören, erzählt von Lucky Schneider, seiner Mutter Marlies und Tante Vreni. Anekdoten von «Ochsen»-Gästen wie Blick-Sexberaterin Martha Emmenegger oder Monegassen-Prinz Albert. Oder jene vom lebensmüden Bauern, der nach mehreren Bieren den Strick im Wald nicht mehr gefunden hat.

Anmeldung zum kulinarischen Dreigänger: info@zum-ochsen.ch oder 062 721 12 12. Kosten 75 Franken. Am 8., 9., 15. und 17. Mai gibt es noch freie Plätze.