Bezirksgericht Kulm

Eine Autofahrt mit bösen Folgen – Raser: «Ich muss das Urteil akzeptieren»

Raser gefährden vor allem andere. (Symbolbild).

Raser gefährden vor allem andere. (Symbolbild).

Vor dem Bezirksgericht Kulm stand ein Servicemonteur, der sich wegen Raserei verantworten musste. 65km/h zu schnell. Der Führerschein wurde ihm entzogen.

Bergrennen am Böhler? Nein, so stellt man sich keinen Raser vor. Achim (Name geändert), 41 Jahre alt, dreifacher Familienvater, ist anzusehen, dass ihm die Sache peinlich ist. Erstmals vor Gericht antraben müssen. Dabei sprechen die Fakten unzweideutig gegen ihn: Er war an jenem Mittag im August vor einem Jahr um 12.24 Uhr mit 145 km/h unterwegs, nach Toleranzabzug von 4 km/h, also 65 km/h zu schnell. Als er aus Unterkulm kommend, wo er als Brandschutzspezialist in einem Grossbetrieb im Einsatz war, talwärts Richtung Schöftland fuhr. Raste, als die Polizei ihn blitzte, und Armin erschrocken auf die Bremse trat.

Bei dieser Tempoüberschreitung kommt unweigerlich der «Raserartikel» zum Tragen: qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Vorsätzlich sei er das Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingegangen.

Die zweite Fahrt mit dem geleasten Mini Cooper

Er selber kann sich die Sache nicht erklären. Hat er etwas studiert, an den Armaturen herumgemacht? Die zweite Fahrt mit einem Mini Cooper Cabrio, das er geleast hat, weil seinen Töchtern das Auto gefallen hat. Und dieses, sein Privatauto, hatte er an diesem Tag genommen, weil der Geschäftswagen in der Garage war. Das Cabrio wurde nach dem Vorfall eingezogen.

Achim versucht sich nicht herauszureden. Was sollte er auch. Immerhin ist ausser ihm niemand zu Schaden gekommen. Er aber hatte unliebsame Umstände und hat hohe Kosten. Er kommt mit dem Zug aus dem Berner Oberland nach Unterkulm. Das Gesamtgericht – das beantragte Strafmass schreibt das vor – tagt coronabedingt im Gemeindesaal, und es wird eine kurze Sitzung.

Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung haben sich, abgekürztes Verfahren, auf einen Deal geeinigt, den es abzusegnen gilt. Kurze Befragung, keine Plädoyers. Nach einer guten halben Stunde sitzt Achim wieder im Zug und kann mit seiner Frau telefonieren.

«Effektiv potenzielle Gefährdung»

Er hat den Deal, 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren, dazu eine Busse von 3000 Franken plus die Gerichts- und Verteidigungskosten akzeptiert. Das Gericht tut desgleichen. Damit liegt das Urteil sechs Monate über dem Mindeststrafmass für dieses Delikt.

Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs spricht von einer «effektiv potenziellen Gefährdung». Sie denkt an Schüler, die – es war nicht nachts um 2 Uhr, sondern am Mittag – hätten auf die Strasse springen können.

Jetzt kommt der Führerausweisentzug

Ein verkehrspsychologisches Gutachten stellt Achim eine gute Prognose aus. Der Vorfall am Böhler wird ihm mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Lehre sein. Besonders weh tut, was nach diesem Urteil noch kommen wird: Führerausweisentzug für mindestens zwei Jahre. Muss er sich eine neue Arbeitsstelle suchen? Als Vertreter einer Brandschutzfirma war er rund 200'000 Kilometer pro Jahr mit dem Auto unterwegs, in der ganzen Schweiz.

Mit dem öffentlichen Verkehr dauere sein Arbeitstag von 5 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Es ärgert ihn, als Raser verurteilt worden zu sein, als den sieht er sich nicht: keine Vorstrafen, eine einzige kleine Busse im Strassenverkehr. «Ich bin froh, dass nichts passiert ist, und muss das Urteil akzeptieren», sagt er am Ende der Verhandlung.

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