Oberwynental
Einbussen von 200 000 Franken: Trockenheit im Sommer setzte Wald zu

Die Trockenheit setzt auch dem Wald im Forstrevier aargauSüd zu. «Besonders betroffen sind Einzelbäume, die auf lichten Sturmflächen im Wald oder im Siedlungsgebiet der Sommerhitze stark ausgesetzt waren.» Ein Rundgang mit dem Förster.

Rahel Plüss
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Rahel Plüss

Das laute Rauschen im Blätterdach lässt keine Zweifel offen: Es regnet in Strömen. Am Fuss der alten Eichen und Buchen ist der Waldboden aber weitgehend trocken. Nur vereinzelt schaffen es die Tropfen bis ganz nach unten. Die meisten Bäume sind hier, in der schattigen Senke im Menziker «Ischlag», noch grün, ihre Kronen halten den grössten Teil des Niederschlags zurück. Das Totenbächli ist nichts weiter als ein trockener Graben. Es führt trotz des Regens der vergangenen Tage kein Wasser.

«Das ist aussergewöhnlich», sagt Förster Ueli Wanderon, der die Auswirkungen der sommerlichen Hitze und der Trockenheit der vergangenen Monate mit Sorge beobachtet. «Unterdessen sind diverse kleine Bächlein, die sonst auch während der grössten Hitze noch Restwasser führen, ausgetrocknet.» Das Gleiche gelte für Brunnen. Sogar der «im Keller» am Stierenberg sei versiegt. «Das ist seit über dreissig Jahren nicht mehr vorgekommen.»

Förster Ueli Wanderon

Förster Ueli Wanderon

Rahel Plüss

Der Wassermangel wird jetzt auch im Forstrevier aargauSüd der Gemeinden Beinwil am See, Birrwil, Burg, Leimbach, Menziken und Reinach augenfällig. «Besonders betroffen sind Einzelbäume, die entweder auf lichten Sturmflächen im Wald oder im Siedlungsgebiet der Sommerhitze stark ausgesetzt waren», sagt Wanderon. Manche Laubbäume, wie etwa die sonnenexponierten Linden beim Reinacher Entenweiher, hätten ihre Blätter schon früh abgeworfen, um einer zu starken Verdunstung entgegenzuwirken. Andere, darunter viele Nussbäume in der Siedlung, konnten sich nicht schützen. Ihnen wurde es einfach zu heiss und zu trocken, sie gingen kaputt. Wie viele Nussbäume gefällt werden müssen, ist noch unklar. Das rund 30-jährige Exemplar bei der Reinacher Hochhauskreuzung wurde bereits geschlagen.

Zurück im Wald. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Unweit vom «Ischlag», just ennet der Gemeindegrenze auf Beinwiler Grund und Boden, zeigt sich ein komplett anderes Bild: Im «Breitholz» steht auf einer ehemaligen «Lothar»-Sturmfläche eine schüttere Baumgruppe. «Das ist das Werk des Buchdruckers», sagt Wanderon mit Blick auf eine dürre Fichte, deren Stamm schon fast rindenlos ist und charakteristische Spuren dieser Borkenkäferart aufweist. Es sei nicht der Wassermangel allein, der den Bäumen zusetze. Hitze und Trockenheit begünstigten auch Käferbefall und Krankheiten.

Mehraufwand bei Winterernte

Dass die kranken und geschwächten Bäume bereits jetzt im Herbst auffallen, hat gemäss Wanderon einen Vorteil: «So können wir sie gleich in die Planung der Winterernte mit einbeziehen.» Der Nachteil: Dieses Vorgehen ist mit Mehraufwand und Mindereinnahmen verbunden. Einzelbäume zu fällen sei massiv teurer als flächig zu arbeiten, die Kronen der kranken Bäume müssten verbrannt werden, was einen zusätzlichen Aufwand bedeute. Ausserdem sei der Stamm der Käferbäume rund 30 Prozent weniger Wert.

Klagen will Ueli Wanderon nicht. Er macht aber kein Geheimnis daraus, dass dieses Jahr im ohnehin schon kaum mehr wirtschaftlichen Wald mit massiven finanziellen Einbussen gerechnet werden muss. Er geht von mindestens 50 Prozent aus – nicht nur aufgrund der Trockenheit, auch wegen der in der Aufhebung des Euro-Mindestkurses begründeten Absatzschwierigkeiten auf dem Holzmarkt. «Bei rund 4000 Kubikmetern Stammholz in unserem Revier entspricht das zusammengenommen einem schmerzhaften Fehlbetrag von 200 000 Franken.»

Wie der Wald im kommenden Frühling aussehen wird, ist für Wanderon derzeit nicht abzusehen. Entscheidend sei die Witterung in den nächsten Monaten. Denn was der Wald jetzt dringend brauche, sei ein «feuchter Winter mit einer ausgeglichenen Wasserversorgung, damit sich die Speicher im Boden wieder auffüllen».