Hans Schaub, Autor von «Schuldig geboren», lässt seiner Famliensaga eine zweite, tragische Geschichte folgen. In seinem neuen Roman «Das blonde Zigeunermädchen» erzählt er den schicksalshaften Lebensweg einer 18-jährigen Gymnasiastin aus Husum in Norddeutschland. Erika, so heisst die Protagonistin, verliebt sich an einem Stadtfest in einen Zigeunermusiker und entschliesst sich, völlig überstürzt, mit den Fahrenden weiterzureisen. Sie gerät dabei in eine ihr fremde, völlig andere Kultur, erlebt Liebe, Ablehnung und Sippengesetze.

Der Leser der spannend und eloquent geschriebenen Geschichte spürt rasch, da ist ein Autor am Werk, der recherchiert und vertiefte Kenntnisse der Szene der Roma hat. Wohl handelt es sich um einen Roman, eine fiktive Handlung, aber, so sagt Hans Schaub: «Den Anstoss zur Erzählung gab ein Prozess 2010 in Zürich.» Damals standen Fahrende vor den Schranken des Gerichts, sagt Schaub, und er habe festgestellt, dass in den Medien viele Vorurteile kolportiert wurden. «Die Roma wurden generell schlechtgemacht.» Aufgrund dieser Feststellungen habe sich seine Geschichte entwickelt. «Ich gehe davon aus, dass es keine bösartigen Ethnien gibt, wohl aber bösartige Menschen.»

Kulturkonflikt führt in Abgrund

Der Autor Hans Schaub, 70, zog 2009 nach Menziken, wo er sich vermehrt dem Schreiben widmet. Als ehemaliger Gemeinderat und Sozialvorsteher in einer Zürcher Gemeinde hatte Schaub Kontakt mit Fahrenden in der Schweiz gehabt, meistens habe es sich dabei um Fragen nach Standplätzen gehandelt.

In seinem Roman erzählt Schaub, wie die junge Deutsche in einen Kulturkonflikt gerät. «Du wirst nie dazugehören», sagten ihr viele, dennoch war die Liebe stärker und Erika reiste mit.

Schaub entwickelt in seinem Buch eine äusserst vielschichtige Handlung. Einer Odyssee gleich reist das ungleiche Paar durch Europa. Als Erika schwanger wird, wird ihr Mann von der Grossfamilie mit dem Bann bestraft und für eine Zeit lang ausgeschlossen.

Hans Schaub gelingt es, die Sachzwänge der fremden Kultur äusserst spannend und glaubhaft nachzuzeichnen. Seine Figuren wirken plastisch, als Leser erkennt man deren Charakter und Denken. Unrecht, Selbstjustiz, familiäre Zwänge und Traditionen, aber auch Überheblichkeit einzelner Figuren treiben die Handlung voran. Dass dabei noch ein Kunstraub mit hineinspielt, macht die Geschichte nur noch spannender.

Hans Schaub: Das blonde Zigeunermädchen. Erschienen im WOA-Verlag Zürich, 2014. Erhältlich im Buchhandel.