Nach der Vorstellung im Reinacher Saalbau erzählte Michel Gammenthaler der az Aargauer Zeitung, wie er zum Mix Zauber und Kabarett gefunden hat, wie er seine Figuren die passenden Zaubertricks aufführen lässt.

Michel Gammenthaler, kaum zehn Minuten seit dem letzten Vorhang und Sie stehen bereits im Foyer. So schnell heruntergefahren?

Michel Gammenthaler: Das geht relativ schnell. Umgekehrt auch, ich fahre schnell zur Bühnenpräsenz hinauf. Ich bin kein ritueller Auftreter, für mich ist ein langes Tamtam nicht nötig. Weder vor, noch nach der Vorstellung.

Das heisst, Sie kommen rasch auf die Bühne und rasch zur Sache?

Ich habe mir abgewöhnt, ein Ritual zu haben. Denn hätte ich einmal keine Zeit dafür, würde ich aufgeregt. So kann ich jedoch den Auftritt ganz locker angehen.

Die Saalbau-Bühne ist gross, weit entfernt von den Sitzreihen. Wie haben Sie die Zuschauer hier wahrgenommen?

Als sehr präsent. Das Publikum war aufmerksam, liess sich mitnehmen. Klar, es ist in einem Kleintheater etwas anderes, wenn der Spieler auf der Bühne und die Zuschauer viel näher beisammen sind. Im grossen Saal ist es etwas weniger unmittelbar. Ich schätze es in verschiedenen Auftrittsumgebungen zu spielen.

Sie holen sich den Kontakt zum Publikum ja auch gleich mit dem ersten Auftritt.

Natürlich, das gehört zum Konzept des Programms, die Zuschauer werden von mir in die Geschichte miteinbezogen.

Wie kamen Sie zu diesem Mix: Wort-Theater, darin integriert Zaubertricks, und dies dem Publikum als zusammenhängende Geschichte erzählen?

Das ist über die Jahre hinweg sehr organisch gewachsen, es ist relativ Berechnung darin. Es sind eher Lust am Spiel, ausprobieren und wieder verwerfen. Durch dieses Hin und Her ergab sich dieses Zusammenspiel. Auf diese Weise arbeite ich sehr gern. Als Solist kann ich rasch reagieren, etwas kippen, dafür etwas Neues ausprobieren, das geht schnell.

Sie spielen, karikieren verschiedene Personen, verwenden angepasste Soziolekte, wechseln Akzent und Mundart. Der Zuschauer spürt sofort Ihre Spielfreude. Was fasziniert Sie an dieser Art Theater?

Mich fasziniert zu sehen, dass jeder Mensch eine eigene Realität hat. Dies kommt über meine verschiedenen Figuren am besten zum Tragen. Ich überlege mir, welche Realität erlebt diese Figur. Nur so wirken die Figuren echt und nicht aufgesetzt.

Finden Sie ihre Figuren mit gezielten Recherchen?

Eher mit Hinsehen und Hinhören. So entstehen die Figuren dann während der Proben. Deshalb spiele ich die Figuren auch länger, über drei, vier Programme. Nur so werden sie dreidimensional, erhalten ein soziales Umfeld, haben plötzlich Vorlieben.

Burn-out ist das Thema. Hat das autobiografische Züge?

Auch ich selber spürte, dass wir heute oft zu schnell unterwegs sind. Mich beeindruckt zu sehen, wie viele Menschen, und zwar querbeet, Überforderungssymptome zeigen.

Das betrifft auch Sie selber?

Ich habe es selber im richtigen Moment noch bemerkt. Leute, die etwas leidenschaftlich ausüben sind besonders gefährdet. Ihnen sagt niemand, jetzt ist fünf Uhr, geh nach Hause.

Wie entsteht Ihr Programm?

Ich muss jeweils drei Dinge suchen. Da ist der Text, dann der Trick und je nachdem die passende Figur. Da frage ich mich: ‹Wer macht das?› Das ist spannend. Erst jetzt kommt die Regie dazu und am Schluss die Zuschauer, mit ihren Reaktionen.