Reinach
Ein Wasserstrahl frisst sich durch Stahl

Der Reinacher Jungunternehmer Thomas Huber durchschneidet praktisch jedes Material – mit Wasser. «Das Verfahren ist wirtschaftlich und erzielt saubere Schnittkanten», sagt Huber.

Peter Siegrist
Merken
Drucken
Teilen
Thomas Huber hält die Maschine an und nimmt die herausgeschnittene Form aus Hartschaumstoff heraus. Peter Siegrist

Thomas Huber hält die Maschine an und nimmt die herausgeschnittene Form aus Hartschaumstoff heraus. Peter Siegrist

Ein Fingerdruck, und die von Thomas Huber programmierte CNC-Maschine schneidet eine komplizierte Form mit Rechtecken und kreisrunden Löchern aus dem Hartschaumstoff auf der Arbeitsfläche. Das Besondere an Hubers Verfahren ist, dass er zum Schneiden weder Trennscheiben, Laserstrahlen noch Funkerosion braucht, sondern einen «einfachen» Wasserstrahl.

Dieser Strahl schiesst aus einer Düse mit einem Durchmesser von 0,15 Millimetern. Damit der Strahl das Material durchschneidet, trifft er mit einem Druck 2000 bis 4000 bar auf das Werkstück. Zum Vergleich, Autofahrer pumpen ihre Reifen mit etwa 2,5 bar auf.

«Die Materialliste ist lang», sagt Huber, «fast alles kann ich durchtrennen.» Er zählt auf: «Schaumstoff, Kunststoffe, Holz, Silikon, Textilien.» Bei härteren Materialien wie Aluminium, Stahl, Glas, Stein und Keramikfliesen schneidet Huber «abrasiv», was bedeutet, dass er dem Wasserstrahl ganz feinen Sand beimischt und den Druck auf 3500 bis 4200 bar erhöht. Bis zu einer Stärke von 35 Millimetern sei das Durchtrennen von Alu, Stahl, Betonelementen, Granit noch wirtschaftlich, sagt Huber.

Vorteile des kalten Verfahrens

Gegenüber der Lasertechnik hat das Wasserstrahlschneiden den Vorteil, dass das Verfahren kalt ist. «Somit entstehen in wärmeempfindlichen Materialien keine unerwünschten Spannungen», sagt Huber.

Das Wasserstrahl-Schneideverfahren ist eine flexible Technik. Es kommt in fast allen Bereichen der Industrie zur Anwendung: Flugzeugbau, Wohn- und Industriebau, Maschinenbau, Glasindustrie, Textil- und Verpackungsindustrie.

«Das Verfahren ist wirtschaftlich und erzielt saubere Schnittkanten», sagt Huber. Die meisten seiner Kunden sind Industriekunden, die zum Beispiel Dichtungen oder Teile für spezielle Verpackungen zuschneiden lassen. «Es gibt aber auch ausgefallene Arbeiten», erklärt Huber, «wenn etwa ein Künstler ein Kunstwerk zuschneiden lässt.» Ab und zu kommen auch Privatpersonen zu Huber und lassen für den Hausgebrauch ein besonderes Teil zuschneiden.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Der 33-jährige Unternehmer hat nach der Schulzeit Mechaniker gelernt, den Beruf ausgeübt und sich anschliessend an einer Höheren Fachschule zum Maschinenbautechniker weitergebildet. Nachdem er als Konstrukteur weitere Erfahrungen gesammelt hatte, gründete Thomas Huber 2006/2007 seine eigene Firma, die HSR GmbH.

Er verfügt über eine eigene computergesteuerte Maschine, mit der er die verschiedenen Aufträge ausführen kann. Die Firmengründung war mit einer grossen Investition verbunden, eine neue Schneidemaschine samt Steuerung und Pumpenanlage kostet gegen eine halbe Million Franken. Huber wird im Betrieb tatkräftig von seinem Vater Peter unterstützt, der auch Teilhaber an der jungen Firma ist.