Als die beiden Initiantinnen mit ihrem Sozialprojekt «Lebensgemeinschaft Linde» vor fünfeinhalb Jahren in Reinach starteten, war überhaupt nicht klar, ob sich das Konzept bewährt. Doch Gisela Kammermann und Christina Bärtschi setzten eine gemeinsame Vision erfolgreich in die Tat um.

Seit Beginn bieten sie für Erwachsene, Jugendliche und Kinder vier Wohnplätze an. «Wir haben Gäste, die verbringen ein Wochenende bei uns», sagt Bärtschi, «andere bleiben für eine Ferienwoche oder gar ein Time-out.» Die «Linde» beherberge junge und ältere Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung, erklärt Kammermann.

Angehörige, die jemanden zu Hause rund um die Uhr betreuen, haben die Möglichkeit, sich für ein paar Tage zu entlasten. Dies ohne schlechtes Gewissen, weil ihre Lieben gut aufgehoben sind.

Zum Konzept der «Linde» gehört, dass die Gäste die Möglichkeit haben, in Haushalt und Garten mitzuhelfen, aktiv zu sein. Zur Wohngemeinschaft gehören auch zwei Minipig, 20 Hühner, ein paar Meerschweinchen, Katzen und ein Hund. «Viele der Gäste packen gern im Garten an, oder sie kümmern sich um die Tiere», sagt Bärtschi. Andere wiederum schätzen mehr Geselligkeit oder Ruhe.

Die zwei Frauen teilen in ihrem gemieteten Haus fast alles mit den Gästen. Für Privates bleibt ihnen wenig Platz. Doch das gemeinsame Leben und Erleben ist Konzept. «Natürlich ist der Wunsch nach mehr Privatsphäre schon da», sagt Kammermann, «aber die Platzverhältnisse lassen heute keine Möglichkeiten offen.»

Die «Linde» ist gut ausgelastet

Mittlerweile sind die vier Plätze übers Jahr verteilt gut ausgelastet. Die Linde erhält Anfragen von Privatpersonen und von Institutionen, die Ferienplätze für ihre Klienten suchen. Auch mit den Sozialdiensten steht das Haus in Kontakt. Oft haben Leute auch mehrere Wochen in der «Linde» verbracht, dies im Sinn eines Time-outs.

Das Projekt finanziert sich über Tagespauschalen (200 Franken pauschal) und Spenden. Öffentliche Beiträge erhält das Projekt keine, es steht nicht auf einer offiziellen Liste. «Mit diesen Einnahmen können wir den Betrieb unseren Lebensunterhalt bestreiten», erklären die Initiantinnen. Aber für Investitionen bleibe fast nichts übrig. Daher das Spendenkonto. Spenden ermöglichen es mit den Gästen etwas Besonderes zu unternehmen, oder helfen mit, den Unterhalt der Infrastruktur zu tragen.

Bärtschi und Kammermann wollen in nächster Zeit für die «Linde» eine Stiftung zu gründen. Als anerkannte Stiftung hätten einen besseren Auftritt in der Öffentlichkeit und im Verkehr mit Behörden.

Im Zentrum steht weiterhin das persönliche Engagement der beiden Initiantinnen für ihre Gäste, dies spürt der Besucher rasch.

www.lebensgemeinschaft-linde.ch