Schöftland

«Ein Sauchrampf» – Seniorenvereinigung überbrückt den Liebespfad

Zehn Senioren erstellten eine neue Brücke am beliebten Waldweg, oberhalb des Schöftler Hügelimatt. Der Liebespfadwird schon seit Jahrhunderten von Verliebten für einen romantischen Spaziergang gewählt.

Keinen Meter ist der Pfad breit und will man nebeneinander gehen, dann mit Vorsicht, damit man nicht auf dem feuchten Waldboden ausrutscht und den Hang runterfällt. Der ist ziemlich steil und endet erst auf der Schöftler Hügelimatt. Doch sollte dies einst einer jungen Maid mit zartem Schuhwerk passiert sein, so wurde sie sogleich von einem starken Männerarm vom Sturz bewahrt. Denn will man dem Namen des Wegs – Liebespfad – gerecht werden, spaziert man dort in netter Begleitung.

Der Waldweg ob Schöftland wurde schon vor Jahrhunderten von Verliebten für den romantischen Spaziergang gewählt. Weil man auf dem Wegli ganz eng nebeneinander gehen muss? Weil man keine Angst zu haben brauchte, dass der zornige Vater des Fräuleins mit der Holzkeule um die Ecke gerannt kommt? Weil sich dort auch verbotene Paare treffen konnten? Alfred Hochuli und Karl Niessner, die an diesem Herbstnachmittag den Pfad etwas entlauben wollen, wissen es selber nicht so genau. Nur, dass der Weg, der vom Stübisberg bis rüber nach Holziken führt, schon ewig so heisst.

Beide sind sie Mitglieder der Seniorenvereinigung Schöftland und Umgebung, die schon seit Jahren für die Instandhaltung des Waldweges verantwortlich ist. 330 Männer sind es, die einmal pro Woche einen Ausflug machen. Und viermal im Jahr die Pflichtübung, den Liebespfad begehbar halten: entlauben, Treppenstufen ausbessern, Zweige schneiden, die dem Spaziergänger in den Weg kommen. Alfred Hochuli hat deshalb gleich den Laubrechen mit in den Wald genommen und fegt bei den Steigungen von jedem Treppentritt das Laub weg. Irgendwann sei die Gemeinde auf die Seniorenvereinigung zugekommen und habe sie angefragt, ob sie dieses Ämtli übernehmen wollten.

61 Jahre verheiratet

«Schon in einem Dokument aus dem 16. Jahrhundert wird er Liebespfad genannt», sagt Niessner. Ob er mit seiner Auserwählten ebenfalls einst auf dem Pfad wandelte, darüber schweigt sich der 84-Jährige geheimnisvoll aus. «Das ist schon zu lange her», sagt er, der vor 61 Jahren sein Lotti heiratete. «Ein ganzes Leben mit derselben Frau verheiratet, das ist heute selten.» Eine Doppelhochzeit sei es gewesen mit 35 Gästen. «Damals sagte man uns, das sei aber eine stolze Zahl. Und heute, da machen die Leute Hochzeiten mit 100 Gästen und mehr!»

Alfred Hochuli spazierte als Schlossrueder auf anderen Routen als dem Schöftler Liebespfad. Auf jeden Fall muss er sich beim Werben um seine Liebste klug angestellt haben, ist doch der 70-Jährige schon 43 Jahre mit seiner Frau Susanne verheiratet. Seit einem Jahr ist der pensionierte Zimmermann bei der Seniorenvereinigung und schon hat er ein Grossprojekt hinter sich. Die Holzbrücke, über die der Spaziergänger auf halber Strecke schreitet, war nach etwa 20 Jahren morsch und musste ersetzt werden. Die neue Brücke fertigte er mit Seniorenkollege Walter Reinhard in seinem ehemaligen Holzbauunternehmen, das inzwischen der Junior führt. Aus kanadischer Douglas-Tanne, die sei besonders wetterresistent, sagt Hochuli. 4000 Franken kostete die Brücke, das Material zahlt die Ortsbürgergemeinde Schöftland.

«Ein Sauchrampf»

Danach gings ans Aufbauen. «Wir waren 10 Senioren, die meisten ehemalige Handwerker. Bei mehr Leuten würde man einander im Weg stehen», sagt Hochuli. Die alte Brücke wurde zersägt, die Teilstücke liess man das Bord runter auf den unteren Weg rutschen, um es abzutranportieren. Das Holz schleppten die rüstigen Rentner Stück für Stück den Liebespfad hinauf . «Jede Latte, jeden Balken, jede Bohrmaschine mussten wir vom Weg unten hier hinauf tragen. Bis das alles hier oben war, das war ein Sauchrampf!» Und trotzdem war der neue Liebessteg im Eiltempo erstellt: «Um halb neun fingen wir an und um ein Uhr nachmittags stand die Brücke schon», so Hochuli.

Die Unter den Latten ist eine Chromstal-Abdeckung angebracht, damit sie nicht so schnell vom Wasser angegriffen wird, wie die alte Brücke. Auch fällt Karl Niesser auf, dass die Freunde die Kanten des Geländers rundgeschliffen haben. «Auch das Geländer selbst haben wir samtig fein geschliffen», sagt Hochuli. «Fein, wie einst die Haut unserer Liebsten.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1