Uerkheim
Ein Quereinsteiger wagt sich in die Höhe

Warum Gemeindeammann Markus Gabriel beim Trekking in Nepal, im Gebiet der höchsten Berge der Welt, manchmal ein schlechtes Gewissen hatte und warum er sich nach Mallorca wünschte.

Christine Fürst
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Markus Gabriel (rechts) mit Jürg Biedermann, die linke schneebedeckte Spitze ist jene des Mount Everest.

Markus Gabriel (rechts) mit Jürg Biedermann, die linke schneebedeckte Spitze ist jene des Mount Everest.

zvg

Ein lang gehegter Reisetraum sei es nicht gewesen. Viel mehr eine spontane Entscheidung. Markus Gabriel, Gemeindeammann von Uerkheim, bekam vor rund einem Jahr von seinem Kollegen Jürg Biedermann eine E-Mail mit der Frage, ob er ein Trekking im Gebiet des Mount Everest machen wolle. «Zuerst habe ich es meiner Frau erzählt und dann habe ich spontan zugesagt», sagt Gabriel. In zehn Minuten hat er entschieden, was ihn ein Jahr lang begleiten wird: eine gute Vorbereitung auf ein anspruchsvolles Trekking im Gebiet der höchsten Berge der Welt.

Training für den Quereinsteiger

Zusammen mit Jürg Biedermann aus Schöftland begann er im März dieses Jahres mit dem Training. Die zwei Freunde kennen sich schon lange, sie drückten gemeinsam die Schulbank und stifteten zusammen. Am Wochenende waren sie jeweils um sieben Uhr morgens parat, machten sich auf in die Jurahöhen und legten Kilometer und Kilometer zurück. Doch dann brach sich Biedermann den Fuss, konnte lange nicht mehr trainieren. Erst nach den Sommerferien konnten die beiden ihre Touren wieder aufnehmen.

Ein dreiwöchiges Trekking in einer solch extremen Höhe war neu für den Ammann. «Ich war ein totaler Quereinsteiger und kannte das Wandern nur aus den Schweizer Bergen.» Vor dem Start der Reise Ende September sei er ein wenig nervös gewesen. «Doch ich wusste, ich bin gut vorbereitet und wir haben einen guten Reiseleiter. Aber das Risiko ist natürlich immer dabei.» Damit spricht er auch den Schneesturm an, der in der letzten Woche im Gebiet des Mount Everest vielen Menschen das Leben kostete.

Am 20. September landeten Gabriel und Biedermann in Lukla (Nepal). «Das gefährlichste an der ganzen Reise war der Flugplatz in Lukla», sagt Gabriel. Tatsächlich ist der Flugplatz bekannt als einer der gefährlichsten der Welt. Gründe dafür sind die kurze Landebahn, die zudem bergauf geht, auf der einen Seite von einer Schlucht und auf der anderen Seite von einer Felswand begrenz wird. Gabriel selbst hatte keine Mühe mit dem prekären Landeanflug, denn er fliegt gerne.

Der Pilot konnte die Propellermaschine problemlos landen und für die elfköpfige Gruppe begann das grosse Abenteuer. Akklimatisation wurde gross geschrieben: «Man muss sich Zeit lassen, wenn man in dieser Höhe trekken will und man soll sich langsam aufarbeiten», sagt der Uerkner. Pro Tag war die Gruppe vier bis acht Stunden unterwegs. Am Abend schliefen sie in Teehäusern oder in Lodges. Alles natürlich ohne Heizung und ohne isolierte Fenster. «Einmal habe ich mich für einen kurzen Moment nach Mallorca gewünscht. Meine Frau und die Kinder waren dort und ich sah an der Innenseite der Fenster Eisblumen», sagt er. Nur zweimal konnte er mit seiner Familie Kontakt aufnehmen. «Wenn ihr nichts hört, dann ist alles gut», habe er seiner Familie gesagt.

Sechs Sherpas dabei

«Die wahren Helden waren für mich die Sherpas», sagte Gabriel. Sechs Träger begleiteten die Trekking-Gruppe, dazu war ein Koch mit dabei und einer, der fürs Wasserkochen zuständig war. Manchmal habe ihn das schlechte Gewissen geplagt. «Einerseits hatte ich Bedauern mit den Sherpas, weil sie unser Gepäck tragen mussten. Andererseits ist dieser Job für sie eine wichtige Einnahmequelle.»

Auf der Tour kam immer wieder der Mount Everest zum Vorschein. Meist sei jedoch nur seine schneebedeckte Spitze zu sehen gewesen. Viel öfter zu sehen bekam die Gruppe den Lhotse, den vierthöchsten Berg der Welt. «Die Grösse dieser Berge ist sehr eindrücklich. Da sind jene in der Schweiz geradezu klein.» Markus Gabriel erreichte zusammen mit Jürg Biedermann am Tag 16 den Chukhung-Ri auf 5550 Metern. Für Gabriel der Höhepunkt der Reise. Körperlich sei er während der ganzen drei Wochen nie an seine Grenzen gekommen, sieben Kilo habe er aber abgenommen.

Schon bald danach ging es wieder an den Rückweg. «Ich habe mich gefreut, wieder nach Hause zu kommen», sagt er. Als erstes habe er den Schwedenofen angezündet und die Wärme genossen. Auch auf die Toilette und eine richtige Dusche hat er sich gefreut. «In diesen drei Wochen habe ich auf vieles verzichtet, an das ich mich gewöhnt habe», sagt er. «Man lernt wieder, an den kleinen Dinge Freude zu haben.» Er habe auch gemerkt, dass es für ein paar Wochen im Job und auch im Gemeinderat ohne ihn gehe.

Und er hat bereits wieder Trekking-Pläne im Kopf. Vielleicht einmal rund um den Annapurna oder Südamerika. Die vergangene Reise sei für ihn ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk gewesen, im nächsten Jahr wird Gabriel 50 Jahre alt. Doch dabei will er es nicht belassen, er denkt nämlich darüber nach, an seinem Geburtstag das Matterhorn zu erklimmen.