Kölliken
Ein Neubau der Kirche ist kein Thema

Die römisch-katholische Werktagskirche muss saniert werden. Jetzt liegt ein Projekt vor. Der Baukredit für die Sanierung der Kirche beläuft sich auf 2,1 Millionen Franken.

Beat Kirchhofer
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Am 3. Juli wird der Baustart mit einem Gottesdienst eingeläutet.

Am 3. Juli wird der Baustart mit einem Gottesdienst eingeläutet.

bkr

Seit 1941 werden in Kölliken katholische Gottesdienste gefeiert. Im Jahr 1957 konnte die Kirchgemeinde einen Bauplatz erwerben. Geplant waren eine Kirche und ein Pfarrhaus. Doch so weit kam es nicht. Es wurde nur die Kirche gebaut, wie Werner Ryter, als Kirchenpfleger Leiter Bau und Infrastruktur des Pastoralkreises Aarau, erzählt.

Entstanden ist eine kleine Saalkirche mit rechteckigem Grundriss, deren Fassade zur Strasse hin aus Sichtbeton besteht. Konzipiert hat sie 1963 das namhafte Aarauer Architekturbüro Geiser & Schmidlin. Inzwischen ist der Bau in die Jahre gekommen. Sanieren, abbrechen, Neubau? «Wir wollten kein zweites ‹Turgi›», sagt Ryter. Er spricht damit einen baurechtlich beantragten Abbruch einer reformierten Kirche in der Ostaargauer Gemeinde an, welche Kirchgenossen und Bevölkerung in zwei Lager gespalten hat. Ein Kirchenabriss verbunden mit einem Neubau hätte das Gemeinwesen auch in Kölliken bis ins Mark getroffen, ist Ryter und mit ihm die Kirchenpflege überzeugt. «Kirchen sind nicht nur raumstrukturierende, sondern auch identitätsstiftende Gebäude.»

«Wir haben eine breite Grundsatzdiskussion geführt und sind zum Schluss gekommen, diese Kirche muss erhalten bleiben.» Ein Gotteshaus sei nicht ein x-beliebiger Raum, man muss in ihm das Sakrale spüren. «Eine rein ökonomische Betrachtung beim Umgang mit Kirchengebäuden würde zu kurz greifen», stellt Kirchenpfleger Werner Ryter fest.

Ausstattung aus den 60er-Jahren

Hinzu kommt, dass die Kirche im schlichten Stil der 60er-Jahre gehalten und die Ausstattung grösstenteils noch original ist. «Sie gilt als gut gelungenes Beispiel einer Diasporakirche aus ihrer Zeit, was auch die kantonale Denkmalpflege so sieht, sagt Ryter. Leider ist sie in ihrer Raumnutzung – was zur dringenden baulichen Sanierung hinzukommt – nicht mehr zeitgemäss.

Die Kreiskirchgemeindeversammlung befürwortete im November 2014 einen Projektierungskredit für die Erneuerung und Umgestaltung der Kirche «Mutter Gottes» von 80 000 Franken. Das nun vorliegende Projekt, unter Beizug des Architekturbüros Buser & Partner aus Aarau ausgearbeitet, belässt die formal-ästhetische Schlichtheit und Nüchternheit des Baus.

Auf der anderen Seite gelte «umbauter und nicht ausgelasteter Raum heute als unwirtschaftlich und setzt sich dem zweifelhaften Ruf des Verzichtbaren aus». Der bisher relativ starre Umgang mit den Kirchen habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt. So soll die Kirche Mutter Gottes in Zukunft verschiedenen Bedürfnissen dienen. Vom Gottesdienst über den Raum für interkulturelle, interreligiöse Begegnungen, meditative Angebote oder kulturelle Angebote bis zum Begegnungsraum für Gruppen (Frauenbund Kölliken, Senioren Kölliken) oder zu einem Chilezmorge. «Es gilt die Diskrepanz zwischen Kirchenwert und religiöser Praxis zu überwinden», sagt Ryter.

Diesem Ansatz folgend, soll der Kirchenraum (den Chor ausgeklammert) um einen Drittel verkleinert werden. So entstehen im Eingangsbereich ein Foyer mit Garderobe, ein behindertengerechtes WC und eine Küche. Im Kirchenraum sind anstelle der Bänke Stühle vorgesehen. Dadurch kann der Raum für feierliche Zwecke wie auch für andere Begegnungen (mit Tischen) genutzt werden. Eine Treppe verbindet neu das Erd- mit dem Untergeschoss. Im Letzteren sind wie bisher Unterrichtsräume angeordnet, die sich unterteilen lassen. Die dortigen WC-Anlagen werden erneuert. Anstelle der bisherigen Küche ist ein einfacher Aufenthaltsraum vorgesehen. Ebenfalls im Untergeschoss sind die Technikräume angeordnet.

Zudem soll die Kirche neu gedämmt werden, die Fenster und Heizung werden ersetzt. Der offene filigrane Glockenturm mit den zwei Glocken wird ebenfalls instand gestellt. Und wenn die Kirchgenossinnen und -genossen ja sagen, gibt es auf der Südseite eine Solaranlage mit einer Fläche von 110 Quadratmetern.