Kölliken
Ein Nein zum Schulhausneubau wäre «eine Katastrophe»

Im Primarschulhaus der Gemeinde Kölliken fehlen Gruppenarbeitsräume und Klassenzimmer. Deshalb müssen viele Schüler auf dem Gang arbeiten. Ein Augenschein.

Lilly-Anne Brugger
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Die Fünftklässler machen Gruppenarbeiten auf dem Gang – unten arbeiten die Viertklässler.

Die Fünftklässler machen Gruppenarbeiten auf dem Gang – unten arbeiten die Viertklässler.

Lilly-Anne Brugger

Im zweiten Stock des Primarschulhauses sitzen einige Schüler der vierten Klasse auf dem Gang. Sie arbeiten selbstständig an ihren Mathe-Arbeitsblättern. Plötzlich trampeln Kinderfüsse die Treppe hinunter. Einige Schüler waren bei der schulischen Heilpädagogin im obersten Stock und kehren nun in ihr Klassenzimmer zurück. Die Viertklässler heben den Kopf und schauen den jüngeren Schülern nach. «Konzentriertes Arbeiten ist hier fast unmöglich», sagt Karin Winistörfer, Primar-Stufenleiterin.

Im oberen Stock installieren sich währenddessen die Fünftklässler. Sie arbeiten zu zweit am Thema Schlaraffenland und überlegen, was dieser Begriff für sie bedeutet. Dabei dürfen die Schüler nur flüstern, denn unten sollen die Viertklässler nicht gestört werden. «Um einen modernen Unterricht garantieren zu können, brauchen wir dringend Gruppenräume, aber auch mehr Schulzimmer», sagt Schulpflegepräsidentin Petra Bitterli. Die Raumsituation sei für Lehrer immer wieder ein Kündigungsgrund: An anderen Schulen gibt es kleinere Klassen, genügend Gruppenarbeitsräume und für die Lehrer Räume, in denen sie ihre Stunden vorbereiten können.

Soziale Integration gefördert

Dank des Schulhausneubaus, über den die Gemeinde Kölliken am 23. September abstimmt, hofft die Schule die dringend nötigen Gruppenräume, Schulzimmer und Vorbereitungszimmer zu bekommen. Weil Hauswirtschaft und Textiles Werken ins neue Schulhaus ziehen würden, könnten im Primarschulhaus zusätzliche Klassenzimmer eingerichtet werden. «So könnten wir alle Primarklassen im gleichen Schulhaus unterrichten, die Schulzimmer im Gemeindehaus würden nicht mehr benötigt», sagt Bitterli.

Dies fördere die soziale Integration der Schüler und erleichtere die Arbeitssituation für die Lehrer. Der Neubau des Schulhauses reicht aber nicht, um die Platznot, die in den Kölliker Schulhäusern nun schon seit Jahren herrscht, vollständig zu beenden. Anbauten am Primar- und Bezirksschulhaus sind in einem weiteren Schritt vorgesehen – so kann auch der Schulsystemwechsel auf sechs Primarschuljahre aufgefangen werden.

Platznot wird zunehmen

Und was passiert, wenn an der Urne der Schulhausneubau abgelehnt wird? «Das wäre eine Katastrophe», sagt Winistörfer. Die Schulraumplanung müsste neu aufgenommen werden, meint Bitterli. Bis ein neues Projekt ausgearbeitet wäre, dauere es sicher eineinhalb Jahre, schätzt sie. «Um trotzdem Unterrichten zu können, wären Provisorien nötig», sagt Schulleiter Urs Franzelli. Er verweist auf die Kindergartenabteilungen.

Treten sie in die Schule ein, werden zwei Klassen pro Jahrgang nicht mehr reichen. Die Platznot wird dann weiter zunehmen. Ist es aber gerechtfertigt, wegen des Schulraumproblems das Fama-Bürogebäude abzureissen? Dies sei eine politische Entscheidung, die nun an der Urne gefällt werde, sagt Franzelli. Für ihn ist aber klar: Die Schule braucht weitere Räume. Und das Fama-Gebäude ist nicht geeignet, um Unterrichtsräume zu machen.