Leutwil

Ein Luxus-Hotel für Katzen: Die «Wampfle» ist jetzt ein Büsi-Paradies

Ex-Bankerin Nicole Frei arbeit quasi nur für die Katz. Sie hat die «Wampfle» in Leutwil in ein Katzenhotel verwandelt.

Regelmässig muss Nicole Frei enttäuschte Töfffahrer wegweisen. Nach einer Fahrt über die Passhöhe zwischen Leutwil und Zetzwil möchten sie sich im Restaurant erfrischen. Innen hängen an den Wänden noch die Schilder von damals, «Jägermeister» oder «Trojka» steht darauf. Doch die Traditionsbeiz Wampfle war einmal. Heute ist das Haus ein Hotel. Für Katzen.

Nicole Frei sieht aus, als ob sie gerade zwei Wochen am Strand in den Ferien gewesen wäre. Leicht gebräunte Haut, helle Haare und entspannte Gesichtszüge. Mit ebenso entspannter Stimme erzählt sie von ihrem Katzenhotel. «Es war für mich schon immer klar, dass ich einmal etwas mit Katzen machen möchte», sagt sie. Sie sei mit Katzen aufgewachsen. «Im Kinderbett lag immer eine Katze.» Im Lauf der Jahre habe sie nicht nur eine Leidenschaft, sondern auch ein Gspüri für die Vierbeiner entwickelt. «Ich spüre, wie es einer Katze geht», sagt sie.

Nicht nur der eigenen, auch fremden Büsi schaut sie direkt in die Seele. Und doch hat es 44 Jahre gedauert, bis sie ihre Liebe zu den Katzen mit dem Job verbinden konnte. Nicole Frei hat eine Lehre bei einer Bank in der Region gemacht und ist danach in der Bankenwelt geblieben. «Es hat mir gefallen», sagt sie. Und sie glaubt auch, dass diese Erfahrung zum Erfolg des Katzenhotels beitragen wird. Im direkten Kundenkontakt habe sie gelernt, mit Menschen umzugehen. Die Katzenflüsterin ist auch Geschäftsfrau. «Im Katzenhotel dreht sich alles um die Tiere. Aber die Menschen müssen sich auch wohlfühlen hier», sagt sie.

Jedes Büsi ist anders

Seit sie 18 Jahre alt ist, kennt sie den ehemaligen Wirt der «Wampfle», Ferdi Willimann. «Als er einen neuen Pächter gesucht hat, habe ich einmal im Scherz gesagt, dass ich schon wüsste, was ich mit dem Restaurant anstellen würde», erzählt sie. Und so ist aus der Beiz das «Deluxe Katzenhotel» geworden. Frei hat viel in den Umbau investiert. Die ehemalige Gaststube ist weiss gestrichen. Der Tresen und ein paar Tische von früher stehen noch im Eingangsbereich.

Zum Brauchen. «Aber auch aus Respekt vor dem Besitzer», sagt Frei. Im hinteren, abgetrennten Bereich befinden sich die Katzensuiten. Die Zimmer sind grosszügig geschnitten und die meisten verfügen über einen Aussenbereich, wo das Büsi – durch ein Netz am Ausbüxen gehindert – frische Luft schnuppern kann. Die Ausstattung ist individuell. «Ich richte die Zimmer nach den Bedürfnissen des Büsis ein», sagt Frei. Als kürzlich ein älteres Tier zu Gast war, hat sie ihm ein kleines Katzensofa gekauft. Die Kratzbäume hat sie selber aus Waldbäumen hergestellt. Ihr ist wichtig, dass alles leicht und gründlich gereinigt werden kann.

Überhaupt ist es im Katzenhotel sehr sauber und es riecht weder nach Beiz noch nach Katze, sondern nach nichts. Nicole Frei hat die fachspezifische, berufsunabhängige Ausbildung für Betreuungspersonal in Tierheimen mit maximal 19 Tieren absolviert, die sie in zehn Zimmern unterbringen kann. Kater Minkky liegt auf halber Höhe auf seinem Kratzbaum. Wenn Frei ins Zimmer tritt, springt er sogleich herunter, streicht ihr um die Beine und fängt an zu schnurren. Im Zimmer nebenan wohnen zwei Katzen. Als sie Nicole Frei durch die Glastür sehen, kommt eine zur Scheibe und reibt den Kopf dort, wo Frei die Hand hinhält. Für Büsi mit einer Vorliebe für Fernsehen gibt es auch ein Zimmer mit TV.

Herz im Katzenkistchen

Nicole Frei ist wichtig, dass sich ihre Gäste wohlfühlen. «Jeden Tag verbringe ich viel Zeit mit jedem einzelnen Tier.» Sie sitzt in den Zimmern auf den Boden; streichelt, spricht und spielt. Vor der Ankunft informiert sie sich über den Charakter der Katze und zeichnet ein Herz in die Katzenstreu. «Wir wollen uns schliesslich auch willkommen fühlen, wenn wir in ein Hotel gehen», sagt sie. Entgegen der Vorstellung, dass die Büsi den Aufenthalt weg vom gewohnten Umfeld traurig machen würde, scheinen viele Katzen den Hotelaufenthalt zu geniessen.

Manchmal bekommt Frei seitenlange Anleitungen, wie eine Katze zu füttern sei, damit sie fresse. Die Katze habe sich dann aber gar nicht daran gehalten. Auswärts ists halt nicht wie zu Hause. Die Katzenferien kosten pro Tag für ein Tier im Einzelzimmer 35 Franken. Die Kunden können für vier Franken am Tag eine App dazu buchen, mit der sie ihre Katze 24 Stunden via Kamera beobachten können. Frei hat schon begeisterte Rückmeldungen von einer Kundin erhalten, die in Australien am Strand lag und ihrem Büsi im Hotel zuschauen konnte. Auch für Frei ist die Überwachung praktisch: «Wenn ich gerade mal nicht im Hotel bin, kann ich schauen, ob alles in Ordnung ist.»

Am Samstag und Sonntag ist offizielle Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür. Doch schon jetzt sei das Geschäft gut angelaufen. Die vierbeinigen Hotelgäste kommen aus weiten Teilen der Schweiz, aber auch aus der Region. Grundsätzlich gebe es genug Katzenhotels, sagt Frei. «Doch hier scheint es den Leuten zu gefallen. Die Lage, das Haus und die Betreuung stimmen.»

Sie selber wohnt im gleichen Gebäude und geniesst die Nähe zur Natur. «Ich habe den Schritt in die Selbstständigkeit noch keine Sekunde bereut.» Weil sie neben dem Hotel noch etwas Soziales machen wollte, vermittelt sie regelmässig Katzen aus dem Tierheim, die sie übergangsweise bei sich aufnimmt. Diese Tiere bräuchten manchmal sehr viel Geduld. Doch Frei hat genug für alle. Obwohl sie nicht in den Ferien gewesen ist, sondern momentan sieben Tage die Woche arbeitet.

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