Malerei

Ein Lehrer malt die alltägliche Schönheit des Tals

Seit fast 30 Jahren malt Daniel Gerhard Aquarelle, in Acryl pinselt er erst seit 3 Jahren. WUA

Malerei

Seit fast 30 Jahren malt Daniel Gerhard Aquarelle, in Acryl pinselt er erst seit 3 Jahren. WUA

30 Jahre malt er Aquarelle. Nun sollen diese alle zu Gesicht bekommen: Der Primarlehrer und Künstler Daniel Gerhard stellt seine Bilder im Heimat- und Webereimuseum Schmiedrued aus.

Verloren baumeln die Nylonfäden an der kahlen Wand im Atelier von Daniel Gerhard (53). An ihnen hängen sonst die Bilder des Moosleerauer Kunstmalers. Vergangenen Freitag aber hängte er sie ab, packte sie mit anderen seiner detailgetreuen Landschafts- und Tierbilder ins Auto und fuhr damit ins Weberei- und Heimatmuseum Ruedertal nach Schmiedrued (siehe az Aargauer Zeitung vom 7. September).

Morgen eröffnet dort seine Ausstellung «Ein- und Ausblicke» mit Kostproben aus seinem Schaffen. Darunter auch eines, das für den Primarlehrer Gerhard untypisch ist: Ein abstraktes Gemälde in Rot und Blau. «Ich bin gespannt, was die Besucher dazu sagen», meint er. Aber auch seine typischen Landschaftsbilder sind gut vertreten. Viele der Wegkreuzungen und Bäume darauf werden die Betrachter wohl wieder erkennen. Denn Gerhard malt vorwiegend die Welt in seiner nahen Umgebung - dem Suhrental.

Will nicht provozieren

Auf Spaziergängen hat er stets einen Fotoapparat dabei. «Manchmal gehe ich einen Weg hundert Mal. Dann plötzlich sehe ich ein Motiv, das ich malen will», erzählt der Künstler in seinem geräumigen Atelier neben dem Wohnhaus. Sein Ziel ist nicht, originalgetreue Abbildungen der Fotos zu malen. Vielmehr will er das Foto und seinen inneren Eindruck vom Motiv im Gemälde vereinen.

Der Garten zwischen Wohnhaus und Atelier ist gepflegt verwildert. Ein ausgebüxter Hase hoppelt zwischen den teilweise bereits verblühenden Rosen, gejagt von Minny der Katze. Eine Welt, wie auf Gerhards Bildern: Unschuldig und schön. «Meine Arbeit gefällt den Leuten.» Er sei keiner der mit wüsten Bildern provoziere, um auf das Elend der Welt aufmerksam zu machen. Das überlasse er der Tagesschau. «Es gibt so viel Schönes, man muss es nur sehen», sagt der Kunstmaler. Dass er die Schönheit im Alltäglichen immer wieder findet, davon zeugen seine Bilder: Zwei Enten an einem Februartag auf dem Hallwilersee, ein schmuckes Fenster mit Geranien oder die Margeriten am Wegrand.

Wasser wäschst weg

Im Juni hat Gerhard sich den Traum vom eigenen Atelier erfüllt. Dort sitzt er nun abends und am Wochenende am grossen, ordentlichen Arbeitstisch und malt. Zwischen einer und drei Stunden arbeitet er an einem Aquarell. «Dann ist es entweder fertig oder «abverheit», meint Gerhard und lacht. Misslungene Bilder schmeisst er nicht weg. Sie stapeln sich in grossen Mappen in seinem Atelier. An einem Gemälde in Acryl pinselt er teilweise mehrere Tage.

Hunde und Katzen hat der Lehrer auch schon auf Auftrag gemalt: «Dass ein Hund auf dem Bild genau der Fido ist, das ist ein Herausforderung», erklärt Gerhard. Vom Verkauf seiner Bilder kann er sich Farbe, Pinsel, Papier und Leinwände finanzieren. Darüber ist er glücklich. Es wäre schade, würde ich malen und müsste die Bilder meterhoch stapeln, weil sich kein Mensch dafür interessiert», sagt er.

Nach Schmiedrued reisen

Seit 30 Jahren malt Gerhard. Noch länger unterrichtet er. Er ist Primarlehrer in Kirchleerau. Vorrang habe immer seine Tätigkeit als Lehrer, hält er fest. Verbinden kann er Berufung und Leidenschaft im Zeichenunterricht mit seinen Schülern. Zurzeit üben sich die Kinder gerade an Sonnenblumen. Wie ihr Lehrer die Sonnenblumen selber malt, werden die 4. Klässler kommenden Montag zu sehen bekommen. Dann reist Gerhard mit seiner Klasse nach Schmiedrued an die Ausstellung im Heimat- und Webereimuseum Ruedertal. Nur zum Vergnügen sind die Schüler aber nicht dort. Lehrer und Kunstmaler Gerhard hat die Arbeitsblätter schon vorbereitet.
Ausstellung: «Aus- und Einblicke» in Aquarell und Acryl im Weberei- und Heimatmuseum Ruedertal in Schmiedrued. Freitag, 9. bis Sonntag, 25. September. Vernissage: 9. September um 19.30 Uhr.

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