Hunde ohne Zugang zu Wasser, mangelhafte Hundeerziehung und Tierkot auf dem Küchenboden: Eine Halterin von zwei Hunden, zwei Katzen und Farbmäusen stand diese Woche wegen Verstössen gegen Tierschutzbestimmungen vor dem Bezirksgericht Kulm.

Der 26-jährigen Menzikerin wurden Tierquälerei und Missachtung der Vorschriften über die Tierhaltung zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hatte sie im Juli 2016 wegen mehrfacher Begehung beider Taten via Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe à 80 Tagessätzen und einer Busse von 1600 Franken verurteilt.

Zusammen mit Gebühren und Auslagen wurden der Alleinerziehenden, die teilweise von der Sozialhilfe lebt, 2849 Franken auferlegt. Die Frau hatte Einsprache erhoben und erschien mit ihrem Anwalt vor Gericht in Unterkulm.

Die Anschuldigungen gingen auf den Augenschein des kantonalen Veterinäramts und der folgenden Einvernahme durch die Kantonspolizei zurück. Das Veterinäramt fand auf einer Kontrollvisite im Januar 2016 den Wassernapf ausgetrocknet und notierte, dass das Ehepaar den beiden Hunden kein Wasser zur Verfügung gestellt hatte. Ausserdem sah es auf dem Küchenboden Kotrückstände und auf dem Wohnzimmerteppich Urinflecken, wovon ein «deutlicher Kot- und Harngeruch» herrührte.

Das Veterinäramt hätte beide Situationen falsch eingeschätzt, sagte die junge Frau, die inzwischen von ihrem Mann getrennt lebt. Sie habe zwar, weil die Leute vom Amt am Morgen kamen, noch kein Wasser nachfüllen können. Im Bad sei aber ein zweiter, voller Napf gestanden. Sie habe keine Gelegenheit bekommen, sich dazu zu äussern. Die Kotrückstände stammen gemäss der Beklagten vom Durchfall eines Hundes von der vorigen Nacht, wovon sie zum Kontrollzeitpunkt das meiste aufgewischt hatte. Die als Urinflecken bezeichneten Flecken seien beim Einschäumen des Teppichs entstanden.

Rassenuntypisches Verhalten

Das Verhalten des einen Hundes beschrieben die Kontrolleure als «ängstlich» und «rasseuntypisch», da der Border Collie unter anderem Fluchtverhalten zeigte. Der Frau wurde diesbezüglich im Strafbefehl vorgeworfen, dass sie bei der Aufzucht der Sozialisierung des jungen Hundes zu wenig Beachtung geschenkt hatte. Ihr Hund sei vom harschen Auftreten des Veterinäramts, das zuvor ziemlich laut an die Tür gehämmert habe, erschrocken, sagte die Angeklagte.

Nicht bekannt ist, wer das Ehepaar damals beim Veterinäramt gemeldet hatte. Das Veterinäramt macht zum Schutz dieser Personen darüber generell keine Angaben. Ein mögliches Szenario ist, dass einem Nachbarn die Ansammlung an Tieren missfiel und er deshalb den Anruf machte.

Ein weiterer Verstoss kam aufgrund der polizeilichen Befragung in den Strafbefehl. Die Hundehalterin, die für eine Sicherheitsfirma arbeitet, gab dort an, den Hund für Begleiteinsätze ausgebildet zu haben. Ihr wurde deshalb zur Last gelegt, dass sie den Hund bei einem nicht lizenzierten Trainer ausbilden liess.

Es habe sich um eine Ausbildung zum Diensthund und nicht um eine lizenzpflichtige Schutzhund-Ausbildung gehandelt, sagte die Beklagte. Sie habe wegen der Einschüchterung durch den Polizisten die Begriffe verwechselt.

Diese Einschüchterung und zu schnellen Schlüsse vonseiten des Veterinäramts und der Polizei gegenüber seiner nicht vorbestraften Mandantin rügte auch der Anwalt und forderte vollumfänglichen Freispruch.

Rechtlich nicht ausreichend

Auch für Gerichtspräsident Christian Märki waren die Vorgehen von Staatsanwaltschaft, Veterinäramt und Polizei, die die Strafanzeige eingereicht hatte, fehlerhaft. Die ganze Untersuchung sei so geführt worden, dass für den Strafbefehl kein rechtlich genügender Nachweis erbracht worden sei. Auf das fehlende Wasser sei aufgrund eines Fotos des leeren Napfs und ohne Befragung der Tierhalterin geschlossen worden. Auch ein rasseuntypisches Verhalten könne nicht innert weniger Minuten festgestellt werden.

Der Richter musste alsdann dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» folgen und gemäss den Ausführungen der Beklagten zu ihren Gunsten urteilen. Weil alle Erklärungen für den Richter nachvollziehbar waren, sprach er sie von allen Anschuldigungen frei. Zahlen muss die Verfahrenskosten, bestehend aus 800 Franken Gerichtsgebühr und noch festzulegenden Anwaltskosten, nun der Steuerzahler.