Schöftland
Ein Künstler stellt mit seinem Werk den Wald auf dem Kopf

Eine Woche lebte Martin Gut in der freien Natur – nun hat er seine Kunst präsentiert. Sein Kunstwerk besteht aus gesammelten Fallholz.

Markus Christen
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Das Kunstwerk, das Martin Gut während der letzten Woche errichtet hat, besteht aus «umgekehrten Bäumen».

Das Kunstwerk, das Martin Gut während der letzten Woche errichtet hat, besteht aus «umgekehrten Bäumen».

Martin Gut hat das Projekt «Überleben» überlebt. Seit letztem Montag hauste der Luzerner Künstler auf einem Weidenfleck in Schöftland und stellte ein Kunstwerk her. Gespendete Kleidung, Nahrung und Utensilien halfen ihm, auch die kalten Nächte zu überstehen.

Martin Gut auf Noseland.

Martin Gut auf Noseland.

Am Sonntag nun fand auf Noseland, der kulturellen Mikronation von Bruno Schlatter, die Vernissage für Guts Kunst statt. Aus gesammeltem Fallholz hat der Künstler Bäume entworfen, die auf dem Kopf stehen.

Für Veranstalter Bruno Schlatter repräsentiert Martin Guts Arbeit den Übergang des Überlebenden zum Kulturschaffenden. «Kunst wird erst möglich, wenn grundlegende Sicherheiten gewährleistet sind. Erst die Tatsache, dass Martin Gut schon im Vorfeld der Kunstaktion viele Spenden entgegennehmen durfte, hat es ihm erlaubt, sich seiner Kunst zu widmen», führte Schlatter in einer Ansprache aus und ins Kunstwerk ein.

Zur Vernissage erschienen viele Freunde und Bekannte Guts. Extra aus Cham im Kanton Zug ist Olga angereist. Sie hat von der Kunstaktion in der Zeitung gelesen und die Neugier führte sie nach Schöftland.

«Ich habe mich schon beim Lesen des Zeitungsartikels gefragt, was die Beweggründe für den Künstler sind, eine solche Aktion durchzuführen», sagte sie. «Das Kunstwerk, das jetzt vorgestellt wurde, halte ich für sehr interessant. Es macht meiner Meinung nach auf den Umgang des Menschen mit der Natur aufmerksam und thematisiert die menschliche Hilfsbereitschaft.

Martin Gut selber kann sein Kunstwerk noch nicht einordnen. Es sei intuitiv entstanden, indem er auf verschiedene Situationen während der Woche reagiert habe. «So entwickelte sich mit der Zeit eine Richtung, die vor allem unbewusst vorgegeben wurde.»

Die Freundin ist stolz

Die Zeit in der Natur hat der Künstler auch genutzt, um seine Gedanken einmal am Tag in seinem Blog festgehalten hat. «Hier geht so oder so alles viel langsamer. Der Kaffee will nie kochen, ich finde das Messer nicht, der Becher ergiesst sich über die krumme Wiese, dann will der Kaffee wieder nicht kochen und Scheissen ist scheisse.»

Gefreut hat sich Gut über die Besucher, die seine Werkstätte aufgesucht haben. «An jedem Tag sind Leute aus dem Dorf gekommen, haben sich mit mir unterhalten und mir Kaffee oder Schokolade vorbeigebracht.»

An der Vernissage anwesend war auch Martin Guts Freundin Stefanie Fässler. Und gerne will man wissen, wie man als Partnerin reagiert, wenn der Partner seinen Plan vorstellt, während einer Woche das schützende Dach über dem Kopf einzutauschen gegen bitterkalte Temperaturen und eine gehörige Portion Einsamkeit. «Ich bin mir verrückte Aktionen von Martin gewöhnt», sagte Fässler, «allerdings war dieses Projekt schon aussergewöhnlich.» Auch etwas stolz sei sie, dass Martin Gut das Projekt durchgezogen und die Presse mit Aufmerksamkeit reagiert habe.

Wer die umgekehrten Bäume von Martin Gut noch mit eigenen Augen erkunden will, kann das in dieser Woche tun. Bereits am nächsten Sonntag findet die Finissage statt, bei der das Kunstwerk angezündet und verbrannt wird.

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