Schöftland
Ein König erklärt sein kleines Reich

Bereits zum dritten Mal zeigte Bruno Schlatter Erstaunliches in «Noseland». Das Königreich ist ein kunstpolitisches Werk des Künstlers. Es hat eine eigene Verfassung und rund 240 Minister.

Aline Wüst
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Das Königreich mit der 1. Internationalen Schaltkastenausstellung. WUA

Das Königreich mit der 1. Internationalen Schaltkastenausstellung. WUA

Keine Mauern, kein Zollhäuschen – nicht einmal Grenzsteine. Und doch ist es ein eigenes Königreich: Noseland – 30 mal 70 Meter –, und das mitten in Schöftland.

Das Königreich ist ein kunstpolitisches Werk des Aarauers Bruno Schlatter. Ausgerufen hat er den Staat Noseland als König Bruno der Erste und Letzte. Durch Erbschaft kam das Stück Land in Schlatters Besitz. Vor drei Jahren gründete er dort Noseland – ein Königreich mit eigener Verfassung und rund 240 Ministern.

Auf den ersten Blick ist Noseland eine Wiese mit Maulwurfhügeln. Auf den zweiten Blick ist es ebenfalls eine Wiese mit Maulwurfhügeln, aber eine, die Denkanstösse geben kann.

Schaltkastenausstellung

Zum dritten Mal wurde der Kleinstaat dieses Jahr als Ausstellungsfläche benutzt. Im ersten Jahr liessen sich in Noseland Weidezäune bewundern, bis zum Sonntag standen Schaltkästen in Noseland.

Wie kommt König Bruno dazu, solch Kurioses auszustellen? Die Antwort ist einfach: Bei der ersten Ausstellung fragte Schlatter bei Gemeinde und Kanton nach, was er für die Ausstellung beachten müsse. «Ich will ja keine Probleme mit dem Ausland», sagt König Bruno. Die Antwort des Kantons: Eine solche Ausstellung sei verboten, weil nirgends steht, dass sie erlaubt ist. Und weil König Bruno zwar ein Querdenker, aber kein Gesetzesbrecher ist, hielt er sich daran. Und stellt nur aus, was in der Landwirtschaftszone ausdrücklich erlaubt ist – zum Beispiel Schaltkästen. Denkbar wären für nächstes Jahr Fahnen oder Futtertränken, sagt König Bruno, ohne zu lachen.

Eine Verfassung mit 28 Seiten

Den Traum vom eigenen Staat hat Bruno Schlatter nicht alsErster geträumt. Mikronationen wie Noseland gibt es einige auf der Welt. Teilweise existieren sie aber nur im Internet. Noseland sei zwar winzig, aber es existiere wirklich. «Das finde ich wichtig», sagt Schlatter.

Dass sich der Künstler für sein Königreich eine Verfassung ausgedacht hat, erstaunt nicht. Was erstaunt, ist deren Umfang: Auf 28 Seiten schreibt Bruno Schlatter nieder, was in seiner Mikronation gilt. Er habe sich dabei eng an der Bundesverfassung und den Menschenrechten orientiert, sagt er.

Wer sich die Zeit nimmt, Schlatters Verfassung zu lesen, merkt, dass nicht alles Klamauk ist. Seine Verfassung gibt Denkanstösse. So ist in Noseland der Börsenhandel sowie das ganze Finanzwesen verboten. Waffen sind nicht erlaubt, dafür Ausländer herzlich willkommen. Das höchste Gut ist in Noseland die Freiheit jedes Individuums. Schützen tut diese König Bruno höchstpersönlich.

Der gewollte Denkanstoss

Noseland ist die Idee vom perfekten Staat, in einer perfekten, friedlichen Welt. «Märchenland ist mir die liebste Bezeichnung für mein Königreich», sagt Schlatter denn auch. Und wenn die Rückmeldung auf sein Kunstprojekt sei, dass es jemanden zum Nachdenken anrege, dann sei das Wesentliche schon erreicht.