Schlossrued

Ein Koch ist gegangen – zwei neue sind gekommen: Der «Storchen» hat jemand Neues

Sie schwingen die Kelle im «Storchen»: Köche Michael Merz und Michael Fritschi und Küchenhilfe Antoneta Hajdarai (v.l.) Knappenhaus mit Fernseher: ein Salon im Hotelzimmer. Mit etwas Glück schläft man mit Aussicht aufs Schloss.

Sie schwingen die Kelle im «Storchen»: Köche Michael Merz und Michael Fritschi und Küchenhilfe Antoneta Hajdarai (v.l.) Knappenhaus mit Fernseher: ein Salon im Hotelzimmer. Mit etwas Glück schläft man mit Aussicht aufs Schloss.

Zwei ehemalige Lehrlinge des Aarauer «Schützen» kochen neu im beliebten Schlossrueder Restaurant.

Nachdem der «Storchen»-Wirt Andreas Berger nach langjähriger Tätigkeit ins Solothurnische weitergezogen ist, haben zwei Michaels die Kellen übernommen. Michael Merz (40) und Michael Fritschi (28) kannten sich bis vor wenigen Monaten noch nicht. Sie haben auf eine Stellenanzeige reagiert, in der ein «Koch mit Leidenschaft» gesucht wurde. Die Annonce stammte von der Seminarzentrum Rued AG, welche im Auftrag der Besitzerin, der Erowa AG aus Reinach, für das Schloss Rued, das Gasthaus zum Storchen, die Schlossbrauerei und das Tanzhüsli verantwortlich ist.

Das Schloss Rued ist seit Frühjahr 2018 wiedereröffnet. Seine Räume, die mit dem Schloss verbundene Namen wie «Sinner» und «Julie von May» tragen, werden seither für Hochzeiten, Weiterbildungen oder Geschäftsmeetings gebucht. All diese Gäste müssen essen, weshalb ein Gastronomiekonzept Sinn macht, das den «Storche», im Volksmund «Store», einbezieht.

Ein Duo aus zwei Köchen löst das Ehepaar Berger ab

Um die Verpflegung der Schloss-Gäste koordinieren zu können, hat die Seminarzentrum Rued AG nach dem Abgang der Bergers im Oktober 2019 die Führung des Restaurants übernommen. Fehlen taten nur noch die Köche. Zwei sollten es sein, damit der eine den anderen auch mal vertreten kann. Und es mussten Persönlichkeiten sein, die dem Erbe ihres Vorgängers gerecht würden. Denn dieser hatte in den sechs Jahren seines Wirtens den Massstab des «Store» hoch gesetzt. Wanderer und Velofahrer stoppten, um bei Bergers Zvieri oder Zmittag zu essen und das Entrecôte oder Steak auf heissem Stein zog Leute aus der ganzen Region ins Ruedertal.

Ja, die Zeit nach der Übergabe sei anspruchsvoll gewesen, sagt Michael Merz. Allzu viel Kopfzerbrechen hat ihm das nicht gemacht, denn «das ist der normale Verlauf, wenn der Koch wechselt». Der Lebenslauf von Michael Merz sei auf Beachtung gestossen, weil er sogar schon in einem Restaurant in Thailand gekocht habe, sagt Franca Furrer, Geschäftsleiterin des Seminarzentrums Rued. Inzwischen ist Michael Merz von Erlinsbach nach Walde gezogen, um nahe beim Arbeitsort zu sein.

Zur Seite gestellt in der «Storchen»-Küche wurde ihm Michael Fritschi, der mit seiner Freundin und einem zweijährigen Buben seit zwei Jahren in Schmied–rued wohnt. Seine Freundin war auf die Annonce gestossen. Seit sie im Oktober ein Team wurden, kochen die Michaels nicht nur für die Gäste vom «Storchen», dessen Menukarte grösstenteils dieselbe geblieben ist – sondern auch für Schloss und Tanzhüsli. Das Essen wird unten im Gasthof zubereitet und dann in die Eventräume gebracht.

«Wir müssen uns aufeinander verlassen können»

Die eine oder andere Eigenkreation haben die beiden Michaels aber der Karte bereits beigefügt. Schliesslich waren sie beide einst Lehrlinge im Aarauer Restaurant Schützen – dort werden keine Null-Acht-Fünfzehn-Köche ausgebildet. Doch reichen die identischen Vornamen und derselbe Lehrmeister, um als Team zu funktionieren? Michael Merz lacht. «Wir ergänzen uns sehr gut», sagt er, während Michael Fritschi neben ihm zustimmend nickt. «Wir müssen uns als kleines Team auf einander verlassen können und das klappt gut», sagt Michael Merz.

Seit Januar klappts sogar noch besser. Dann war der Umbau der Restaurantküche beendet, der das Kochduo seit seinem Einstand zusätzlich forderte. Jetzt unterstützen Steamer und Sous-Vide die beiden beim Kreieren der Menus. Und auch die Steine für Steak und Entrecôte haben ihr Plätzchen in der neuen Küche.

Endlich kann man schlafen wie ein Knappe

Nebst den beiden Köchen beschäftigt das Seminarzentrum Rued seit der Übernahme eine Küchenhilfe, zwei Serviceangestellte, zwei Mitarbeiterinnen für das Schloss und zwei für die Hotelzimmer nebenan. Die Zimmer im ehemaligen Knappenhaus und im «Waschhüsli» daneben sind nach einjähriger Umbauzeit fertiggestellt. Jetzt kann der Hochzeitsgast nach dem Fest im Schloss gleich nebenan in die Federn plumpsen.

Wie das Schloss waren die beiden Nebengebäude nach der Ersteigerung im Jahr 2006 in einem üblen Zustand. Nach der Renovierung von Schloss Rued wurden insgesamt 12 Hotelzimmern eingebaut. Jetzt verlaufen Kabel durch die Wände und Böden, gibt es Frühstücksei vom Herd, statt Eintopf aus dem Kessel überm Feuer, Internet-Unterhaltung statt Knappengesang. Die Seufzer, die man in der Nacht hört, dürften vom Schlossgeist von der Adelsfamilie von Rued stammen, der noch nicht daran gewöhnt ist, dass er wieder Gesellschaft hat.

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