Gerichtsfall

Ein junger Wynentaler wurde ohne Ausweis erwischt – als noch weitere Leichen im Keller auftauchten

Mehrmals erwischt ohne Führerschein, jetzt droht dem Angeklagten Knast.

Mehrmals erwischt ohne Führerschein, jetzt droht dem Angeklagten Knast.

Mehrmals ohne Führerausweis unterwegs und dies teils noch unter Drogen. Es scheint ein klarer Fall zu sein: Ein unverbesserlicher Wiederholungstäter. Auf den zweiten Blick ist die Geschichte jedoch etwas verworrener.

Was auf den Blick in die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft erscheint, als hätte man es hier mit einem notorischen Täter zu tun, erweist sich bei genauerem Hinhören als komplexere Geschichte. Kevin (Name geändert), Mitte 20, blond, Typ erschrockener Lausbube, wurde vor ziemlich genau einem Jahr in Gontenschwil am Steuer eines Autos erwischt, obwohl ihm der Führerausweis entzogen worden war.

Sicherungsentzug: Er war in den Jahren zwischen 2012 und 2016 mehrmals ohne Führerausweis und teils unter Drogen (Kokain) erwischt worden. Ein unbelehrbarer Wiederholungstäter, dessen frühere bedingte Freiheitsstrafe ihn zusammen mit der Strafe fürs neue Delikt ein Jahr hinter Gitter bringen soll?

Kevin wird seine Ehrlichkeit zum Verhängnis; so stellt es der Verteidiger dar. Denn, im August 2018 gefragt, ob er im letzten Jahr Drogen konsumiert habe, sagte er, er habe während der Jahreswende 2017/18 in den Ferien im Ausland einmal Kokain konsumiert.

Der Verteidiger spricht von «reiner Schikane»

Fortan musste er beweisen, dass er nicht süchtig ist. Das heisst: Besuche beim Psychiater, Haarproben. Es laufen für ihn Kosten auf; eine Sucht wird aber nicht festgestellt. Aber zur Überprüfung des psychiatrischen Gutachtens wird ihm der Führerausweis entzogen.
«Reine Schikane, dieser Sicherungsentzug», sagt der Verteidiger. Da sei man völlig übers Ziel hinausgeschossen, habe überreagiert. Und dann kam diese Episode im November 18, als er für die Fahrt von Reinach nach Gontenschwil zum Training ohne Papier das Auto benutzte. Bequemlichkeit, sagt Gerichtspräsident Christian Märki. Es regnete.

Dass Kevin trotz Ausweisentzug gefahren ist, bestreitet niemand. Doch stand er nicht unter Drogen. «Er konnte fahren; er durfte nicht», sagt der Verteidiger. Er fuhr auch – im Gegensatz zu früheren Ausweisentzügen – nicht zu schnell. Und er gefährdete niemanden, verursachte also keinen Unfall. «Eine Dummheit», so der Verteidiger, «die bestraft werden muss, aber nicht so.»

Die Zukunft würde durchs Gefängnis zerstört

Der Verteidiger führt auch aus, Kevin, gelernter Plattenleger, mache eine Weiterbildung zum Chef-Plattenleger, die 22000 Franken koste. Müsste er ins Gefängnis, wäre seine Zukunftsgestaltung über den Haufen geworfen, Geld und Zeit wären verloren.
Auch die sieben Monate, 2016 bedingt ausgesprochen, seien nicht abzusitzen, da es sich nicht um die gleichen Delikte handle. Kevin sei heute ein anderer Mensch, ein junger Mann mit Verantwortungsbewusstsein und Perspektiven.

Geldstrafe statt unbedingter Freiheitsstrafe

Gerichtspräsident Christian Märki folgt im Wesentlichen dem Verteidiger. Nicht zuletzt, weil eine Bestrafung auch weitere Straftaten verhindern soll. Kevin ist schuldig des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises. Er muss 7500 Franken (75 Tagessätze zu 100 Franken) bezahlen sowie die Verfahrenskosten samt Kosten für die Verteidigung übernehmen. Auf den Widerruf der sieben Monate bedingten Freiheitsstrafe verzichtet Märki und verlängert die Probezeit um ein Jahr.

Für Kevin spricht die Tatsache, dass er sich zwischen April 2015 und November 2018 nichts zuschulden hat kommen lassen. Christian Märki stellt ihm eine günstige Prognose; weitere Straftaten seien nicht zu erwarten. Kevin habe seine Lehren gezogen: Weiterbildung, zuverlässiger Mitarbeiter. Dennoch: «Die Geldstrafe muss ihn schmerzen, so soll es sein.»

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